9.04.2016 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susi Rothmund
Graubünden
Tausendfacher Handgriff
Der Bügellift auf dem Oberalppass ist schon bald Geschichte und wird im Sommer durch eine Sesselbahn ersetzt.

Den Bügellift Alpsu (romanisch für Oberalp) assoziieren viele Skifahrer mit einer wunderschönen, aber auch rauen Bergwelt und nicht zuletzt mit Baseli Huonder, dem freundlichen Anbügler. Tausende, ja gar Millionen Bügel hat er während der letzten 27 Winter den Sportlern die auf den Calmut fuhren, gereicht.

Der Angestellte der Skiarena Andermatt-Sedrun ist ein Gastgeber, wie es nur wenige gibt, und sowohl die Einheimischen als auch die Gäste schätzen seine Arbeit und Gastfreundschaft. Mit ihnen ins Gespräch kommen, wird er wohl auch in der nächsten Wintersaison, die Bügel wird der 52-Jährige jedoch nicht mehr geben, da diese vor einigen Tagen zum letzten Mal Gäste transportiert haben.

Demnächst wird der 1987 errichtete Lift demontiert und mit einer modernen Sesselbahn ersetzt. Traurig ist der innovative Huonder deswegen nicht, er freut sich vielmehr auf die neue Bahn und auf die Verbindung der Skigebiete von Andermatt und Sedrun.

Bauer mit Nebenerwerb

Huonder ist ein moderner Biobauer mit mittelgrossem Betrieb und Mutterkuhhaltung. Er ist ein zufriedener Mann, kommunikativ und extravertiert. Charakterzüge, die ihm bei seiner Arbeit bei den Bergbahnen zugute kommen. Bereits mit 16 Jahren hat er angefangen, sein Einkommen so aufzubessern. Zehn Jahre war er mit Begeisterung Maschinist.

Als er den elterlichen Betrieb übernahm, liess sich die Nachtarbeit jedoch nicht mehr mit der Arbeit als Bauer vereinbaren, und so wurde der Bergbahnangestellte auf dem Oberalp eingesetzt. Dies war vor 27 Jahren, als der erste Bügellift – Baujahr 1966 – noch stand.

«Hier auf 2044 Meter über Meer gefällt es mir sehr gut, wir sind ein eingespieltes Team, und unsere Arbeit ist abwechslungsreich», so der flexible Bauer, der seine Arbeit bei den Bergbahnen gut mit der Landwirtschaft vereinbaren kann. Für den weltoffenen Mann, der auch Zeit für Reisen in fremde Länder findet, ist es ein willkommenes Nebeneinkommen. «Unser Land ist fast die Hälfte des Jahres schneebedeckt, da hat man doch Zeit für vieles», meint der Realist.

Gast soll sich wohl fühlen

Huonder ist es wichtig, dass es seinen Tieren gut geht, und auf dem Oberalp tut er sein Bestes, damit sich die Gäste wohlfühlen. Viele fahren nicht sofort auf den Berg, sondern geniessen noch das Plaudern. Für fast jeden findet er ein paar freundliche Worte, gibt Tipps und Ratschläge und funktioniert auch prima als «Auskunftsbüro» für alles Mögliche.

«An Gesichter kann ich mich viel besser erinnern als an Namen, aber diese finde ich notfalls ja im Computer,» meint der stets braungebrannte Mann gutgelaunt. Er erzählt von eher oberflächlichen Plaudereien aber auch von interessanten oder ernsten Gesprächen und gar von Bekanntschaften und Freundschaften, die am Bügellift begonnen haben und seit Jahren andauern:  «Dies ist eine gute Art, aus dem bäuerlichen Leben auszubrechen in eine grosse, weite Welt, die einen fesselt und festhält, wenn man es zulässt», sagt  Baseli Huonder.

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