22.07.2016 13:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Solothurn
Tote Rinder Boningen – Ermittlung wegen Tierquälerei
15 Rinder sind Ende Mai in einem Laufstall für Mutterkühe auf einem ehemaligen Bio-Bauernhof in Boningen SO wohl mangels Futter verendet. Nun wurde eine Anzeige eingereicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Tierquälerei.

Dem Amtstierarzt und der Kantonspolizei Solothurn bot sich an jenem Samstagabend Ende Mai ein grausamer Anblick. Sie entdeckten 15 tote Rinder, 10 Tiere haben überlebt. Der Bauernbetrieb in Boningen, der bis 2009 das Knospe Label besass, war nach einem Hinweis aus der Bevölkerung kontrolliert worden. Die 10 überlebenden Tiere wurden in der Folge umplatziert, ein Rind musste noch getötet werden.

Stark abgemagert

Ein Augenschein durch die Zeitung „Schweizer Bauer“ von Anfang Juni zeigte sehr abgemagerte Tiere. Im Vergleich zur Hornlänge und Dicke waren einige Rinder höchstens halb so schwer wie dies selbst bei einer eher restriktiver Fütterung der Fall sein müsste. Ein dreijähriger Stier wog höchstens 250 Kilo.

Auf dem neuen Hof mit Aussenfressplatz, Futterraufe, tief eingestreuten Liegeboxen unter dem Vordach, eingestreute Liegeflächen in der Scheune sowie viel frischer Luft fühlten sich die Rinder sichtlich wohl.

Zu wenig Futter

Die verendeten 15 Rinder hatten offenbar kaum und sehr mangelhaftes Futter zum Fressen. Die Tiere hätten verschimmeltes Futter erhalten, sagte Kantonstierärztin Doris Bürgi damals. Genauere Erkenntnisse aus Untersuchungen gibt der Veterinärdienst derzeit aber noch nicht bekannt. «Persönliche Umstände» des Bauern führten laut Bürgi zum Drama.

Wie das „Oltner Tagblatt“ nun berichtet, ist bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige eingegangen. Diese hat nun eine Strafuntersuchung wegen Tierquälerei gegen den Bauern eingeleitet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Kritik an Veterinäramt

Gegen das Veterinäramt hingegen wird kein Verfahren eröffnet. Das Amt stand in der Kritik. Anwohner haben immer wieder über Missstände auf dem Hof berichtet. Das Veterinäramt hatte im Februar 2016 den Betrieb kontrolliert, aber keine Mängel festgestellt.

Bereits vor zwei Jahren haben Anwohner mit Bildmaterial auf Missstände in der Tierhaltung auf dem Hof hingewiesen. Die Tiere wiesen Haarausfall und Klauenprobleme auf. Die Behörden haben bei Mängelbefunden vor zwei Jahren sowie vor einem Jahr Anzeige erstattet. Der Bauer wurde gebüsst.

Amt verteidigt sich

Wie Bürgi dem „Oltner Tagblatt“ sagte, war wenige Tage nach der Meldung im Mai 2014 der Veterinärdienst vor Ort, um die Probleme zu beanstanden. Am 16. Mai  seien die Mängel behoben gewesen. Der Tierarzt hatte die Tiere am 9. Mai behandelt.

Ende Juni 2015 wurde dem Tierschutz und dem Veterinärdienst Klauenprobleme gemeldet. «Gleich am Tag darauf waren wir vor Ort», sagt Bürgi. Und sie stellten bei drei Kühen zu lange Klauen fest. «Die Sauberkeit und das Fell waren aber in Ordnung.» In diesem Jahr war gemäss der Kantonstierärztin die Kontrolle für Ende Juni geplant gewesen.

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