20.05.2016 07:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wasser
Mit Staudämmen gegen Wassermangel im Sommer
Die Alpengletscher sind wichtige Wasserspeicher. Weil das ewige Eis durch den Klimawandel schwindet, steht in Zukunft im Sommer weniger Wasser aus dem Hochgebirge zur Verfügung. Forscher haben nun untersucht, ob die abnehmende Speicherwirkung durch neue Stauseen kompensiert werden könnte.

Viele Flüsse in Europa werden von Schmelzwasser aus Gletschern gespeist. Schrumpfen die Gletscher, wird der Wasserabfluss im Hochsommer erheblich zurückgehen. Dies hat grosse Auswirkungen auf die Wasser-, Energie- und Landwirtschaft.

Gelindert werden könnte der Wassermangel durch ein aktives Wassermanagement, wie die Eidg. Forschungsanstalt WSL in einer Mitteilung schreibt. Die Idee ist, Wasser, das im Frühjahr durch die frühere Schneeschmelze vorhanden ist, in die Sommermonate hinüberzuretten.

Stauseen an Stelle von Gletschern

Möglich wäre dies durch das temporäre Speichern des Wassers in Stauseen. Eine Simulation zeigt, dass damit zwei Drittel der im Sommer fehlenden Wassermenge kompensiert werden könnten. Dazu müsste rund ein Kubikkilometer Wasser zwischengespeichert werden, wie es in der Mitteilung heisst. Dies entspricht einem Wasserwürfel mit einer Kantenlänge von einem Kilometer.
In ihrem laut eigenen Angaben «etwas provozierenden» Gedankenspiel haben die Forschenden untersucht, ob die hydrologische Funktion der Gletscher im heutigen Wasserkreislauf durch Staudämme ersetzt werden kann. Die durch die Gletscherschmelze frei werdenden Flächen würden also als Stauseen umgenutzt.

Um das Potenzial solcher neuer Stauseen zu analysieren, haben die Forschenden Berechnungen für alle rund 4000 Gletscher in den Alpen angestellt. Sie platzierten in ihrem Modell virtuelle Dämme an den derzeitigen Gletscherstandorten und berechneten das Volumen der gebildeten Seen. Das Ergebnis zeigt, dass der Speicherbedarf mit rund einem Dutzend grosser, zentralisierter Dämme gedeckt werden könnte.

Problem nicht gelöst

Gelöst wäre das Problem damit allerdings nicht, warnen die Autoren. Neu errichtete grosse Talsperren würden zahlreiche ökologische, ökonomische und technische Probleme mit sich bringen. Unter anderem müsste man das Wasser der vielen Alpengletscher irgendwie zu den zentralisierten Dämmen bringen und es bräuchte genaue Absprachen zwischen sämtlichen Akteuren, die das Wasser für verschiedene Zwecke nutzen wollen.

Die Auswirkungen der Klimaveränderung mit technischen Mitteln vollständig korrigieren zu können, sei eine Illusion, schreiben die Autoren.

Die Forschenden gehen davon aus, dass der Abfluss von Wasser aus den Alpen bis zum Jahr 2100 um eine Menge schrumpft, die rund 80 Prozent des heutigen Trinkwasserverbrauchs der Schweiz entspricht. Diese fehlende Wassermenge könnte durch die vorgeschlagene Zwischenspeicherung nicht ersetzt werden.

Die Ergebnisse ihrer Studie hat das Forschungsteam der Eidg. Forschungsanstalt WSL, der Gemeinsamen Forschungsstelle (JCR) der Europäischen Kommission in Ispra, Italien, und die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich in der Fachzeitschrift Enviromental Research Letters veröffentlicht.

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