16.07.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Deutschland
Neuer Kuhglockenstreit vor Gericht
Erst kürzlich wurde ein Kuhglockenstreit in Holzkirchen bei München nach einem Zug durch die Instanzen beigelegt - nun wird andernorts in Bayern um die Lautstärke von Kuhglocken gestritten. In dem Dorf Greiling weiter südwestlich klagt ein Ehepaar gegen das Gebimmel.

«Meine Mandanten haben an sich nichts gegen die Tiere. Aber sie können nachts nicht schlafen», sagte Anwalt Andreas Sander am Mittwoch nach der Verhandlung vor dem Amtsgericht Wolfratshausen.

Kläger will keine Glocken in der Nacht

Das sei nicht hinnehmbar, da es sich bei dem Grundstück nicht um einen landwirtschaftlichen Betrieb, sondern um ein innerörtliches, allseits umzäuntes Gartengrundstück handle, so der Anwalt weiter. Das Schlafzimmer des Paares sei zehn Meter von der Wiese mitten im Dorf entfernt, die im Sommer teilweise beweidet wird, vor allem von Kälbern. Der «Münchner Merkur» hatte zuerst darüber berichtet.

Im Wesentlichen sei es vor Gericht um die Zahl der Glocken gegangen und darum, dass nicht alle Tiere welche tragen sollten, sagte Sander. Das Ehepaar möchte das Gebimmel zwischen 22 und 6 Uhr von der Wiese verbannen. «Wir wohnen extrem nah an der Streuobstwiese. Und die Kälber halten sich bevorzugt in dem Zaun-Eck unter dem Schlafzimmerfenster auf», sagte der Kläger vor Gericht. «Wenn die Tiere grasen, ist es extrem laut – selbst durch das geschlossene Fenster. In Spitzen sind das bis zu 82 Dezibel», fuhr er fort. 

Kuhglocken gab es immer schon

Wegen dem Streit um die Glocken hat der Landwirt bereits reagiert. Er habe dieses Jahr nur fünf Kälber mit kleinen Glocken auf der Wiese, das nur für wenige Wochen. «Und nachts kommen die Tiere in den Stall», sagte er vor Gericht. «Kuhglocken gab es in Greiling immer schon. Sie haben eine lange Tradition. Wenn man aus der Stadt aufs Land rauszieht, weiss man, dass es Kühe, Kälber und Glocken gibt», sagte der Anwalt des Landwirts. Der Richter sagte, dass Kuhglocken in Bayern nichts Ungewöhnliches seien. Damit müsse man vielleicht teilweise leben.

Beide Seiten machten gemäss «Münchner Merkur» Vorschläge. Der Kläger plädierte für zwei Glocken und Tiere in der Nacht in den Stall. «Alle fünf Kälber mit Glocken, und nachts im südlichen Teil der Wiese», lautete der Gegenvorschlag des Landwirts. Zu einer Einigung kam es in der Verhandlung aber nicht. Das Gericht will nun einen Vergleichsvorschlag unterbreiten. «Es müssen sich beide Seiten aufs Nachgeben einstellen», machte der Richter klar.

Jahrelanger Streit endete mit Vergleich

In Holzkirchen, nur wenige Kilometer von Greiling entfernt, hatte sich der Streit wegen Kuhglocken über Jahre durch die Instanzen gezogen. Ende Mai hatten sich das klagende Ehepaar und die betroffene Bäuerin vor dem Oberlandesgericht München auf einen Vergleich geeinigt.

Höchstens drei Kühe dürfen demnach Glocken tragen, mit einem Durchmesser von maximal zwölf Zentimetern und einem Zentimeter Toleranz. Zudem dürfen die beglockten Tiere nur in einem bestimmten Teil der Weide grasen - das sah bereits ein Vergleich von 2015 vor.

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