17.03.2020 10:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Bern
Polizei büsst Pflegefachfrau
Noch am Montag griff die Kantonspolizei gegen Falschparkierer rund ums Berner Inselspital rigoros durch. Da nützte es auch nichts, dass eine Pflegefachfrau, die nicht mehr mit dem Bus zur Arbeit kommen darf, die Polizei handschriftlich um Nachsicht gebeten hatte.

Seit Mitternacht gilt in der Schweiz der Notstand. Schon am Freitag aber hat der Bundesrat drastische Massnahmen im Kampf gegen den Coronavirus beschlossen und unter anderem empfohlen, den öffentlichen Verkehr zu meiden.

Höchstens eine Stunde parkieren

Bei der Kantonspolizei Bern herrschte am Montagvormittag aber Courant normal: Rund ums Berner Inselspital, das als grosses Universitätsspital und Zentrumsspital unbedingt funktionieren muss, wurden rigoros Parkbussen verteilt wie immer. Da nützte es auch nichts, dass eine Pflegefachfrau, die im Inselspital arbeitet, extra einen Zettel hinter die Windschutzscheibe gelegt hatte.  

Sie hatte ihren schwarzen Honda auf einem Parkfeld der Stadt Bern abgestellt, das ganz nahe vom Inselspital liegt, an der Kreuzung Loryplatz, vor dem Mehrfamilienhaus an der Effingerstrasse 111. Dort darf man höchstens eine Stunde parkieren, und zwar gegen den Tarif von 2.20 Franken. Die Pflegerin schrieb, dass sie nicht mehr mit dem öffentlichen Verkehr anreisen dürfe, und bat in der handschriftlichen Notiz die Polizei um Nachsicht. 

60 Franken Busse verteidigt

Das nützte nichts: Eine Polizistin und ein Polizist aus dem Verkehrsdienst der Kantonspolizei klemmten ihr eine Busse über 60 Franken hinter den Scheibenwischer. Der Polizist erklärte dem Schreibenden, auch in der damals noch aktuellen «Besonderen Lage» würden die Gesetze weiterhin gelten, das Parkfeld sei öffentlicher Grund, der nicht gratis in Anspruch genommen werden dürfe. Der Hinweis, es gehe doch um die Sicherheit, wurde barsch abgetan mit dem Satz: «Beim Falschparkieren geht es nie um Sicherheit». 

In 1 Minute klar: Die Halterin ist Pflegerin

Die Frau hat die Auskunft über ihre Autonummer nicht gesperrt. Der Schreibende fragte ihre Adresse ab und bekam gegen die Gebühr von 1 Franken via SMS den Namen und die Adresse der Fahrzeughalterin. Bei Google eingetippt, leuchtete sofort ein LinkedIn-Profil auf, auf dem zu ersehen ist, dass eine Frau mit ebendiesem Namen auf der Gastroenterologie als Pflegespezialistin arbeitet. Für die Kantonspolizisten, die für eine Halteranfrage ja nichts zahlen muss, war dies offenbar zuviel Aufwand.

Die gebüsste Frau rief den Schreibenden später an und erklärte ihm, das Inselspital habe ihr tatsächlich verboten, mit dem Bus zur Arbeit zu kommen, dies als Vorsichtsmassnahme. Einen Parkplatz habe sie natürlich rund ums Inselspital nicht, das Spital habe ihr keinen angeboten. Gegen das Angebot, die Busse für sie zu übernehmen, verwahrte sie sich. Sie ist überzeugt, die Kantonspolizei im Gespräch davon abbringen zu können.  

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