3.02.2018 14:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Therese Krähenbühl
Zürich
Wenn eine Briefmarke Brücken baut
Seit 1943 setzt sich die Schweizer Berghilfe für Menschen und ihre Arbeit und Projekte in Berggebieten ein. Das 75-jährige Bestehen der Berghilfe wird mit zahlreichen Festivitäten und einer Sonderbriefmarke gefeiert.

«75 Jahre ist ein stolzes Alter. Andere sind da längst in Pension und geniessen die Ruhe. Nicht so die Schweizer Berghilfe. Sie ist nach wie vor präsent, engagiert und unterstützt, wo es nötig ist», erklärte Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post, scherzhaft bei der Pressekonferenz anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Schweizer Berghilfe im Zürcher Landesmuseum.

Bei der Berghilfe gehe es  immer noch vorwärts, und das sei gut und wichtig. «Die Berghilfe ist aber auch ein Stück Schweizer Geschichte. Auch Briefmarken sind ein Stück Identität.» Deshalb sei es passend, dass zum Jubiläum der Berghilfe eine Sonderbriefmarke kreiert worden sei.

Kunst im Kleinformat

Gestaltet hat die Briefmarke die Walliser Illustratorin Barbara Seiler. «Als Walliserin habe ich einen starken Bezug zu den Bergen und den Menschen, die dort leben. Daher  ist es für mich eine grosse Freude und Ehre, dass ich die Briefmarke gestalten durfte», sagte die Künstlerin. Zu dem Projekt sei sie ganz unverhofft gekommen. «Ich erhielt von der Schweizerischen Post die Anfrage, ob ich nicht bei dem Wettbewerb zur Gestaltung der Briefmarke mitmachen möchte.»

Dass ihr Entwurf gewinnen würde, hätte sie nicht erwartet. Sowieso sei es nicht ganz einfach gewesen, die Botschaft der Schweizer Berghilfe auf so einem kleinen Stück Papier festzuhalten. «Man muss daran denken, dass das Bild sehr kleinformatig ist und trotzdem wirken sollte.» Sie habe sich bei der Gestaltung am Thema «Solidarität zwischen Stadt und Land» orientiert.

Zwei Menschen, die eine Brücke über einen Graben zwischen einer ländlichen und einer urbanen Landschaft bauen, symbolisieren das Aufeinandertreffen der verschiedenen Welten und das Aufeinanderzugehen. «Wenn man so eine Botschaft vermitteln will, muss man gut überlegen, wie man es am besten macht.» Gezeichnet hat Barbara Seiler ihr Bild elektronisch auf einem Tablet. Damit die Botschaft auch wirklich gut zum Ausdruck kommt, wird die Briefmarke etwas grösser als reguläre Briefmarken produziert und verkauft werden.

Stadt und Land verbinden

Nebst dem Verkauf der Briefmarke wird das Jubiläum mit zahlreichen weiteren Anlässen und Aktionen gefeiert werden. «Wir haben unter anderem eine Berghilfe-Trophy geplant», erklärte Regula Straub, Geschäftsführerin der Schweizer Berghilfe. Dabei handle es sich um eine Entdeckungsreise durch die Schweizer Regionen. «Es ist eine Art Schnitzeljagd zu 44 Projekten, die durch die Schweizer Berghilfe unterstützt wurden. Wer mindestens drei der Projekte besucht, kann beim grossen Wettbewerb mitmachen.» 

Das Ziel dieser Aktion sei es, die Menschen in die Berge zu bringen. «Eben auch an Orte ab von den grossen touristischen Zentren.» Im Gegenzug dazu sollen die Berge oder zumindest die Produkte aus den Bergen auch in die Stadt gebracht werden. Straub: «Wir werden mit kulinarischen Spezialitäten aus Berghilfe-Projekten an Street-Food-Festivals in sieben Städten der Schweiz vertreten sein.» 

Zusätzlich wird das Jubiläum mit der 100. Ausgabe der Schweizer-Berghilfe-Zeitung, verschiedenen Festen und der Verleihung des Prix Montagne in Kooperation mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) gefeiert. Dass die Berghilfe in der Bevölkerung auf viel Zuspruch stösst, zeigt auch die Bilanz des letzten Jahres. «Im Jahr 2017 hat die Schweizer Berghilfe 490 Projekte mit rund 21,4 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Die Einnahmen aus den Spenden betrugen aussergewöhnlich hohe 31,2 Millionen Franken», bilanzierte die Geschäftsführerin. Letzteres sei vor allem auf eine deutliche Steigerung bei den Nachlasseinnahmen zurückzuführen.

Auch im Jahr 2018 soll mit einer nationalen Spendenkampagne Geld für die Berghilfe gesammelt werden. «Die Solidarität der Schweizer Bevölkerung ist für die Weiterentwicklung der Bergregionen entscheidend.» Deshalb unterstütze die Berghilfe verschiedenste Projekte. «Viele unserer Projekte sind Landwirtschaftsprojekte. Wir unterstützen aber auch andere Projekte in Bergregionen.» Gerade wenn Menschen in Bergregionen eine Umschulung machen möchten oder eine innovative Geschäftsidee hätten, sei die Berghilfe gerne bereit, diese zu unterstützen. «Darum hoffen wir, dass wir im kommenden Jahr nicht nur Spenden sammeln, sondern auch neue Projekte finden werden, wo wir helfend unter die Arme greifen können.»

Den Radius ausdehnen

Bei der Pressekonferenz wurde nicht nur in die Zukunft, sondern auch auf die Geschichte der Berghilfe zurückgeblickt. Es komme nicht von ungefähr, dass die Berghilfe ihren Ursprung ausgerechnet im Jahr 1943, der Zeit des Zweiten Weltkriegs, habe, erläuterte Eva Jaisli, Mitglied des Stiftungsrates der Schweizer Berghilfe und CEO PB Swiss Tools AG. «Die Berggebiete hatten seit jeher strukturelle Nachteile gegenüber anderen Gebieten, wie die schwere Zugänglichkeit oder beschränkte Ausbildungs- und Arbeitsplätze.» Solidarität sei dabei unerlässlich. «So wollen wir auch in Zukunft die Selbsthilfe unterstützen und unseren Wirkungsradius noch weiter ausdehnen.»

www.berghilfe.ch

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