13.02.2017 07:41
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Wasserbüffel und ein Weltmeister
Zuhinterst im Emmental, eingebettet in Moorlandschaften schmiegt sich das Schangnau an den Fuss des Hohgants. Bei Schangnau denken viele als erstes an die riesigen Meiringues - Merängge, wie die Emmentaler sagen - im Kemmeribodenbad. Seit Sonntag hat das beschauliche Fleckchen Emmental aber auch einen Weltmeister.

Der Skirennfahrer Beat Feuz sicherte sich am Sonntag in der WM-Abfahrt in St. Moritz Gold. Mit dem Sieg dürfte auch Feuz' Heimat vorübergehend etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil werden.

900 Einwohner

Etwas über 900 Menschen wohnen in der obersten Emmentaler Gemeinde an der Grenze zum Berner Oberland und zum Entlebuch. Die Region ist das Quellgebiet der Emme. «Schöngow», schöner Gau, hiess das Tal vor Jahrhunderten noch. Der Name veränderte sich zu Schangauw, Tschangnau und schliesslich das seit Anfang des 19. Jahrhunderts gebräuchliche Schangnau.

Gerber, Reber, Bieri oder eben Feuz heissen alteingesessene Schangnauer. Landwirtschaft, Kleingewerbe und etwas Tourismus sorgen fürs Auskommen. Die SVP dominiert das politische Leben im Tal. Bei den letzten Nationalratswahlen erreichte die Volkspartei in dem hintersten Zipfel des Emmentals einen Stimmenanteil von 75,4 Prozent.

Wasserbüffel

Das Vereinsleben prägen Jodler, Turner, Schützen, ein Trachtenverein und der Skiclub - eine Landgemeinde, wie viele im Kanton Bern. Doch der hinterste Zipfel Emmental ist keineswegs weltabgewandt, sondern immer gut für eine Überraschung.

Wer durch die Voralpenlandschaft wandert, kann richtigen Exoten begegnen. Seit Ende der 1990-er Jahr werden im Tal Wasserbüffel gehalten. Büffelmozzarella, Büffelsteaks, Büffellandjäger, ja selbst Büffelglace, werden mittlerweile erfolgreich vertrieben - und das mitten in den Stammlanden des Emmentaler Käses. Die genügsamen Tiere sind im Tal zu einem veritablen Wirtschaftsfaktor geworden.

Schneller Bauernbub

Die Gemeinde Schangnau teilt sich in die Weiler Wald, Tal und Bumbach. In Bumbach, beim kleinen Skilift, ist Bauernsohn Beat Feuz aufgewachsen. Unzählige Male dürfte der kleine «Beätu», wie sie ihn zu Hause nennen, die paar Pistenkilometer hoch- und runtergerutscht sein. Sein erstes Kinderrennen gewann er mit sieben Jahren.

Es folgte eine mitunter beschwerliche und von verschiedenen Rückschlägen geprägte Skirenn-Karriere. Der etwas moppelige Bauernbub soll dem Vernehmen nach nicht eben mit Trainingsfleiss geglänzt haben. Weil er dennoch zu den ganz Schnellen seiner Zunft gehörte, trug ihm dies den Spitznamen «Kugelblitz» ein.

Dorf gratuliert

Am Sonntag nun machte Feuz seinem Übernamen im besten Sinn alle Ehre. Im Gasthof Rosegg neben dem Skilift Bumbach dürfte nach dem Titelgewinn noch lange gefeiert worden sein. «Beat Feuz Weltmeister 2017 - mir gratuliere» schalteten die Skilifte Bumbach am Sonntag eine grosse Affiche auf ihrer Hompage auf. Und auch der Skiclub Schangnau gratuliert Feuz auf der Internetseite.

Titelgewinn hin oder her: Die bodenständigen Schangnauer werden deswegen nicht abheben. Dass es im Leben auch anders gehen kann, hat die Talschaft erst vor wenigen Jahren erfahren, als Unwetter das Tal verwüsteten und viel Leid verursachten.

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