18.03.2014 10:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Sigrist
Zürich
Motocross fährt Geld ein
Auf dem Land von Rita und Sepp Ziltener werden verschiedene Events durchgeführt. Das rechnet sich für das Paar gut.

War es Zufall? Oder eine glückliche Fügung? Der Anfang war spontan, so viel steht fest, wie überhaupt vieles in dieser Geschichte ungeplant und unkompliziert seinen Lauf nahm. «Ich war mit einigen Kollegen auf einem Feld ennet der Bahnlinie bei Dürnten mit dem Motocross-Töff unterwegs, als Sepp Ziltener mit seinem Verkaufswagen vorbeifuhr und uns Backwaren anbot, die seine Frau gebacken hatte», erinnert sich Chris Berger.

«Dabei kamen wir ins Gespräch, und Sepp meinte, ob wir nicht Lust hätten, auf seinem Land eine Cross-Piste zu bauen.» 1994 fand das 1. Motocross Bubikon mit 20 Fahrern neben dem Bauernhof der Zilteners statt. «Ich füllte Thermoskrüge mit Kaffee, stellte die Haushaltfritteuse auf und improvisierte», lächelt Rita Ziltener. Die Festwirtschaft kam bei Publikum und Fahrern gut an. Ein Grill wurde gekauft, und Landwirt Sepp Ziltener machte das Wirtepatent. Weitere Geräte kamen dazu.

Rund 180 Fahrer erwartet

Am 22. März jährt sich nun der Anlass zum 19. Mal, was Chris Berger, Rheinau, und Mitorganisator Patrick Ryffel, Bubikon, mächtig freut. Rund 180 Fahrer werden erwartet, die in fünf verschiedenen Kategorien starten und wenn alles klappt in Gruppen zu maximal 40 Fahrern über die 1500 Meter lange Piste rasen. «Das ist genau die richtige Grösse», meint Berger. 

Dass es so weit gekommen ist, haben die leidenschaftlichen Motocrosser in erster Linie der Offenheit des Ehepaars Ziltener zu verdanken. Chris Berger: «Es war nicht einfach. Ich weiss, dass Sepp manchen Kampf gegen die Behörden auszufechten hatte, und auch die Nachbarn waren anfänglich nicht begeistert. Die gesetzlichen Auflagen ändern sich laufend und verlangen ziemlichen Durchhaltewillen.» Dieses Jahr ist es zum Beispiel die Bodenschutzstelle des Kantons Zürich, welche sich gemeldet hat, um nur eine zu nennen.

Haben Erfolg

Rita und Sepp Ziltener können Aufwand und Ertrag rechnen, es ist nicht Gutmütigkeit, welche sie mit den Motocross-Fahrern verbindet. Sie sind so eine Art Zürcher Oberländer Amerikaner im Kleinformat, unternehmerisch, zielstrebig und manchmal auch dickköpfig. Aber sie haben Erfolg. Das Motocross-Rennen ist nur der Anfang der Geschichte.

Ab 2002 veranstalteten sie während neun Jahren ein Treffen von Oldtimer-Traktoren. Organisierten Heuboden-Chilbi und bis heute den 1.-August-Brunch. Und dann begann ein Grossprojekt, das sich diesen Juni zum siebten Mal jährt: das Tractor-Pulling Dürnten. Schräg oberhalb des Hofes, auf dem flachen Stück Land, wird eine 100 Meter lange Pullingpiste erstellt und Platz fürs Fahrerlager eingerichtet. 150 Fahrer werden erwartet.

Anlässe bringen mehr Einkommen als Landwirtschaft

Letztes Jahr zog das zweitägige Spektakel mehr als 4000 Zuschauer an, und Rita Ziltener, welche die Festwirtschaft längst nicht mehr alleine mit der Haushaltfritteuse führt, hatte alle Hände voll zu tun. «Es läuft jeweils goldig», schmunzelt Sepp Ziltener. «Ich kann sagen, dass uns die Anlässe mehr Einkommen bringen als die Landwirtschaft. Kein Wunder bei diesem Milchpreis!» Einziges grösseres Risiko: das Wetter. Für das Motocross-Rennen gibt es zwar ein Verschiebedatum, aber das Pulling wird abgesagt, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Und der Boden? Noch ist das untere Landstück braungrüne Winterwiese, nur die Doppelsprung-Schanze vom Motocross im letzten Jahr ist stehen geblieben. «Die Cross-Piste ist nicht lange zu sehen. Ich führe nach dem Rennen einige Lastwagen Humus zu, fahre mit der Kreiselegge drüber und kann wieder Gras ansäen», meint Sepp Ziltener. «Auch die Pullingpiste ist kein Problem», ergänzt Rita Ziltener. «Wir fahren vor dem Säen mit dem grossen Grubber drüber und lockern den Boden, damit das Wasser wieder gut versickern kann».

www.duerntner-pulling.ch
www.mx-bubikon.webnode.com

Betriebsspiegel

18 Braunvieh-Kühe mit Hörnern, 6 Aufzuchttiere, 10 Mastkälber, 35 Mutterschweine, 50 Mastschweine, 220 Legehennen.
11 Hektaren Wiese
Benötigte Fläche für Motocross: 2,5 Hektaren
Benötigte Fläche für Pulling: 3 Hektaren plus Parkmöglichkeiten. ss

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