10.09.2019 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Basel-Land
Der Bauer und der Tod
Roger Sutter aus Sissach BL kennt den Tod. Der Bauer arbeitet nebst auf dem Hof als Bestatter. Obwohl der Beruf belastend sei, berge er auch Schönes. Besonders gefällt es ihm aber in der Natur bei seinen Pferden.

«Wenn niemand stirbt, komme ich mit der Arbeit auf dem Landwirtschaftsbetrieb gut vorwärts.» Das sagt Roger Sutter. Er ist Bestatter und Bauer. Wenn es einen Toten gibt, muss er alles stehen und liegen lassen und dort hinfahren. Doch dazu später mehr.

Wurde viel verbaut

In einem blauen Hemd und in Jeans sitzt der 40-Jährige vor einem Holzhäuschen neben der Pferdeweide. Hier kommt er her, um seine Ruhe zu haben, oder er lädt Leute zum Grillieren ein. Für das Treffen hat er diesen Ort ausgesucht, weil er in einer ländlichen Umgebung gelegen ist. Man blickt auf Reben, zu Pferden und Eseln über grüne Wiesen auf weiter entlegene Bauernhäuser.

«Unser Hof und Wohnhaus hingegen ist mitten in Sissach BL», erzählt Roger Sutter. Das Dorf sei in den letzten Jahren extrem verbaut worden. «Dort, bei diesem Gebäude, haben wir Bauern noch vor nicht allzu langer Zeit die Felder bestellt», sagt Sutter und deutet auf einen riesigen Betonkomplex weiter unten im Dorf.

Spezieller Haupterwerb

Die vielen Bauten sind mit ein Grund, weshalb Sutter nicht hauptberuflich als Landwirt tätig ist. Nachdem sein Urgrossvater den Hof in Sissach gekauft hatte, konnte er einen beachtlichen Teil Land dazupachten und bewirtschaften. Von Generation zu Generation wurde aus dem Pachtland immer mehr Bauland. Bis Roger Sutter nur noch knapp sechs Hektaren blieben. So kam es, dass er parallel zum Bauern ins andere Familienunternehmen einstieg. Die Bestattung.

Auch diese Tätigkeit geht auf Roger Sutters Urgrossvater zurück. Der besass ein Fuhrwerk und wurde deshalb 1918 von der Kirchgemeinde Sissach-Böckten-Itingen-Thürnen-Diepflingen BL zum Leichenwagenführer gewählt. So kamen Sutters ins Bestattergeschäft. Später stiegen sie vom Fuhrwerk auf den motorisierten Leichenwagen um. Mittlerweile kümmern sich Roger Sutter und sein Bruder im ganzen Kanton Baselland um Hinterbliebene und Formalitäten bei einem Trauerfall.

Spürt viel Dankbarkeit

Rund 200 Einsätze hat Sutter pro Jahr. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das ist manchmal etwas belastend. «Noch immer bin ich jedes Mal angespannt, wenn ein Telefon kommt», erzählt er. «Besonders wenn jemand zu Hause stirbt, weiss ich nie, was genau mich erwartet.» An den Anblick von toten Menschen habe er sich hingegen schon lange gewöhnt. «Selbst, wenn ich an eine Unfall- oder Suizidstelle komme, kann ich mir quasi ein Schutzschild aufbauen, damit ich die unschönen Bilder nicht an mich ranlassen muss», sagt er.

Auch mit der Trauer der Angehörigen müsse man umgehen können. In ganz schlimmen Fällen wie beim Tod eines kleinen Kindes, aber auch, wenn ein 80-Jähriger sterbe und eine 75-jährige Frau zurücklasse. «Ein Todesfall ist immer traurig für die Hinterbliebenen. Deshalb gebe ich ihren Gefühlen Raum, höre einfach zu und bringe mich nicht zu sehr ein.» Das Besondere an seinem Beruf sei neben all dem Leid, dass er den Leuten in Ausnahmesituationen und bei Überforderung beistehen und sie unterstützen könne. «Ich spüre viel Dankbarkeit für meine Arbeit. Das ist schön.»

Träume von der Weite

Richtig schön finde er es aber in der freien Natur. «Hier wächst und lebt alles, das ist ein guter Ausgleich zur Arbeit mit dem Tod», erzählt er. Auch die Arbeit mit seinen vier Pferden hilft ihm beim Abschalten. Er reitet Western-Turniere und hat ein Flair für die Mythen rund um Cowboys. Er träumt vom Wilden Westen und von den Weiten Kanadas. Dort hätte man richtig viel Platz zum Bauern. Nicht wie hier, wo alles verbaut sei. 

Trotzdem gefalle es ihm auch hier als Bauer.  Er zieht hin und wieder ein Fohlen nach und verkauft es. Gewinnbringender sei der Verkauf von Heu. Aus den Reben wird Wein. Dieser ist für den Eigengebrauch. «Ich selbst trinke zwar lieber Bier», sagt er und lächelt. 

Bekannt aus TV

Das Bier geniesst er gern auf diesem kleinen Hügel vor dem Holzhaus. Manch einem dürfte dieser Ort bekannt vorkommen. Aus dem Fernsehen. Ebenso wie Roger Sutter selbst. Er ist zurzeit auf 3+ in der Kuppelsendung «Bauer, ledig, sucht» zu sehen. Momentan sieht man ihn dort jeweils am Donnerstagabend mit der Hofdame Patricia. 

Ob aus den beiden nach Drehschluss der Sendung etwas geworden ist, darf er nicht verraten. Es wird sich aber im Verlauf der Sendung zeigen, ob der Bauer sein Bier fortan mit jemandem teilen kann.

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