27.06.2019 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Hitze
Suche nach Wegen aus der Hitzefalle
Städte können bei hohen Temperaturen bis zu zehn Grad wärmer werden als das Umland. Experten suchen weltweit bereits seit Jahren nach Wegen, um der Entwicklung zu Hitzeinseln entgegenzuwirken.

Bei Rekordhitze werden Städte zum Backofen. Die Ursachen sind bekannt: Zubetonierte Flächen speichern die Hitze tagsüber, nachts strahlen Strassen und Gebäude sie ab. Auf dem Land sorgt dagegen die Vegetation für angenehme Kühle. Der Verkehr in der Stadt trägt zusätzlich zu Hitze und Luftverschmutzung bei. Paris hat eben den Autoverkehr wegen hoher Ozonbelastung stark eingeschränkt.

Warnungen vor «Kühlkrise»

Künstlich gekühlte Räume sind keine Lösung, denn Klimaanlagen erzeugen einen Teufelskreis. «Je mehr man die Gebäude klimatisiert, desto mehr heisse Luft wird in die Umgebung abgegeben», sagt Aude Lemonsu vom französischen Wetterdienst Météo France.

Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor einer «Kühlkrise»: Sie schätzt, dass sich der Energieverbrauch durch Klimaanlagen bis 2050 verdreifachen wird - das Wachstum entspricht dem derzeitigen Verbrauch Deutschlands und der USA zusammen.

Pflanzen bieten Schatten und Kühlung

Viele Städte setzen auf eine Begrünung. Sie wollen nicht nur Schattenplätze schaffen, sondern auch die sogenannte Evapotranspiration fördern - die Verdunstung von Wasser durch Pflanzen, die die Atmosphäre kühlt.

Singapur ist international eine der Vorreiterstädte: Sie hat seit den 60er-Jahren nicht nur Bäume gepflanzt und Parks angelegt, sondern begrünt auch die Fassaden und Dächer vieler Hochhäuser.

Weisser Asphalt für Strassen und Dächer

Auch Strassen und Dächer können zur Kühlung beitragen, wie Versuche in den USA gezeigt haben. Die Stadt New York etwa hat in einer «Cool Roofs»-Initiative mehr als 500'000 Quadratmeter Dachflächen weiss streichen lassen, damit sie das Sonnenlicht reflektieren. In Los Angeles wurden ganze Strassen weiss gestrichen.

Bei einer Temperatur von rund 26 Grad Celsius kann «ein dunkles Dach bis zu 80 Grad Celsius heiss werden», sagt Städtebau-Ingenieurin Amandine Crambes von der französischen Umwelt- und Energiebehörde Ademe. «Das gleiche Dach in heller Farbe kommt auf 45 Grad, ein begrüntes Dach sogar nur auf 29 Grad.»

Revival des Springbrunnens

Experten raten Städten auch, offene Wasserflächen anzulegen. Denn Wasser erhitzt sich langsamer als Luft. Auch aus Kostengründen abgestellte Springbrunnen könnten wieder in Gebrauch genommen werden.

Andere Städte besinnen sich darauf, dass sie bereits kühle Oasen haben, in denen Menschen bei Temperaturrekorden Zuflucht finden können. So gibt es für Paris eine App für Touristen und Einheimische. Zu den kühlen Orten gehören neben Parks, Museen und Bibliotheken auch Kirchen.

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