2.10.2013 06:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Annelies Bichsel
Schwingerkönigin
Mit Fleiss und Kraft zum Königstitel
Alle sechs Frauen- Schwingfeste hat Margrit Vetter-Fankhauser heuer gewonnen. Zwar war ihr der Königstitel vor dem letzten Fest in Unteriberg SZ bereits sicher. Trotzdem hatte sie sich so solid vorbereitet wie immer.

Obwohl sie derzeit eine gefragte Person ist, nimmt sie es gelassen. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend, und die Herzlichkeit prägt die frohe Begegnung. Sie freut sich, dass das Frauenschwingen langsam an Beachtung gewinnt. In ihrer heimeligen Stube dominieren zweierlei Geschenke: ihre vielen gewonnenen Schwingerpreise und unzählige Hochzeitsgeschenke, denn vor einer Woche hat Margrit Fankhauser ihren Franz Vetter geheiratet.

Abgehärtet

Aufgewachsen ist Margrit Vetter in Eggiwil in einer Bauernfamilie als zweitjüngstes von sechs Kindern. «Unser sechs Kilometer lange Schulweg hat uns wohl abgehärtet», meint sie. Mit 13 Jahren hat Margrit Vetter ihr erstes Schwingfest bestritten. Sie stammt aus einer richtigen Schwingerfamilie. Ihr Vater, die Onkel mütterlicherseits, hatten fast alle geschwungen. Ihr Bruder Kurt war dieses Jahr auch am Eidgenössischen in Burgdorf im Einsatz, leider aber weniger erfolgreich als seine Schwester.

Hartes Training

«Zwei Mal pro Woche trainiere ich im Schwingklub Thun: am Montag mit den Frauen und am Donnerstag mit den Männern. Alle haben den gleichen Trainer. Das Üben in der gemischten Gruppe tut gut, und wir Frauen werden nicht geschont», weiss die konsequente Frau. Männer würden technisch besser und ausgefeilter schwingen, seien wendiger und schneller. «Gerade darin habe ich von den Männern extrem viel lernen können».

Bisher hat die starke Schwingerin in diesem Jahr jedes Fest gewinnen können. «Meine Konstanz zeichnet mich aus. Seit ich schwinge, bin ich regelmässig in den vorderen Rängen platziert. Dass ich nun Königin wurde, war ein hart erarbeitetes Ziel und eine grosse Genugtuung», freut sie sich. Eigentlich wollte sie ja nach dieser Saison aufhören, doch die Erfolge stacheln sie an, und so hängt sie sicher noch eine Saison an. 

Gutes Verhältnis

«Für das letzte Fest hatten sich 35 aktive Schwingerinnen angemeldet» weiss Margrit Vetter. «Untereinander haben wir ein tolles, freundschaftliches Verhältnis. Einzig im Sägemehl sind wir erbitterte Gegnerinnen und schenken uns nichts. Wir Frauen müssen zusammenstehen, weil wir aufeinander angewiesen sind.» Die älteste Schwingerin ist etwa Mitte dreissig.

Da jedes Jahr ein Titel vergeben wird, könnte Margrit Vetter also noch einige Male als Favoritin gehandelt werden, sofern sie gesund bleibt. «Auch Frauen, die bereits Kinder haben, kehren ab und zu erfolgreich in den Sägemehlring zurück. Dies aber möchte ich nicht», erklärt sie bestimmt. Seit letztem Sommer isst sie jeden Morgen und Abend Haferflöckli. Am Mittag gibts Teigwaren, und dazwischen wird viel getrunken: «Die Ernährung ist mir sehr wichtig», betont die für den Schwingsport ideal gebaute Frau.

Strenge Tage

Neben dem harten Training arbeitet Margrit Vetter voll in ihrem erlernten Beruf als Fachangestellte Gesundheit bei der Spitex in Eggiwil. Da sie und ihr Mann auf den 1. Januar den Elternbetrieb von Franz übernommen haben, wird sie auf Neujahr ihr Arbeitspensum auf 70 Prozent reduzieren. Mit dem Besuch der Bäuerinnenschule Hondrich hat sie sich für diese neue Aufgabe bestens gerüstet. Der Hof ist mit seinen 12 Kühen auf Milchwirtschaft ausgerichtet, daneben werden 70 Mastschweine betreut. Weil auch ihr Mann teilzeitlich auswärts arbeitet, müssen sowohl die Arbeits- wie die Freizeit gut geplant werden.

«Ja klar bin ich stolz auf meine Frau, trotzdem muss auch die Arbeit auf dem Hof gemacht werden», sieht Franz Vetter die Schwingertätigkeit seiner Frau realistisch. Man merkt, dass er sich über ihre Siege freut, dabei aber genauso geerdet bleibt wie seine Frau. Dass man sich im Dorf über ihre Erfolge freut, stellt die beiden auf.

Sportlich hat die bescheidene Frau alles erreicht, was möglich war. Privat hat sie noch einen grossen Wunsch: «Zwei Pferde möchte ich endlich auf den Hof holen. Das Reiten habe ich von meinem Vater gelernt. Dann könnte ich mein zweitliebstes Hobby zu Hause ausüben.»

Neuer Rekord

Obschon ihr der Sieg in der Jahreswertung und damit auch der Königinnentitel bereits vor dem letzten Fest sicher war, gewann Margrit Vetter am Samstag auch das letzte Schwingfest der Saison in Unteriberg SZ. Im Schlussgang konnte sie nach 3 Minuten und 19 Sekunden die letztjährige Schwingerkönigin Sonia Kälin bodigen und so das Fest im Rang 1.a gewinnen.  Margrit gewann so als erste Königin alle fünf Schwingfeste, welche sie in diesem Jahr bestritt.

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