7.10.2017 08:49
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Bern
Schwingerin Gäumann plus 1 PS
Jasmin Gäumann aus Häutligen BE wurde in der Frauenschwingen-Jahreswertung souverän Zweite. Die Pferdenärrin kümmert sich trotz vollgepacktem Wochenprogramm, täglich um ihre Lebendpreis-Ziegen.

Den starken Frauen bietet sich jedes Jahr die Gelegenheit, am Eidgenössischen Schwingfest teilnehmen zu können. Bei ihren männlichen Kollegen findet das Eidgenössische «nur» alle drei Jahre  statt. Zum Schwingerkönig wird der Sieger über zwei Tage gekrönt. Etwas anders läuft es bei den Frauen. Schwingerkönigin darf sich nämlich diejenige nennen, welche während der ganzen Saison die höchste Punktzahl herausschwingt.

Königstitel knapp verpasst


Mit gerade mal 17 Jahren konnte Jasmin Gäumann aus Häutligen BE bereits zum zweiten Mal die Jahreswertung auf dem zweiten Rang abschliessen. Dies obwohl sie am Ende die gleiche Punktesumme wie die verletzte Sonia Kälin aus Egg SZ aufwies. Kälin wurde ihr aber als Königin vorgezogen, weil sie diese Saison zwei Feste gewinnen konnte, Jasmin «nur» eines.

Am Anfang war die 17-Jährige sehr enttäuscht über den verpassten Königstitel. «Mittlerweile überwiegen aber Zufriedenheit und Stolz auf das, was ich erreicht habe», meint sie strahlend.

Schwingen dank Brüdern

Die bärenstarke Jasmin ist das jüngste von drei Kindern. Ihre älteren Brüder waren es, die Jasmin zum Schwingsport brachten. Beim älteren der beiden, Stefan, stehen fünf Kränze zu Buche. Verletzungsbedingt verpasste er die ganze vergangene Saison. Adrian, der mittlere der drei starken Gäumanns, hat früher auch geschwungen, inzwischen ist er viel mehr beim Hornussen aktiv.

Als Jasmin acht Jahre alt war, wollte sie unbedingt auch schwingen. Wie ihre grossen Brüder eben. Anfänglich war ihre Mutter von dieser Idee alles andere als begeistert. «Heute wäre sie sehr traurig, wenn ich meine noch junge Karriere beenden würde» glaubt die Schwingerin. Ihr Vater und die beiden Brüder haben die damals 8-jährige Jasmin zu einem Training mitgenommen. Der Schwingsport packte das Mädchen sofort.

Training mit Männern

Ein bis zwei Mal pro Woche trainiert sie nun im Sägemehl. Einmal in Thun mit ungefähr 15 anderen Frauen und Mädchen. Und einmal pro Woche mit den Männern vom Schwingklub Zäziwil. Den gleichen zeitlichen Aufwand betreibt sie für ihre Fitness und Kraft. Zudem fährt sie täglich rund 15 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit. Sie ist im zweiten KV-Lehrjahr beim Wullehus in Konolfingen.

Das Schwingen sieht die sympathische und bodenständige Jasmin längst als Sport. In Freibergerpferd Isis hingegen hat sie mit dem Reiten ein leidenschaftliches Hobby gefunden. Zweimal pro Woche reitet sie aus. Isis ist bei ihrer Tante ganz in der Nähe eingestallt. Jasmin kümmert sich gerne um die Stute.

Die Ziege gewann Jasmin Gäumann als Lebendpreis

Zudem besorgt sie jeden Tag ihre zwei Ziegen. Die ältere, eine sehr anhängliche Toggenburgerziege namens Enzian, hat sie 2011 als Lebendpreis an einem Schwingfest gewonnen. «Da die beiden nun von der Sömmerung auf der Alp zurück sind, melke ich sie. Meine Mutter verarbeitet die Milch später jeweils zu Ziegenkäse.» Dass Jasmin eine Tierliebhaberin ist, merkt man sofort.

Aus tiefstem Herzen strahlt sie, wenn sie bei ihren Ziegen und ihrem Pflegepferd verweilt. Als Kind hat sie oft auf dem Bauernhof von Margrith und Willi Gäumann in Häutligen mitgeholfen. (Margrith ist ihre Gotte) Am liebsten fuhr sie dabei Traktor. Heute findet sie nur noch selten Zeit dafür.

Bewunderung und Anerkennung für ihren Sport

Wie reagieren denn andere Leute auf ihren Sport? «Die meisten bewundern mich dafür. Manchmal höre ich natürlich auch neckische Sprüche. Aber ich stehe zu meinem Sport.» Weil sie von klein an mit den «Jungs» trainierte, gebe es auch heute kaum Berührungsängste. Mittlerweile haben sich diese Jungs natürlich zu grossen Männern entwickelt, was manchmal das Greifen für die 1,70 Meter «grosse» Jasmin erschwert.

Ihr Trainer Richard Tschanz meint schwärmend: «Jasmin ist eine sehr talentierte Athletin, welche gute körperliche Voraussetzungen für den Schwingsport mitbringt. Sie ist mit ihren 17 Jahren bereits eine wichtige Teamstütze für die Bernerinnen.» Bisher konnte sich die Kurz-Spezialistin Gäumann zwölf Mal mit Eichenlaub krönen lassen. 

Klares Ziel für die kommende Saison

Die meisten Frauen-Schwingfeste finden am Samstag statt. Dies ermöglicht es Gäumann meist, am Sonntag die Schwingfeste der Männer besuchen und mitverfolgen zu können. Sie könne aber kaum ruhig auf der Tribüne sitzen, meint sie: «Am liebsten möchte ich jeweils selber ein Paar Zwilchhosen anziehen und im Sägemehl angreifen.»

Ihr Ziel für die kommende Saison ist ganz klar. Zwei Mal wurde sie in der Jahreswertung bei den Aktiven schon Zweite. «Nächstes Jahr will ich Schwingerkönigin werden!» Während der Saison ist Gäumann um jede Unterstützung dankbar. Die Freude über Zuschauer sei immer sehr gross. Besonders wenn sie selber aktiv im Sägemehl steht, im Kampf Frau gegen Frau.

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