5.10.2015 08:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
US-Ostküste unter Wasser
Rekordregenfälle, schwere Überschwemmungen, Stromausfälle: Ein Hurrikan und ein Tiefdruckgebiet setzen die Ostküste der USA unter Wasser. Von South Carolina bis Delaware wurden Flutwarnungen ausgegeben, 27 Millionen Menschen könnten betroffen sein.

Vor allem in South Carolina führten heftige Regenfälle - laut dem Sender CNN mehr als 30 Zentimeter binnen zwei Tagen - bereits am Wochenende zu grossen Problemen. US-Präsident Barack Obama erklärte den Staat zum Notstandsgebiet.

So waren in der Stadt Charleston zahlreiche Strassen überflutet, manche Fahrzeuge standen fast bis zum Dach im Wasser. Die Innenstadt war teilweise durch die Überschwemmungen abgeschnitten, in einem Bezirk mussten bis Sonntagmorgen fast 150 Menschen aus ihren im Wasser steckengebliebenen Fahrzeugen gerettet werden. 30'000 Menschen in South Carolina waren ohne Stromversorgung.

Das Schlimmste könnte noch kommen

Und laut dem Nationalen Wetterdienst könnte es noch schlimmer werden. Es wurde erwartet, dass es bis Montagabend weiterregnet, wenn auch vielleicht mit allmählich nachlassender Stärke. Schuld sind zwei Schlechtwettersysteme, die den Osten sozusagen in die Zange genommen haben. Im Atlantik zieht Hurrikan «Joaquín» von den Bahamas nordwärts ins offene Meer. Er trifft zwar nicht auf die US-Küste, aber ein Tiefdruckgebiet über dem Festland, das sich seit Tagen nur langsam fortbewegt hat, saugt daraus Feuchtigkeit.

«Joaquín» verursacht ausserdem einen hohen Wellengang - das drückt zusätzliche Wassermassen ins Land, wie CNN-Meteorologen erläuterten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Boden nach überdurchschnittlich starken Niederschlägen in den vergangenen Wochen bereits vollgesogen ist.

Containerschiff wird weiterhin vermisst

Insgesamt sieben Bundesstaaten bereiteten sich auf schwere Regenfälle und Überflutungen vor. South und North Carolina, Virginia und New Jersey riefen bereits am Freitag vorsorglich Katastrophenalarm aus, in besonders niedrig liegenden Gebieten wurden Hunderte Häuser evakuiert. «Lebensgefährliche Strömungen, hohe Brandungen und Überschwemmungen werden sich vor allem bei Flut fast an der gesamten US-Ostküste entlang ausbreiten», sagte CNN-Meteorologe Michael Guy.

Seit Donnerstag sind nach Medienberichten sechs Menschen bei wetterbedingten Unfällen ums Leben gekommen. Dazu zählen zwei Männer, die vor New York ertranken, als ihr Boot in stürmischer See kenterte. Die US-Küstenwache setzte am Sonntag nahe den Bahamas ihre Suche nach einem im Hurrikan vermissten Containerschiff fort. Der Kontakt zum Frachter «El Faro» mit 33 Menschen an Bord war am Donnerstag abgebrochen, nachdem die Crew einen Seenot-Hilferuf abgesetzt hatte. Am späten Samstagabend entdeckte die Küstenwache einen Rettungsring 75 Meilen nordöstlich der letzten bekannten Position des Schiffes.

«Jahrtausend-Regen» bringt Notstand in South Carolina

Überschwemmte Strassen, überflutete Häuser, gesperrte Autobahnen und Brücken: Nach Regen in Rekordmengen herrscht im US-Bundesstaat South Carolina der Notstand. Gouverneurin Nikki Haley beschwor die Bevölkerung, die Wassermassen zu meiden und zu Hause zu bleiben.

60 Zentimeter Regen

«Dies ist der schlimmste Regen seit 1000 Jahren», sagte Haley am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Columbia, der Hauptstadt des Staates. Dort wurde wegen der schweren Überschwemmungen für die Nacht zum Montag eine Ausgangssperre verhängt. South Carolina ist am stärksten betroffen, US-Präsident Barack Obama hatte es bereits am Samstag zum Notstandsgebiet erklärt. Damit können rascher Mittel zum Aufräumen und Wiederaufbau aus Washington in den Staat fliessen.

Dort wurden seit Freitag stellenweise 60 Zentimeter Niederschlag gemessen. Hunderte Menschen mussten aus im Wasser steckengebliebenen Autos und Häusern gerettet werden, allein in einem Zeitraum von 12 Stunden wurden nach Behördenangaben mehr als 300 wetterbedingte Autozusammenstösse gemeldet.

100 Kilometer Autobahn gesperrt

Neben Strassen und Brücken waren am Sonntag auch Teile mehrerer Autobahnen nicht befahrbar. Die Interstate 95, die verkehrsreiche Hauptverkehrsader zwischen Maine im Nordosten und Miami im südlichen Florida, wurde auf einer Länge von gut 100 Kilometern gesperrt. Schwere Überflutungen gab es auch in Charleston.

Insgesamt waren Haley zufolge am Sonntag 25'000 Menschen in South Carolina von der Stromversorgung abgeschnitten. Hunderte Nationalgardisten halfen den überlasteten örtlichen Einsatzkräften, und aus Tennessee kamen Rettungsmannschaften mit Booten zur Hilfe. Nach Angaben der Gouverneurin muss sich die Bevölkerung für Montag auf weitere - allerdings langsam nachlassende - Regenfälle einstellen. Am Dienstag soll sich der Himmel dann aufklaren. sda

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