29.10.2017 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
Bio-Marktpotenziale nutzen
Bis 2020 will der Kanton Bern 200 neue Bio-Betriebe. Eine Standortbestimmung in Münsingen zeigt: 60 haben sich schon gemeldet.

Ernst Flückiger, strategischer Leiter der Bio-Offensive 2020, macht klar: «Das Gelingen der Umsetzung lebt vom Netzwerk, von Menschen, die mitdenken, die vorausgehen und neue Schritte wagen.» Pioniere eben.

Potenzial erschliessen

Leute wie Katja Stalder, die als Drogistin die Mühle Kleeb in Rüegsbach übernommen hat. Ein Kleinbetrieb, wie sie sagt. «Swissmill macht unseren Jahresausstoss von 600 Tonnen bis zum Zmittag vielleicht schon bis zum Znüni», witzelt sie. Doch sie stellt fest, dass die Kunden, immer häufiger wissen wollen, woher die Produkte kommen. Nicht selten kämen ihre Kunden von weit her ins Emmental, um sich ins Bild zu setzen.

Einer, der von Tatendrang nur so strotzt, ist Thomas Vogt von der Spirit Market GmbH, die unter der Marke «vom Chäser» Vertriebspartner von Dorfkäsereien ist. «Biomilch hat es genug. aber es ist gar nicht so einfach, genügend Biokäse zu erhalten», gibt er zu verstehen. In der Tat seien von den 1000 Tonnen Käse, die er als Händler umsetze, nur 50 t Biokäse. Es brauche eine Plattform für regionale Bio-Käsespezialitäten. «Diese müssen aber geschmacklich mit konventionellen Produkten mithalten können», ist er überzeugt.

Gesamtschweizerisch beträgt der Marktanteil von Bioprodukten 15 Prozent. Nur 8 Prozent kommen aus dem Inland. «Eine Verdoppelung ist realistisch. Es muss uns gelingen, den Konsumenten emotional abzuholen», sagt Daniel Bärtschi von Bio Suisse. Die Glaubwürdigkeit sei zentral. Der Konsument wolle nicht nur kaufen, sondern Authentizität erleben und geniessen.

Herausforderungen sind da

Dass Bioproduktion sich neuen Methoden nicht verschliessen darf, macht Paul Messerli, Obstbauer in Kirchdorf, klar. «Ausdünnen von Hand kannst Du vergessen», sagt er. Dazu kommt bei ihm ein Fadengerät zum Einsatz. Er ist mit seinem Sohn Marco gekommen, der nach der Ausbildung zum Obstbauer auf dem Betrieb,  Bio seit 2013, mithilft. Mehrarbeit, teurere Mechanisierung und 4 bis 6 Franken Mehrkosten pro Baum nennen sie. Ein besonderes Auge müsse man auf die Mäuse haben, jene im Boden.

Inforama-Leiter Markus Wildisen ist überzeugt, dass die regionale Wertschöpfung effizienter gestaltet werden muss. Dazu seien neue Ideen gefragt. Auch Regierungsrat Christoph Ammann unterstreicht, dass gleichzeitig mit der Bio-Offensive 2020 das Wissen der Landwirte über die biologische Produktion verbessert werden müsse. Man müsse aber auch die Grossverteiler beim Wort nehmen. «Wenn sie betonen, dass Bio immer gefragter ist, soll man die Potenziale am Markt auch nutzen.»

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