24.12.2012 08:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Waqar Hussain, AFP
Grossbritannien
London: Fischhändler wird zum Popstar
Ein pakistanischer Fischhändler auf dem Weg zum Star: Weil er seine Ware auf einem Markt im Osten Londons nicht schreiend anpreisen wollte, komponierte Muhammed Shahid Nazir ein Lied, um seinen Fisch zu verkaufen. Mittlerweile ist der «One Pound Fish Song» ein Hit.

«Kommen Sie, meine Damen, kommen Sie, ein Fisch ein Pfund,» trällerte Nazir auf dem Queens Market in Upton Park: «Sehr sehr guter Ein-Pfund-Fisch, sehr sehr billiger Ein-Pfund-Fisch.» Die Kunden blieben vor seinem Stand stehen. Zwar kauften sie nicht mehr Fisch ein, doch waren sie von dem Ohrwurm begeistert.

Plattenvertrag

Nachdem Jugendliche den 31-jährigen Nazir gefilmt und sein Liedchen mit eingängiger Melodie im Videoportal YouTube hochgeladen hatten, verbreitete sich der Clip rasend schnell im Internet. Inzwischen wurde der «One Pound Fish Song» mehr als fünf Millionen Mal angeklickt. Das rief Warner Music auf den Plan.

Am 10. Dezember kam eine professionell aufgestylte Version heraus, in der Nazir nach Bollywood-Art in schickem Anzug zwischen knapp bekleideten Schönheiten herumtanzt.

Mit Studentenvisum eingereist

Innerhalb von Tagen eroberte die neue Version die britischen Charts, inzwischen kommt auch sie auf mehr als zwei Millionen Klicks. Im Kurznachrichtendienst Twitter hat Nazir inzwischen fast 28'000 Follower. Ob Nazir es vom Fischhändler zum Millionär schafft, hängt nicht zuletzt von den britischen Behörden ab.

Nach einem Bericht der Wochenzeitung «The Sunday Times» hat nun nämlich das britische Innenministerium den Einwanderer im Visier. Schliesslich reiste Nazir mit einem Studentenvisum ein, arbeitete aber bald darauf als Markthändler. Nazir kommt aus Pattoki, einer kleinen Stadt 234 Kilometer südlich der Hauptstadt Islamabad. Dort verliess er vor fast einem Jahr sein gutsituiertes Elternhaus, Frau und vier Kinder, um in London zu studieren. Sein Vater sei dagegen gewesen, als sein mittlerer Sohn nach England ging, sagt Mutter Kalsoom. Inzwischen sei er «sehr glücklich» über die Ereignisse.

In Pakistan nicht abrufbar

Nazirs Familie, Einwanderer aus Indien, führen ein Unternehmen in Pattoki. Bei den Einwohnern der Stadt sind sie inzwischen als die «One Pound Fish»-Familie bekannt. Viele kommen, um sich das Lied auf CD oder USB-Stick zu laden.

«Wir haben uns nie vorstellen können, dass mein Mann so beliebt wird», sagt Nazirs Frau Kashifa: «Unsere Kinder und ich vermissen ihn sehr und wollen nach London reisen, um diese glücklichen Momente zusammen zu erleben.» Doch dafür braucht die Familie ein Visum. Ob sie eifersüchtig sei, wenn ihr Mann im Video mit halbnackten Mädchen tanzt? «Ich habe kein Problem damit. Es war eine Vorgabe für das Video.»

In Pakistan ist das YouTube-Video gar nicht abrufbar: Im September sperrte die Regierung als Reaktion auf den islamfeindlichen Film «Die Unschuld der Muslime» den Zugang zu dem Portal.

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