24.08.2019 12:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Mieser Start in die Abkalbesaison
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin und Landwirtin.

Es ist Herbst geworden, und das schon Mitte August. Am 13. haben wir zehn laktierende Kühe und vier hochträchtige Rinder nach Hause gezügelt. Der Nebel hing tief, meine Wehmut hielt sich in Grenzen.

Glocken nicht überall beliebt

Sicherlich auch, weil das Zügeln von Tieren eine meiner Lieblingsarbeiten ist. Da ich die Anhängerprüfung fürs Auto immer noch nicht habe, durfte ich zwei Mal mit dem Traktor insgesamt sechs Kühe im Anhänger transportieren.

Ich bin der Überzeugung, dass die Kühe genau wissen, was jeweils auf sie zukommt. Zumal wir ihnen auch die Glocken abziehen und diese in einer Harasse deponieren. Die Kühe kehren gefühlt «nackt» nach Fahrni zurück. Im Fressgitter ist der Halsschmuck aber wenig praktisch. Ausserdem haben wir einen Nachbarn, der sich an den wunderschönen Klängen stört. So haben unsere Kühe halt nur auf der Alp «Glüt» um den Hals. 

Letzter Schnitt der Saison

Auch punkto Futterkonservierung merken wir, dass das Ende der Saison naht. Am vergangenen Wochenende haben wir acht Hektar Emd eingeführt. Auf diesen Parzellen war es der letzte Schnitt für dieses Jahr, im Oktober werden dort die Rinder weiden.

Auch hier durfte ich wieder eine meiner Lieblingsarbeiten ausführen: Mit dem Ladewagen Emd einführen. Übrigens: das Rinder-Kontrollieren gehört auch dazu.

Viel gelernt auf dem Hof

Als ich Töbu kennen lernte, waren meine Kenntnisse und Fähigkeiten bei den Maschinen bei null. Zwar bin ich auf einem Bauernhof aufgewachsen, doch für die Maschinenarbeit waren meine Brüder stets auf Platz. Anfänglich erklärte mir Töbu mit Konfitüre- Gläsern, wie ich die Rundballen auf den Wagen stapeln soll.

Mittlerweile braucht es wenig Erklärung. Sollte es auch nicht, schliesslich bin ich gelernte Landwirtin. Doch am Wochenende musste ich immer wieder das Radio leiser stellen. Das ist jeweils der Fall, wenn es sehr steil wird, ich mich unsicher fühle und der Respekt langsam ins Wort mit «A» wechselt. Glücklicherweise ist nichts passiert und alle Räder hatten fast immer den sicheren Kontakt zum Boden.

Weniger Glück im Stall

Weniger glimpflich verlief die erste Geburt. Die Wehen setzten als erstes bei Lindsey ein, ein wunderschönes und vielversprechendes Rind. Vier Stunden nach dem Fruchtwasser waren immer noch keine Beine da. Töbu kontrollierte die Lage, ein Bein war etwas weiter hinten, schien aber normal zu sein.

Die Platzverhältnisse im Becken waren aber eng. Ein Kollege, der zu Besuch war, half tatkräftig mit und ein totes Kuhkalb konnte rausgezerrt werden. Doch das war nicht Pech genug. Zu allem Übel gibt Lindsey nur an drei Zitzen Milch. Doch das «isch äbä buret». Wir hoffen, dass es bei den 38 kommenden Geburten besser verläuft, schlimmer kann es kaum werden.

Gute-Laune-Klasse

Solche Erlebnisse will ich jeweils schnell vergessen und nach vorne schauen. Hilfreich ist hierbei die Klasse aus Schwarzenburg, die auf der Pfidertschegg ihren Umwelteinsatz leistet. Sie geben Vollgas, arbeiten motiviert und zuverlässig. Beispielsweise fragten sie während der Pause, ob sie weiterarbeiten dürfen, das gab es noch nie.

Borkenkäfer-Befall

Nebst dem Unkraut wird viel Zeit für das Verbrennen der Käferholz-Äste verwendet. Urs, welcher im Sommer 2017 die Alp bewirtschaftete, ist der «Chrampfer», der die Tannen bereits gerüstet und mit dem Eder geschält hat.

Auf unserem Land zählen wir bis jetzt acht Tannen, die vom Borkenkäfer befallen wurden. Umliegend sind es sehr viel mehr. Wir hoffen, dass die Käfer nun bleiben, wo sie sind und wir keinen weiteren Befall mehr haben. 

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni BE. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

Hier gehts zur Website

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE