28.01.2018 18:22
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Plant «unsichtbare» Biogasanlage
Die Baubewilligung für eine Biogasanlage hat Beat Gerber aus Bärau bereits erhalten. Doch bevor er mit dem Vorhaben beginnt, wartet er noch auf den KEV-Entscheid. Denn dieser ist massgebend, ob das Projekt realisiert wird.

Beat Gerber steht unterhalb seines landwirtschaftlichen Betriebes auf einem kleinen Stück Land. Hier soll dereinst eine Biogasanlage entstehen. Die Baubewilligung hat der Landwirt vor einigen Tagen erhalten. «Doch geplant ist keine Biogasanlage mit einer grünen Halbkugel», erklärt der 50-Jährige.

Gebaut werden soll ein viereckiges Betonbecken, das im Boden eingelassen wird. Das Fassungsvermögen beträgt 800 Kubikmeter. Zugleich   dient das Becken als  Fundament für einen neuen Wagenschopf. «Ich möchte Strom und Wärme erzeugen mit  Material, das keinen langen Anfahrtsweg  hat», erläutert Beat Geber sein Bauvorhaben.

Strom für 60 Haushalte 

Der Standort ist nicht zufällig. Der Platz für die Biogasanlage liegt in unmittelbarer Nähe von drei Stallungen.  Franziska und Beat Gerber aus Bärau besitzen 35 Simmentaler Kühe und 560 Mastsauen, zudem  sind einige Pensionspferde eingestellt. «Jährlich fallen an die 3000 m3 und 200 t Mist an», erklärt Beat Gerber. Mit dieser Menge können 230000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugt werden. «Das reicht für rund 60 Haushalte.» 

Beat Gerber erklärt, dass die Gülle von den drei Stallungen durch Leitungen in eine Vorgrube läuft.  Von dort aus wird  die Biogasanlage gespeist. Während 40 Tagen wird die Gülle durch die Mikroorganismen umgewandelt. Dabei entstehen zwei Endprodukte. 

Zum einen Biogas und zum anderen vergärtes Substrat. Dieses kann aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes als Dünger verwendet werden. «Eine dezentrale Biogas-Anlage zur Gewinnung von Wärme und Strom für Betriebsgrössen ab 15 Grossvieheinheiten ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll», weiss der Landwirt. Im Vergleich: Bei Gerbers sind es 140 Grossvieheinheiten.

Politisch aktiv

Obwohl die Baubewilligung vorliegt, fahren noch lange nicht die Bagger vor.  Gerber wartet zuerst den Bescheid des Bundes bezüglich kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) ab. Denn mit dem gegenwärtig erzielten Preis auf dem Strommarkt oder auch mit Eigenverbrauch kann die Anlage nicht rentabel betrieben werden. 

Den Bescheid erwartet der Landwirt  in rund zwei Jahren; derzeit ist er auf der  Springerliste auf Platz 198. Gerechnet wird mit  Kosten zwischen 600000 und  700000  Franken. Eine Finanzierungsmöglichkeit wäre, ein zinsloses Darlehen des Kantons (BAK)  in der Höhe der halben Anlagekosten zu beantragen.   

Und es gäbe noch eine andere Option. Denn Beat Gerber plant 2019 mit dem ältesten Sohn Adrian eine Generationengemeinschaft  (GG) zu  gründen.  Danach bestünde die Möglichkeit, dass Adrian Gerber beim Bund einen Junglandwirtekredit als «Starthilfe» beantragen würde.

Die GG hat jedoch nichts mit dem Bau der Biogasanlage zu tun, sondern mit der Politik. Beat Gerber sitzt seit Anfang Jahr im  Gemeinderat von Langnau. Zudem kandidiert der SVP-Mann für den Grossen Rat in Bern.

Im Emmental werden heute fünf landwirtschaftliche Biogasanlagen (BGA) mit Hofsubstrat betrieben. «Die Landwirtschaft im Emmental verfügt jedoch über ein Potenzial von Hofsubstrat, das für rund 35 Biogasanlagen reichen würde», sagt Umweltingenieur Raoul  Knittel vom Büro «Weichen stellen» in Trubschachen BE und Projektleiter Energieregion Emmental. «Die Biogasanlagen schaffen durch den Verkauf von Energie eine regionale Wertschöpfung und tragen zu einer nachhaltigen Energieversorgung bei», so Knittel.  Die entstehenden Produkte sind Wärme, Strom und  Gärgülle. Im Rahmen eines Neuen Regionalpolitik-Projektes (NRP) führt die Energieregion Emmental eine Informationskampagne durch. Ziel der  Aktion  ist es, die Emmentaler Landwirte für dieses Potenzial zu sensibilisieren und die Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb aufzuzeigen.  An Tagen der offenen Türe können am 24. Februar die BGA Schürch-Wyss,   3422 Kirchberg, am 3. März. die BGA Wigako,   3618 Süderen, und am 10. März die BG Beer, 3556 Trub, besichtigt werden. jgr

www. energieregion-emmental.ch

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