4.10.2017 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Barbara Bäuerle
St. Gallen
Wenn der Heli den Mist ausbringt
Einen Einsatz der besonderen Art führt die erfahrene Crew der Heli Linth alljährlich zuhinterst ins st.-gallische Weisstannental. Am nur zu Fuss erreichbaren Obersäss der Alp Walabütz wird mit dem Helikopter Mist ausgetragen.

Vom kühlen Herbst sind die Berge nach wie vor weiss gepudert, die Alpen sind grösstenteils schon verlassen, auf den bräunlich verfärbten Weiden macht sich Ruhe breit Doch viele tatkräftige Hände sind nach wie vor für die Pflege der Alpen bemüht. So herrschte am 23. September, eine Woche nach der Alpabfahrt, auf der Walabützer Matt reges Treiben.

Der Mist, den die achtzig Kühe und ihr Stier in den rund sechs Wochen Alpzeit auf 1927 mü.M. produziert haben, findet in den steilen Hängen seinen Nutzen. Für den effizienten Vorgang benötigt Alpmeister Bruno Good ein Team von zwanzig Mann. Alljährlich kann er dabei auf die Unterstützung der Alpbestösser der Korporationsalp zählen. Das System ist einfach und doch komplex – mit einer eigens dafür angefertigten, speziell reissfesten Blache wird der Mist vom Stock aus an verschiedene Stellen gebracht. Dort wird dieser von den Helfern mit Mistgabeln verteilt.

Schon seit 1984

Früher war auf der Alp jeweils den ganzen Sommer ein «Mister» angestellt. Mit Pferd oder Seilwinde war dieser eigens dafür zuständig, den Dünger auf den einmalig beweideten Wiesen auszubringen. Nachdem der damalige Alpmeister Schlegel Josef selig vom Rheinhof in Mels 1983 die Idee mit dem Helikopter ausprobiert hatte, bewährt sich diese über dreissig Jahre später nach wie vor. «Es ist und bleibt die ideale Lösung für unser Gebiet», erzählt Good.

Für Maschinen ist das Obersäss unerreichbar, und selbst wenn man eine hochfliegen würde, so würde man damit doch nur die wenigen sowieso schon gut gesättigten, ebenen Wiesen erreichen. Eine grosse Erleichterung sei der Bagger, der die Transportblachen zwischen den Rotationen füllt. Denn auch diese Arbeit wurde bis vor drei Jahren von Hand gemacht. Soll heissen, es standen bis zu zehn Mann auf dem Miststock und füllten unter grossem Zeitdruck jeweils die Blachen. Das hätte vereinzelt zu Unfällen geführt, denn so nah aufeinander mit Mistgabeln hantierend in wenigen Minuten 700 bis 900 Kilo Mist ist zu «laden» sei nicht einfach gewesen.

Treuer Partner

Der seit 2012 als Alpmeister für die Organisation des Ganzen verantwortliche Bruno Good rühmt dabei die Firma Heli Linth mit Sitz im glarnerischen Mollis sehr. Erfahrene Piloten und Flughelfer gehen professionell und äusserst effizient an die Aufgabe heran. Während die Flughelfer auf dem Platz stets mit dem Piloten in der Luft koordinieren, sind auch noch sieben bis acht weitere Männer dort.

Jedem von ihnen ist eine klare Aufgabe zugeteilt.  Die Flughelfer hängen jeweils die gefüllte Blache in die Klinke am Ende des Helikopterseils ein. Vier Männer sind für das «Einfangen» und Festhalten der unter dem Flugwind stark wehenden, leeren Blache zuständig. Ein weiterer sorgt für das direkte Weiterreichen der Klinke, auch im Bagger, und beim Mist wird stets nachgearbeitet.

Kleine Misthaufen werden zwischengelagert


Weiter stehen zwei leuchtend bekleidete, gut sichtbare Männer – die sogenannten «Zeiger» – an verschiedenen Stellen im Gelände und zeigen dem Piloten jeweils, wo die nächste Ladung abzuladen ist. Die restlichen Helfer fangen sofort an den Mist im Gelände zu verteilen.

Auf diese Weise werden in kürzester Zeit viele kleinere Misthaufen auf teils unwegsamen Gelände kurz zwischengelagert und noch am selben Tag gut verteilt. Nach durchschnittlich anderthalb Stunden ist die Arbeit des Helfers aus der Luft getan, und die Bodentruppe macht sich an das Verteilen der vielen Haufen, bevor am späteren Nachmittag auch die Geselligkeit eines solchen «Teamanlasses» nicht zu kurz kommt.

Bis 60 Rotationen 

Die Kosten dafür belaufen sich je nach Zahl der Rotationen (als eine Rotation gilt ein Flug von und bis zur Ladestelle) auf etwa 4000 Franken. Da die Bauern ihren Dienst in Fronarbeit leisten, sind diese überraschenderweise sogar tiefer als für das Austragen der Gülle am Unterstafel. Obwohl auch hier die Arbeit der Helfer, die je nach Anzahl ihrer gesömmerten Tiere unentgeltliche Arbeit zu leisten haben, keine Kosten verursacht, liegen die Kosten für drei grosse Traktoren, Rührer, Schläuche und die benötigte Pumpe bereits ohne den Unterhalt und Reparaturen über den Einsatzkosten des Helikopters.

Dennoch kennt Bruno Good keine andere Alp, die diese Methode anwendet. «Nur einmal haben wir bisher eine Anfrage einer anderen Alp erhalten und die zwei Blachen ausgelehnt. Das war aber eine einmalige Aktion...»  Der personelle Bedarf der Aktion darf nicht unterschätzt werden; echte Team- und Zusammenarbeit ist an diesem Tag gefragt und verbindet die «Walabützer» und «Heli-Linthler» jeden Herbst aufs Neue.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE