13.08.2019 17:24
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Russland
«Schweizer Milch» im Aufschwung
Die «Schweizer Bauer»-Leserschaft lernte auf ihrer Reise die russische Provinz kennen, über die man hierzulande immer noch sehr wenig weiss. Die Reisenden erhielten einen Einblick in die Betriebsverhältnisse in der Region Kaluga, Twer, St. Petersburg und Moskau. Sie wurden mit beeindruckenden Weiten, der Herzlichkeit der Einwohner und dem enormen Entwicklungspotenzial, das auf Schritt und Tritt spürbar ist, positiv überrascht. -> Mit Video

«Russland ist kein rückständiges Land mehr. Die wirtschaftliche Entwicklung schreitet sehr stark voran», sagt Reiseführer Hanspeter Rikli zum Auftakt der Russland-Leserreise. Rikli, der seit 23 Jahren in der Oblast Woronesch tätig ist und selbst auf 500 ha Weizen und Soja mit Direktsaat anbaut, begleitete die Reiseteilnehmer in den Regionen Moskau, Kaluga und St.Petersburg auf landwirtschaftliche Betriebe, die den einen oder die andere ins Staunen brachte.

Neuer Stall für 330 Kühe

Ein langer, holpriger Weg führt auf den bekannten Betrieb «Schweizer Milch». Es sind der 36-jährige Marcel Bucher und der 41-jährige Florian Reichlin, die den Reisenden bei der Begrüssung ein Stück Heimatgefühl in der Fremde geben. Den Betrieb mit 1030 ha Land und 520 Milchkühen führen die beiden mit 50 Angestellten.

Die jungen Kräfte nahmen vor einem Jahr einen neuen Laufstall in Betrieb, der zusätzlichen 330 Milchkühen Platz bietet. «Wir bauten den Stall hauptsächlich in Eigenleistung und finanzierten ihn selber, ohne dass Kredite aufgenommen wurden», erzählt Bucher. Obschon es in Russland keine Tierschutzvorschriften gibt, geniessen die Kühe im neuen Laufstall viel Kuhkomfort. Auf der Weide finden sich nur noch Galtkühe, das Weiden der laktierenden Kühe wurde mittlerweile eingestellt. 

Marketing ist Erfolgsrezept

Die Hälfte der Milch wird auf dem Betrieb pasteurisiert, abgepackt und selbst an Ladenketten ausgeliefert. Die Restmenge wird mit Mehrwert an eine private Molkerei in der Nähe von Moskau, rund 250 Kilometer entfernt vom Betrieb, verkauft. Auf dieser wohl grössten und bekanntesten bäuerlichen Käserei wird eine Qualitätsstrategie verfolgt. Deshalb kauft sie Milch mit wenig Zell- und Keimzahlen bei den «Schweizern» ein.

«Wir haben verstanden, dass guter Käse mit guter Milch anfängt», erzählt die Schwester des Inhabers. Täglich werden in der vor vier Jahren gegründeten Käserei zehn Tonnen Milch zu Halbhartkäse, Hartkäse und Sauerrahm verarbeitet. «Das Marketing ist unser Erfolgsrezept», betont sie. Dank zahlreichen Fernsehauftritten wird der Qualitätskäse von den Moskauern immer mehr nachgefragt.

Hinter den Kulissen

Auf dem Ökobetrieb Saretschje mit 2000 ha begrüsst uns die Ukrainerin Natalia Nicolain. Sie ist zuständig für die Viehzucht. Wem genau der Betrieb gehört, will sie nicht sagen. «Es ist eine Immobilienfirma aus Moskau, die den Betrieb nach einem Konkurs gekauft hat», verrät sie.

Der erbärmliche Maschinenpark auf dem Vorhof gleicht einem Maschinenfriedhof. Die meisten Geräte dienen wohl als Ersatzteillager. Unweit vom Betrieb entfernt weidet ein Teil der 1500-köpfigen Mutterkuhherde, die 24 Stunden pro Tag von zwei Hirten betreut wird. Ein Hirtenlohn liege bei 25000 bis 30000 russischen Rubel (entspricht 375 bis 450 Franken), erzählt Nicolain. Die Kaufkraft ist im Vergleich zur Schweiz rund drei Mal so hoch, entsprechend gut lässt es sich mit dem Hirtenlohn in Russland leben. Geld brauchen sie fast keines. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE