31.07.2014 11:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Frankreich
Rattenplage vor Pariser Louvre
Der elegante Park vor dem Pariser Louvre ist für ein gemütliches Picknick eigentlich perfekt geeignet - Alexandre aber ist der Appetit gründlich vergangen. «Jetzt, wo wir eine gesehen haben, finden wir das ekelhaft», sagt der 19-jährige Student. Gemeint ist eine Ratte, die am helllichten Tage an der Gruppe vorbeigehuscht ist.

Im Jardin des Tuileries vor dem weltberühmten Museum ist das alles andere als ein Einzelfall. Denn die bei schönem Sommerwetter von Parisern und Touristen im Park hinterlassenen Essensreste ziehen die Ratten magisch an.

Essensreste werden weggeworfen

Ariane Dalle wundert sich nicht über die Rattenplage. «Es gibt hier so viel Abfall, es ist schon ziemlich schmutzig», sagt die Pariserin, die nahe des Jardin des Tuileries arbeitet und im Park immer wieder ihre Mittagspause verbringt.

«Überall sind Zigarettenkippen und Essensreste. Die Leute respektieren einfach nicht die Umwelt.» Verärgert zeigt sie auf den Müll, der sich auf dem akkurat geschnittenen Rasen des Parks anhäuft, obwohl überall Abfalleimer stehen.

Kammerjäger im Einsatz

«Ratten gibt es das ganze Jahr», heisst es im Louvre-Museum. «Aber die Picknicks im Sommer ziehen noch mehr an.» Während Kammerjäger in dem weitläufigen Park normalerweise alle zwei Monate gegen die Nagerplage zu Felde ziehen, rücken sie im Sommer mindestens ein Mal pro Monat an.

«Wenn sich die Ratten besonders stark vermehren wie derzeit, dann wird die Firma sofort vom Museum informiert, damit sie so schnell wie möglich und häufiger eingreifen kann», sagt Museumssprecherin Elise Guillou.

Zwei Ratten pro Einwohner

Seit rund acht Jahren breiten sich Ratten wieder vermehrt in der französischen Hauptstadt aus, weiss Frédéric Devanlay von der Rattenbekämpfungs-Firma Avipur zu berichten.

Wie viele Ratten es in Paris gibt, weiss niemand, Schätzungen zufolge aber kommen auf jeden Bewohner mindestens zwei. Und weil eine weibliche Ratte pro Jahr fünf Mal Nachwuchs bekommen kann - jeweils fünf bis zwölf Babys - und der Nachwuchs schnell eigene Kinder bekommt, summiert sich die Zahl der Nachkommen pro Ratte binnen eines Jahres auf 5000 Tiere, rechnet Devanlay vor.

In Pariser Tiefgaragen, den Metro-Tunneln und der Kanalisation fühlen sich die Ratten pudelwohl - und sie verlieren immer mehr die Scheu vor Menschen. «Sie gewöhnen sich an die Menschen und suchen immer mehr ihre Nähe», sagt Devanlay. Das ist nicht nur für Zartbesaitete widerlich, sondern wegen des Risikos von Krankheitsübertragungen auch nicht ungefährlich.

Entspannte Touristen

Im Jardin des Tuileries, der sich vom Louvre bis zur Place de la Concorde erstreckt, reagieren viele Besucher aber entspannt auf die tierischen Besucher.  Der Park erscheine ihm nicht besonders schmutzig, sagt Ralf Frankemölle aus Deutschland, der mit seiner Familie Paris besucht und gerade ein Brötchen isst. Und Ratten gebe es schliesslich überall.

Auch ein Freund des Studenten Alexandre sieht die Sache eher locker. «Wir sind in der Nähe vom Seine-Ufer, es ist heiss, sie suchen was zu Essen», sagt Ken. «Solange sie nicht direkt zu uns kommen, stört mich das nicht.»

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