6.06.2013 06:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Graubünden
Umwelt-Desaster: Ein Drittel des Bergbachs ist tot
Die Panne im Stausee Punt dal Gall beim Schweizerischen Nationalpark an Ostern hat im obersten Drittel des Bachs Spöl alles Leben ausgelöscht. Das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Das weitere Vorgehen am ehemaligen Vorzeigebach bleibt weiterhin unklar.

Im rund 1,6 Kilometer langen obersten Teil des Spöl ist alles vom Sediment aus dem Stausee bedeckt, wie Hans Lozza, Kommunikationsleiter des Nationalparks und Sprecher der Taskforce Spöl, am Mittwoch in Chur vor den Medien sagte. Die Taskforce soll entscheiden, wie es am Spöl, der durch den Park fliesst, weitergeht. 

Bachspülung erforderlich

Klar ist: Der Schlick muss weg. Nur dann können sich wieder Kleinlebewesen und Forellen ansiedeln. Weggeschwemmt wird das Sediment mit einem künstlichen Hochwasser, das mit einer Spülung des Stausees ausgelöst wird. 

Ob das demnächst oder erst im Herbst geschehen soll, hat die Taskforce während ihres Arbeitstreffens in Chur hingegen nicht entscheiden können. Die Experten waren sich nicht einig, welcher Zeitpunkt vorteilhafter ist. Weitere Abklärungen werden vorgenommen. Bei einer Spülung darf nicht wieder eine Schlammlawine aus dem Staubecken donnern. 

Rückkehr von Fischen denkbar 

Wenn der Schlick einmal weg ist, hoffen die Fachleute, dass Forellen und Kleinlebewesen den verwüsteten Bachteil wieder besiedeln. Obwohl auch der mittlere und untere Teil des Spöl vom Öko-Desaster betroffen sind, hat dort rund ein Drittel der Tiere überlebt. 

Der Spöl galt als Vorzeige-Projekt für die Renaturierung eines typischen «Restwasser-Bachs». Am Ostersamstag wurde er gleich doppelt getroffen. Zuerst funktionierte die Restwasser-Versorgung aus dem Stausee nicht mehr. Es floss kein Wasser. Danach wurde notfallmässig der Grundablass in der Staumauer geöffnet. Doch statt Wasser überschwemmte Schlamm den Bach. Tausende Fische verendeten. 

Tiefer Wasserstand führt zu Schlammlawine 

Untersuchungen der ETH Lausanne bestätigen nun den Anfangsverdacht, warum aus dem Stausee Schlamm statt Wasser floss, wie die Taskforce Spöl mitteilte. Die Forscher kommen zum «vorläufigen Schluss», dass wegen dem tiefen Wasserstand im See in dessen hinterem Teil Sedimente freigelegt wurden. Zuflüsse lösten dann den Schlick und der gelangte in der Nacht vor dem Unglück zur Staumauer. 

Über Verantwortlichkeiten für das Umwelt-Desaster und dessen Kosten konnte Lozza nichts sagen. Das sei nicht Aufgabe der Taskforce, sondern der Staatsanwaltschaft. Die Taskforce ist breit zusammengesetzt. Mit dabei sind Vertreter von Bund, Kanton, dem Nationalpark und den Engadiner Kraftwerken. Letztere betreiben den Stausee.

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