10.02.2017 07:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Sport
Skiprofi Mani im Herzen Bauer
Nils Mani, der Name des 24-jährigen Skifahrers, hat in diesem Winter an Bedeutung im Skizirkus gewonnen. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Bauernhof seines Onkels, und auch heute hat er eine eigene Kuh und Bienen. Mit Umfrage

Es ist Samstagmorgen, 4. Februar, neun Uhr. In weniger als zwei Stunden macht sich der 24-jährige Skifahrer Nils Mani auf den Weg nach St.Moritz GR. Ob er an der Ski-Weltmeisterschaften starten kann, ist noch nicht klar: «Wir haben noch drei Trainings, am Donnerstag wird über das weitere Vorgehen entschieden.» (Mani wird an der Abfahrt am Samstag starten. Er wurde am Freitag selektioniert. Red.)

«Ich bleibe, wie ich bin»

Der ruhige Diemtigtaler nimmt sich Zeit für ein Interview mit dem «Schweizer Bauer». Bei seinen Eltern, wo er wohnt, hängen Startnummern über den Stuhllehnen am Esstisch, an der Wand  zwei Glocken und eine Treichel. «Die Treichel habe ich zur Konfirmation bekommen, eine Glocke von der Gemeinde, als ich Juniorenweltmeister wurde, die andere, als ich mit meiner Kuh Paola an der Reinzuchtausstellung war.» Die eigene Kuh weckt natürlich mein Interesse, doch dazu später.

Das Lob über die guten Resultate in diesem Winter relativiert er: «Wengen war ein spezielles Rennen wegen der Wetterverhältnisse. Ich freue mich dennoch, dass das Heimrennen das beste Ergebnis ist.» Auch als ich den 24-Jährigen auf den immer grösseren Bekanntheitsgrad anspreche, wird er nicht überschwänglich: «Den Namen kennen sie, die Person weniger, ich bleibe aber, wie ich bin.» Der gelernte Landmaschinenmechaniker freut sich vor allem über die Briefe aus dem Diemtigtal, die er nicht erwartet hat. Oder wenn ihm an der Viehschau «äs alts Mändi, wo finechli im Bild isch», die Hand drückt und ihm zu seinen Leistungen gratuliert.

Gelernter Landmaschinenmechaniker

Nils Manis Eltern haben selber keinen Bauernhof, dafür aber zwei seiner Onkel, die in der Nähe wohnen. «Wenn ich als Kind nicht in der Schule war, half ich beim Bauern», erzählt Mani. Vor allem die grosse Abwechslung gefalle ihm, das Heuen, oder wenn er auf der Alp helfen könne. «Eigentlich habe ich immer gemacht, was ich wollte, das war das Schönste an meiner Kindheit.» Mani kommt fast schon ins Schwärmen. Landwirt wollte er dann aber doch nicht lernen: «Meine Eltern haben keinen eigenen Betrieb, und ich war während der Lehre fast die Hälfte der Zeit auf der Piste, das macht kein Lehrmeister mit.»

So trat er in die Fussstapfen seines Vaters und liess sich zum Landmaschinenmechaniker ausbilden. «Das war praktisch, im Frühjahr und Sommer, wenn die Mechaniker viel zu tun haben, war ich in der Werkstatt, im Herbst und Winter auf den Ski», so Mani. Mir scheint, als würde der eher schüchterne Mani plötzlich wortgewandter. Bis heute ist der enge Bezug zur Landwirtschaft geblieben. «Wann immer ich Zeit habe, helfe ich auf dem Bauernhof», die Freude in Manis Gesicht ist nicht zu übersehen.

Paola, die eigene Kuh

Er habe eine eigene Kuh, Sämi Paola. «Sie hat 97 Punkte und wird 12-jährig. Ich bekam sie, als sie noch ein Kalb war, von meinem Götti zu Weihnachten geschenkt.» Als ich ihn nach einem Foto mit ihr frage, lehnt er zunächst ab, doch dann entscheidet er sich um: «Wir können kurz zu ihr fahren und ein Bild machen.» So kommt es, dass wir wenige Minuten später in seinem alten Subaru Legacy sitzen und ganz hinten in Schwenden die Simmentaler Kuh Paola besuchen gehen.

Die Kühe schauen kaum auf, als der Skifahrer den Stall betritt. Auf dem Foto will Paola die Ohren nicht schön halten, ein Lächeln huscht über das Gesicht von Nils Mani: «Sie hat eben einen eigenen Charakter, auch beim Vorführen, da macht sie meist, was sie will.» Wohl hat sie diese Eigenschaft von ihrem Besitzer abgeschaut, als er noch ein Junge war…  Aufgrund seiner grossen Abwesenheit vor allem im Herbst und Winter bleibt Mani realistisch: «Einen eigenen Stall mit eigenen Tieren kann ich nicht haben.»

Eigene Bienen

Doch er hat eine Alternative gefunden, die ihn schon immer interessiert hat: Bienen. «Seit zwei Jahren habe ich eigene Bienen. Ich muss noch viel lernen, aber bisher gefällt mir mein Hobby sehr gut.» Und wieder scheint mir, als würde ich bescheidenen Stolz in seinem Gesicht erkennen. Bienen würden perfekt in sein Programm passen, im Frühjahr und Sommer, wenn sie viel Pflege brauchen, sei er zu Hause.

Nach dem Mini-Shooting diskutieren wir seine Rolle als Junge, der auf dem Bauernhof aufgewachsen ist, im Team. «Leider sind die Hälfte der Teamkollegen verletzt, doch wir haben es sehr gut untereinander.»  Doch beim Musikgeschmack habe er schon seine Eigenheiten. Zum Beispiel werde am Mittwochabend in seinem Zimmer volkstümliche Musik auf Radio BeO gehört. «Einige kommen mittlerweile mithören», erzählt er mit einem Grinsen.

Ob er denn nervös sei, wegen St.Moritz, will ich wissen. «Noch nicht!», antwortet er. Jetzt will ich ihn aber nicht weiter aufhalten, schliesslich muss er bald die Reise antreten. 

Bauern an WM

Nils Mani muss noch Ausscheidungen fahren, bis er sicher weiss, ob er an der Ski-WM in St.Moritz am Samstag an den Start gehen kann. Er wurde am Training von Donnerstag unmittelbar hinter Carlo Janka Siebenter und lieferte damit ein starkes Argument für die Teilnahme an der Abfahrt. Niels Hintermann, Manis Kontrahent in der internen Qualifikation für den letzten Startplatz, war bei Trainingsabbruch wie Mauro Caviezel noch nicht gestartet. Mani ist nicht der einzige Schweizer mit bäuerlichem Hintergrund. Bauernsohn Beat Feuz aus Schangnau BE gehört sogar zu den Medaillenanwärtern. Die WM dauert noch bis am 19. Februar. sam/blu


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