24.01.2013 10:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wasser
Neue Methode zur Messung der Trinkwasserqualität
Die Qualität des Trinkwassers kann ab sofort genauer gemessen werden. Das Bundesamt für Gesundheit hat das neue Verfahren, das viel realitätsnähere Ergebnisse liefert als die bisher gängige Methode, im Dezember 2012 ins Schweizerische Lebensmittelbuch (SLMB) aufgenommen.

Mit der neuen Methode wird klar: Auch in einwandfreiem  Trinkwasser leben zwischen 100 und 10'000 mal mehr Zellen, als die  heutige Messmethode zeigt, wie das eidgenössische  Wasserforschungsinstitut Eawag am Donnerstag mitteilte.

Ob Trinkwasser hygienisch einwandfrei ist oder nicht, wird seit  mehr als 100 Jahren nach derselben Methode gemessen: Man gibt Proben  auf einen festen Nährboden und zählt nach einer gewissen Zeit die  gebildeten Bakterien-Kolonien.

Als Indikator für die Verschmutzung mit Fäkalien dienen die  Darmbakterien Escherichia coli und Enterokokken. Als Mass für die  allgemeine mikrobiologische Qualität wird die aerob-mesophile  Keimzahl (AMK) ermittelt. Diese zeigt vorhandene Mikroben, die sich  bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad vermehren können. Der  weltweite Standard besagt, dass nicht mehr als 300 Kolonien pro  Milliliter wachsen sollten.

Diese Methode hat zwei entscheidende Nachteile: zum einen dauert  die Kultivierung drei bis zehn Tage, zum anderen werden nur  Bruchteile der tatsächlich in einer Probe lebenden Keime erfasst.

Schweiz führt als erstes Land neue Methode ein

Die neue Methode, die Durchflusszytometrie (DFZ), wurde  ursprünglich für medizinische Anwendungen entwickelt. Sie wird seit  den 1980er Jahren beispielsweise für die Analyse von Blutzellen  verwendet.

Bei der Untersuchung von Trinkwasser mittels DFZ werden die  Zellen einer Probe mit einem Fluoreszenzfarbstoff gefärbt, der an  DNA bindet. Anschliessend werden die Zellen durch eine enge  Kapillare geleitet und einzeln mit einem Laserstrahl abgetastet. Das  entstehende Signal wird von Detektoren erfasst und mit einer  speziellen Software ausgewertet. Das Ergebnis liegt nach wenigen  Minuten vor.

Die neue Methode ist nicht nur exakter und schneller, sie hat  einen weiteren Vorteil. Denn mit demselben Verfahren kann das  Verhältnis von eher grossen zu eher kleinen Zellen ermittelt werden.  Dieses gilt als «Fingerabdruck» des Wassers, wie die Eawag schreibt.  Plötzliche Veränderung können beispielsweise auf Schäden, falsche  Anschlüsse im Leitungsnetz oder Störungen in der Wasseraufbereitung  hinweisen.

Die Schweiz ist das erste Land weltweit, das diese  fortschrittliche Methode zur Quantifizierung von Mikrobenzellen in  Wasser einführt. Bevor die DFZ für Wasserproben in der täglichen  Praxis angewendet werden konnte, musste sie standardisiert und  strengen Tests unterzogen werden. Daran waren insgesamt 24 Partner  aus Forschung, Verwaltung sowie öffentlichen und privaten Labors  beteiligt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE