21.10.2019 18:25
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Familiennamen
Von Flur- und Familiennamen
Beatrice Hofmann hat uns vor gut zwei Jahren zum ersten Mal erklärt, was es mit bestimmten Flurnamen auf sich hat. Damit ist nun Schluss. Dafür verrät sie, was Familiennamen bedeuten. Zum Beispiel Gröli oder Gäggeler.

Einige dürften sie kennen. Beatrice Hofmann-Wiggenhausers Foto erscheint immer wieder auf unserer Website schweizerbauer.ch. Immer dann, wenn es um Flurnamen geht. In den vergangenen zwei Jahren hat sie erklärt, warum «Bisihus» nichts mit einem Toilettengang zu tun hat, was die Toblerone mit dem Tobelhof zu tun hat, welche Namen auf die Farbe des lokalen Bodens schliessen lassen und warum eine Flur im Kanton Schwyz «Hengsthorn» heisst.

Immer wieder haben Leserinnen und Leser ihre Fragen zum Namen eines Landstücks eingeschickt und Hofmann hat kompetent geantwortet. Die Serie geht nun zu Ende und Hofmann blickt in einem Artikel auf die gut zwei Jahre und knapp 30 Artikel zurück (siehe Kasten).

Neue Serie 

Möchten auch Sie wissen, was Ihr Familienname bedeutet? Senden Sie uns ein Mail an redaktion@schweizerbauer.ch, Betreff «Familiennamen». Oder per Post: Schweizer Bauer, «Familiennamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Namen werden von Beatrice Hofmann ausgewählt und auf www.schweizerbauer.ch besprochen. jul

Wenn etwas zu Ende geht, kann auch etwas Neues beginnen. Und genau das passiert auch bei uns. «Wer nach den zahlreichen Flurnamen noch nicht genug hat, der ist in der neuen Familiennamen-Serie ‹Von Hinz bis Kunz›» herzlich willkommen, sagt Hofmann. «In dieser Serie erfahren Sie ob der Name ‹Gröli› wirklich mit gröhlen zu tun hat und was es mit dem ‹Gäggeler› auf sich hat», so die Sprachwissenschaftlerin.

Von der Holzschuepisse bis ins Melchtal

Alles begann mit der «Holzschuepisse» im Jahr 2017 und endet dieses Jahr in der «Lauimatt». Knappe 30 Flurnamen später endet diese Serie und ich möchte mich bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, herzlich bedanken. In den vergangenen zwei Jahren haben wir wahrlich viel erlebt. Wir haben auf dem «Tobelhof» (Lommis, TG) die Schokolade Toblerone gekostet, haben beim «Haumesser» (Erlinsbach, SO) ein Picknick gegessen, haben dem Dorf der unbegrenzten Möglichkeiten, «Amerika» (Rohrbach, BE), einen Besuch abgestattet und sind im «Melchtal» (Engelberg, OW) unter die fliessende Milch gestanden. Nicht alle wären mit allen Wassern gewaschen und hätten sich in den «Sooret» (Zezikon, TG) getraut; nicht jeder wäre einfach so mit ins «Bisihus» (Waldkirch, SG) mitgekommen und hätte sich die «Chalbisau» (Hirzel, ZH) genauer angesehen oder in der «Krausen» (Wynigen, BE) Schnaps gebrannt. Die Flurnamen werden heute nicht mehr in der gleichen Häufigkeit verwendet, wie das noch früher der Fall war, als noch mehr Menschen in der Landwirtschaft tätig waren. Trotzdem sind sie doch historische Zeugnisse, verweisen auf ehemalige Besitzerverhältnisse, Bodenbeschaffenheit und topografische Verhältnisse. Sie sind somit wichtige geschichtliche Erzeugnisse und zeigen auch die Vielfalt des schweizerdeutschen Wortschatzes auf. Umso wichtiger sind ihre Bewahrung und Erhaltung in der Sprache und im Gebrauch. Jeder Flurname erzählt seine spezifische Geschichte.

Insbesondere bei den zahlreichen Ackernamen in der Schweiz ist gut sichtbar, dass viele ihre Namen aufgrund ihrer typischen Ertragseigenschaften erhalten haben. Dies zeigte sich im Flurnamen «Gimmermeh» in Gretzenbach SO, der ein sprechender Name ist. Er bezeichnet ein Flurstück, das viel Dünger verlangt und in der Bedeutung «gib mir mehr» zu verstehen ist. Solche Flurnamen stehen oft für eher kleine, nicht viel Ertrag abwerfende oder schlecht zu bewirtschaftende und durch weniger guten Boden gekennzeichnete Landstücke. Wer mehr geben soll, muss schwitzen. Das zeigte sich in Niederbuchsiten (SO) im Hofnamen «Oberer Schweissacker». Doch der Name geht nicht auf ein stinkendes Feld zurück, sondern auf das mittelhochdeutsche Wort sweiz, schweiz und bedeutet Schweiss absondern, schwitzen, triefen oder durchsickern. Der Schweiss als in Tropfenform aus den Poren austretende wässerige Aussonderung kann im übertragenen Sinn auch aus dem Erdboden hervorstossendes Wasser bedeuten. Namenkundlich haben wir es demnach bei einem Schweissacker mit durch Quelldruck entstandenen feuchten oder sumpfigen Stellen im Gelände zu tun. Geschwitzt habe ich trotzdem, nämlich dann, wenn eine Leserin oder ein Leser eine besonders knifflige Frage stellte; etwa beim Namen «Reiferswil» (Fischbach, LU) oder bei den Namen «Braati» und «Nodler» (Hohentannen, TG).

Vielen herzlichen Dank für die zahlreichen Fragen, die ich erhalten habe, die vielen Dokumente, Tipps und Erklärungen zu Flurnamen, die meine Recherchen weitergebracht und schliesslich zum Artikel geführt haben. Es gibt noch zahlreiche Flurnamen, die erklärt werden könnten, leider behalten einige ihr Namengeheimnis für sich. Eine fundierte historische Belegreihe fehlt, um eine Deutung zu machen oder der Name ist bereits in den Jahrhunderten so verschliffen, dass die ursprüngliche Namenform nicht mehr rekonstruierbar ist. Aber so bleibt die Namenlandschaft spannend und die Flurnamen als immaterielles Kulturerbe einzigartig. Nun geht es mit den Familiennamen weiter und ich freue mich auf weitere knifflige Fälle. 

Beatrice Hofmann

 

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