9.04.2016 14:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Bern
Mitgliederbeiträge sind Dauerbrenner
Die Jahresrechnung der Landwirtschaftlichen Betriebs- und Familienhilfe des Kantons Bern schliesst mit einem Defizit. Denn je mehr Einsatztage die Vereinigung leistet, desto höher ist der Verlust.

Die Delegierten der Landwirtschaftlichen Betriebs- und Familienhilfe des Kantons Bern (LBF) waren sich an ihrer jährlichen Versammlung vergangenen Donnerstag in Zollikofen nicht so wirklich einig, ob sie nun auf ein erfolgreiches oder doch eher ein durchwachsenes Jahr zurückblickten.

Die Rechnung nämlich wies ein knapp negatives Resultat aus: Unter dem Strich blieb ein Defizit von rund 4000 Franken, dies allerdings bei einem Umsatz von über 1,7 Millionen Franken.

Die LBF leistete im vergangenen Jahr 6867 Einsatztage, 3951 davon als Sozialeinsätze. Gegenüber 2014 entspricht dies einem Rückgang um rund 600 Einsatztage, gegenüber 2013 sogar um deren 900. Trotzdem budgetiert LBF-Geschäftsführerin Margrit Renfer für das laufende Jahr 7000 Einsatztage und einen kleinen Ertragsüberschuss von knapp 3000 Franken.

Variante gerechnet

Man ist sich bewusst: Je mehr Einsatztage die Vereinigung leistet, desto höher ist der Verlust, 2015 waren es pro Tag rund 66 Franken, die durch die Organisation zugeschossen werden. «Das ist schon ein spezielles Unternehmen», scherzte Geschäftsführerin Renfer, «das, je mehr es arbeitet, desto mehr Verlust macht.» Dieser Verlust wird durch die Beiträge der Krankenversicherungen und die Mitgliederbeiträge abgedeckt.

Die Höhe ebendieser Mitgliederbeiträge sind ein Dauerbrenner beim LBF. Und so wurde zwar an der gut besuchten Delegiertenversammlung darüber kaum diskutiert. Doch der Vorstand hatte sich im Vorfeld durchaus seine Gedanken gemacht, eine Variante mit einer Erhöhung von 50 auf 60 Franken wurde durchgerechnet, schliesslich aber wieder verworfen.

So sparte sich schon manch ein Betrieb den Mitgliederbeitrag, so Präsidentin Margrit Haldemann: «Viele Betriebe wären wohl nicht bereit, einen höheren Beitrag zu zahlen.» Trotzdem steht für sie fest: «Wir müssen die Thematik im Auge behalten.» Haldemann wurde übrigens – wie der Rest des Vorstandes – für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt.

Durchwachsenes Jahr

Der LBF zählt im laufenden Jahr über 5200 zahlende Mitglieder. Diesen werden die Delegierten vom Jahresbericht der Präsidentin berichten. Davon, dass das Angebot der Betriebs- und Familienhilfe für kürzere Zeiträume genutzt werde, auch das ein Resultat des zunehmenden finanziellen Drucks innerhalb der Betriebe. Auffallend sei, dass es immer noch Betriebe gebe, die keine Taggeldversicherungen abschlössen.

Geschäftsführerin Renfer gewährte ausserdem einen Blick in den Alltag der 199 Helferinnen und Helfer, die zu unregelmässigen Arbeitszeiten bei Ferien, Krankheit oder Arbeitsspitzen für Unterstützung sorgten. Sie berichtete von abgezählten Kartoffeln, von Gewaltandrohung, aber auch von üppigen Dessertportionen und Herzlichkeit. Das ergibt dann doch ein eindeutiges Fazit: ein durchwachsenes Jahr.

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