14.04.2019 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Familiennamen
Was bedeutet Ihr Nachname?
Beatrice Hofmann beantwortet seit einiger Zeit auf Fragen der Leserschaft zu Flurnamen. Die Sprachwissenschaftlerin aus Allschwil BL weiss aber auch viel über Familiennamen und Dialektal-Wörter.

Einige dürften sie kennen. Beatrice Hofmann-Wiggenhausers Foto erscheint immer wieder auf unserer Internetseite www.schweizerbauer.ch. Immer dann, wenn es um Flurnamen geht. 

In den vergangenen zwei Jahren hat sie erklärt, warum «Bisihus» nichts mit einem Toilettengang zu tun hat, was die Toblerone mit dem Tobelhof zu tun hat, welche Namen auf die Farbe des lokalen Bodens schliessen lassen und warum eine Flur im Kanton Schwyz «Hengsthorn» heisst. Immer wieder haben Leserinnen und Leser ihre Fragen zum Namen eines Landstücks eingeschickt und Hofmann hat kompetent geantwortet. 

Immaterielles Kulturerbe

Hofmanns Wissen kommt nicht von Ungefähr. Die 32-Jährige aus Allschwil BL hat an den Universitäten Basel und Zürich Germanistik (deutsche Literatur- und Sprachwissenschaften) sowie Medienwissenschaften studiert. Danach schrieb sie eine Doktorarbeit zum Namensgebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch.

Familiennamen

Über die Flurnamenforschung ist Hofmann auch zur Familiennamenforschung gekommen. «Etliche Flurnamen gehen auf einen ursprünglichen Personen- oder Familiennamen zurück und markieren so die Besitzerzugehörigkeit», sagt sie. «Ein einfaches Beispiel ist der Name Bisiberg in Balsthal SO, der einen Berg im Besitz einer Person namens Biso meint», erklärt sie weiter. «Oder der Name Meieren in Einsiedeln SZ, der ein Flurstück im Besitz der Person namens Meier bezeichnet.» Der häufige Schweizer Familienname Meier meine dabei «Verwalter eines Fronhofes». Der Meier sei  neben der Bewirtschaftung des Hofes auch für die grundherrlichen Abgaben zuständig, erklärt die Sprachwissenschaftlerin.

«Nebst den Familien  sind es auch zahlreiche schweizerdeutsche Ausdrücke, die in den Flurnamen weiterleben und heute oftmals nicht mehr verstanden werden, da sie aus unserem täglichen Sprachgebrauch verschwunden sind. Dazu gehören zum Beispiel Ausdrücke für feuchten Boden: Schlatt, Ried, Müsel, Moos, Au, Ei oder Brüel», so Hofmann. 

Fatzination Vielfalt

Hofmann ist fasziniert von der Vielfalt unserer Sprache. «Wir Schweizer haben ein enorm grosses Repertoire an unterschiedlichen Ausdrücken für die gleiche Sache. Das macht die Qualität einer Sprache erst aus und zeigt die Vielfältigkeit der unterschiedlich Dialektwörter.Die Deutung dieser Wörter, die heute nicht mehr verstanden werden, fasziniert mich immer wieder aufs Neue – obwohl ich nun seit mehr als zehn Jahren Namenforschung betreibe», sagt die Wissenschaftlerin.

 

Von Hinz bis Kunz – oder woher unsere Nachnamen kommen

Seien Sie ehrlich – auch Sie haben schon mal bei bestimmten Familiennamen schmunzeln müssen – etwa bei Binggeli, Gröli, Gruntz, Dahinden oder Gäggeler. Es kann ja nicht jeder Hinz und Kunz heissen. Obwohl die beiden Namen Hinz und Kunz heute so gar nicht mehr populär sind. Im 11. bis 13. Jahrhundert, im Hochmittelalter, war Hinz die Kurzform für Heinrich und Kunz die Kurzform für Konrad. Zahlreiche deutsche Herrscher hiessen früher Heinrich und Konrad, und die Bevölkerung benannte ihre Kinder im Laufe der Jahre danach. Somit entstand die heute noch gebräuchliche Redewendung, auch wenn die beiden Namen heute wohl durch die beliebten Vornamen «Liam» und «Mia» ersetzt werden müssten. Familiennamen sind oft auch aus Vornamen, den sogenannten Beinamen, entstanden – beispielsweise «Kuenz» oder «Peter». Zahlreiche Familiennamen gehen auf die damalige Berufsbezeichnung zurück – «Müller» oder «Schmied». Es ist auch möglich, dass die geografische Herkunft einen Familiennamen geformt hat – «Zürcher» oder «von Wattenwil» oder aber aus dem Merkmal der Wohnstätte entstanden ist – «Bachmann», «Bühler», «Berger» oder der eingangs erwähnte Name «Dahinden». Ebenso haben bestimmte, markante Eigenschaften einer Person den Familiennamen motiviert – etwa «Haudenschild» als Übername, in Satzform «ich zerhaue den Schild». Dieser Name soll für einen streitsüchtigen Menschen stehen. Natürlich bedeutet das nicht,  dass jede Person mit dem Familiennamen Haudenschild auch diese charakteristische Eigenschaft mit sich trägt. 

Jeder Name hat eine Bedeutung, auch wenn diese heute nicht mehr ersichtlich ist. Grund dafür ist unser reichhaltiger Wortschatz, der sich in den Familiennamen zwar bis heute erhalten konnte, dessen  Bedeutung jedoch zum Teil in Vergessenheit geraten ist. In der Schweiz existieren zahlreiche Ausdrücke für die gleiche Sache: Güegi, Üürbsi, Bütschgi, Bürzi, Gäggi, Gröötschi oder Bätzi – sie alle sind Ausdrücke für die Überreste eines Apfelgehäuses. Beachtlich vielfältig ist auch der schweizerdeutsche Wortschatz für «weinen»: suure, tullu, zäne, läätsche, mööge, pflänne, plääre, gelle, gleie, chrääje, bääge, briegge, briele, brüele, hiile oder grine. Die Aufzählung könnte sogar noch erweitert werden. Die Familiennamen- und Wortschatz-Serie «Hinz und Kunz» widmet sich ausführlich dieser Vielfalt. In dieser Serie erfahren Sie ob der Name «Gröli» wirklich mit gröhlen zu tun hat und was es mit dem «Gäggeler» auf sich hat. Wollten Sie schon immer wissen, was der Unterschied zwischen einem Hürli- und einem Haldimann ist? Auf gehts!

Namen- und Mundartexpertin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

 

Schickt uns eure Fragen

Möchtet auch ihr schon lange wissen, was euer Familiennamen bedeutet. Oder kennt ihr ein dialektales Wort, von dem ihr die genaue oder die ursprüngliche Bedeutung wissen möchtet? Antworten auf solche Fragen weiss  Beatrice Hofmann-Wiggenhauser.

Schickt eure Frage an redaktion@schweizerbauer.ch, Betreff «Familiennamen» oder «dialektale Wörter». Oder per Post an: Schweizer Bauer, «Namenforschung», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Namen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und hier besprochen.

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