5.12.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Flurnamen
Viele Wege führen nach Kloten
In der Rubrik „Flurnamen“ beantwortet Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser Eure Fragen zu interessanten Namen von Fluren, Äckern und Weilern. Mit den Namen „Chlotengasse“ geht unsere Serie weiter. Sie befindet sich in Tagelswangen in der Zürcher Gemeinde Lindau. Ihr könnt uns laufend Eure Flurnamen einschicken.

Natürlich, Rom müsste es heissen. Rom, die ewige Stadt. Sehnsuchtsort frisch Verheirateter Katholiken, Heimat des Papstes und begehbarer Hort der römischen Antike. Rom ist eine Reise Wert, keine Frage, und die könnte in der heutigen Zeit tatsächlich in Kloten auf dem Flughafen beginnen. Der Weg nach Kloten, ist also wirklich kein belangloser. Er könnte das besagte Tor zur Welt darstellen.

Warum die Chlotengasse nicht nach Kloten führt

Frau Edith Ehrensperger aus Tagelswangen informierte mich, dass in ihrer Wohngemeinde eine Chlotengasse liegt. Tagelswangen, heute in der Gemeinde Lindau eingemeindet, liegt tatsächlich nicht weit von Kloten entfernt und die Chlotengasse weist tatsächlich in Richtung der Ortschaft beim Flughafen; sie mündet aber in die Zürichstrasse. Zwischen Tagelswangen und Kloten liegt immerhin noch Bassersdorf. In der Chlotengasse eine Richtungsangabe zu vermuten, erscheint daher berechtigterweise fragwürdig. 

Tatsächlich muss im Bestandteil «Chloten» eine andere Motivation gefunden werden. «Chloten» bezeichnen Reste von Kot und Dreck, die knollenförmig an Tierfellen hängen, weiss das Idiotikon, das Schweizerdeutsche Wörterbuch. Die Chlotengasse ist also nicht in Anlehnung an das Tor zur weiten Welt benannt, im Gegenteil, die Motivation ist weniger rühmlich. Eine Chlotengasse meint die mit Dreck und Kot verschmierte, verunreinigte Gasse. Dieser Dreck stammte von den Tieren, die von den Weiden zurück in die Ställe ins Dorf oder umgekehrt zogen. Zwischen Kloten und Chloten besteht kein Zusammenhang, wohl aber zwischen Kloten und Rom, und dies obwohl Kloten von Rom rund 870 km entfernt liegt.

Die römische 11. Legion in Kloten

Rom, die Hauptstadt der Römer, dessen Reich sich einst bis an den Rhein, sogar bis auf die britischen Inseln erstreckte. «In villa Chlotun» lautet der älteste, in Latein verfasste schriftliche Form für Kloten aus dem Jahr 1150, für 1188 ist eine Person namens «Anshelmus de Chlotun» belegt. Als dieser Herr sich anschickte, mit seiner Herkunft eine Namensverbindung einzugehen, bestand Kloten schon seit mehreren Jahrhunderten. Ziegelfunde aus der Zeit der Römer belegen die Anwesenheit der 11. Legion, der «legio Claudia». 

Kloten bildete zu römischer Zeit einen Stationshalt an der Kreuzung zwischen «Vindonissa» und «Brigantium», also zwischen Windisch und Bregenz am Bodensee sowie an einer Ausfallsachse von «Turicum» (Zürich) in den Süddeutschen Raum. Der Name Kloten ist also motiviert durch die «legio Claudia». Anzunehmen ist eine ursprüngliche Form die «Claudunum» geheissen haben könnte. «Claudum» bedeutet soviel wie „die Festung des (Kaisers) Claudius“ oder „die nach dem Kaiser Claudius benannte Festung“. Da wären sie also wieder, die Römer und dass genau in Kloten, in dem der grösste Schweizer Landesflughafen steht, ist in seiner Symbolik also auch nicht gestohlen. Gut, dass Tagelswangen so nahe an Kloten liegt.

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.

Sendet Eure Flurnamen ein

Möchtet Ihr wissen, warum ein Acker, den Ihr bewirtschaftet oder der Weiler, auf dem Euer Haus steht, einen bestimmten Namen trägt? Dann schickt uns Eure Flurnamen (und die jeweilige Ortschaft) ein

Antworten auf Fragen zu Flur- und Ackernamen weiss die Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser. Schicken Sie Ihre Frage an redaktion@schweizerbauer.ch, Betreff «Flurnamen». Oder per Post an: Schweizer Bauer, «Flurnamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Flur- und Ackernamen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.

 

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