7.10.2018 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
International
Milchkühe und Initiativen-Flut
Rund 40 internationale Agrarjournalisten und -journalistinnen besuchten letzte Woche die Schweiz. Sie befassten sich mit den Agrar-Initiativen und der Alpwirtschaft.

Wie beeinflussen die Konsumentinnen und Konsumenten die Agrarpolitik? Um diese Frage drehte sich die Press Tour - auch vor dem Hintergrund der zahlreichen Initiativen rund um die Schweizer Landwirtschaft.

Strengere Deklarationspflicht


BLW-Direktor Bernard Lehmann zeigte in seinem Referat die spezielle Rolle der Landwirtschaft in der Schweizer Politik auf und ging auf die verschiedenen Anspruchsgruppen ein, die auf die Agrarpolitik einwirken. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die nachhaltige Produktion ein globales Thema ist und noch verstärkt werden wird. 

Die Angst-Kampagne der Wirtschaft und des Detailhandels hätten gewirkt, sagte Nationalrätin Maya Graf gegenüber den Journalistinnen und Journalisten zur verlorenen Abstimmung zur Fair-Food-Initiative. Sie macht aber rasch klar, dass das Thema noch nicht vom Tisch sei. "Wir werden mit der Fair-Food-Allianz auf Gesetzesebene politisch Druck machen", so Graf. Wichtige Punkte dabei seien eine strengere Deklarationspflicht, Massnahmen gegen Food Waste sowie kein Freihandel ohne Fair Trade.

"Wir sind ein Kuh-Land, kein Schweine- oder Poulet-Land"

"Es geht nicht darum, ob die Tierhaltung in Brasilien schlechter ist als in der Schweiz. Es geht darum, ob sie hier gut ist", erklärte Meret Schneider von Sentience Politics. Für sie ist ein Schlüsselelement der Tierhaltung nicht der Höchstbestand, sondern wie viel Platz pro Tier vorhanden ist. Deshalb stimmt es ihrer Ansicht nach nicht, dass in der Schweiz keine Massentierhaltung existiere. Sie sprach sich dafür aus, dass die Schweiz als Grasland auf die Haltung von Kühen setzt. "Wir sind ein Kuh-Land, kein Schweine- oder Poulet-Land", so Schneider. 

Von Journalisten darauf angesprochen, ob dann die Schweiz nicht einfach das nicht mehr produzierte Fleisch importieren würde, erklärte sie, dass der Fleisch-Konsum grundsätzlich gesenkt werden müsse. Wie Schneider bezog sich auch Franziska Herren von der Trinkwasser-Initiative stark auf die Ammoniak-Emissionen und die Futtermittel-Importe durch Nutztierhaltung.

Capaul stiess auf grosses Interesse

Im Mittelpunkt des Interesses der internationalen Presseschar stand erwartungsgemäss Armin Capaul, der mit seinem Auftreten als authentischer Bergbauer alle in den Bann zog. Er weibelte für seine Hornkuh-Initiative, die am 25. November vors Volk kommt. Die Journalistinnen und Journalisten forderte er dazu auf, in ihren Heimatländern die Auslandschweizer zu überzeugen, mit Ja zu stimmen. Er trage stets seine Mütze, weil er keine Hörner habe, so Capaul auf die entsprechende Frage.

Beat Röösli vom Schweizer Bauernverband zeigte den Weg zur Verankerung der Ernährungssicherheit in der Verfassung auf. Er warf die Frage auf, was Nachhaltigkeit bedeute. Sei importiertes Palmöl nachhaltig? Seiner und der Ansicht des Bauernverbandes nach auf keinen Fall. Er rief dazu auf, auf saisonale und regionale Produkte zu setzen und Food Waste zu vermeiden. Ein Thema für die internationalen Journalistinnen und Journalisten waren die Lebensmittelpreise in der Schweiz. Laut Röösli hängen die höheren Preise auch stark mit dem Handel zusammen. Die Handelsspanne für Agrarprodukte sei in der Schweiz deutlich höher als im Ausland, so Röösli. Selbst wenn die Schweizer Bauern das Fleisch gratis abgeben würden, resultierten im Detailhandel höhere Preise als im Ausland.

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