27.09.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Waadt
Limoncello aus der Schweiz
Die Italienerin Elena di Girolamo hat aus sizilianischen Zitronen Limoncello gemacht. Nachdem ihr Likör so begeisterte, verarbeitet sie auch Schweizer Früchte – ausschliesslich saisonal und ohne Konservierungsstoffe.

Vor etwas über zwei Jahren hat Elena di Girolamo aus Rolle VD von ihren Freunden eine Kiste mit Zitronen aus Sizilien bekommen. «Ungespritzt und biologisch produziert», erzählt sie. In Süditalien wird der typische Zitronenlikör Limoncello gemacht.

Auch di Girolamo hat beschlossen, aus den vielen Zitronen Limoncello zu machen, wozu sie die Schale der unbehandelten Zitronen einige Tage in 96-prozentigen Alkohol einlegte. Nachdem die Mazeration abgeschlossen war, hat sie den Likör mit Zitronensirup verdünnt, den sie aus dem Fruchtfleisch gemacht hat, bis der Likör einen Alkoholgehalt von noch 32 Prozent erreicht hat.

Erster Erfolg beflügelt

Ihre erste Produktion ist von Freunden und Bekannten so gut aufgenommen worden, dass di Girolamo schon kurz darauf noch mehr Likör gemacht hat, den sie auf Märkten der Region, etwa in Nyon, zum Verkauf angeboten hat. Aber nicht mehr nur aus Zitronen aus Sizilien oder aus anderen Zitrusfrüchten wie etwa Orangen oder Mandarinen, sondern auch aus Schweizer Früchten wie etwa Aprikosen aus dem Wallis oder auch aus Birnen, Kirschen und sogar Kiwis aus der Waadtländer La Côte. Sie produziert immer nur das, was gerade Saison hat, und nimmt es in Kauf, dass es mal einige Produkte nicht gibt. So gibt es etwa in den Wintermonaten kaum einheimische Früchte, stattdessen aber fast nur Südfrüchte zum Verarbeiten.

Im letzten Jahr gab es nur wenige Feigen, weshalb sie derzeit kaum Feigenprodukte  im Angebot hat. Nebst Likören macht sie inzwischen auch Konfitüren, teils vermischt mit Kräutern, sowie Sirupe,  Saucen und Konserven, für die sie auch Gemüse, überwiegend aus der Region, einlegt. «Wichtig ist mir, dass unsere Kunden unsere Produkte auch degustieren können», erklärt di Girolamo. Wobei sie schon festgestellt hat, dass ihre Landsleute scharfe Saucen mögen, während es die meisten Schweizer eher weniger scharf bevorzugen. Trotzdem bietet sie ihre Produkte längst nicht mehr nur auf Märkten an, sondern sie vertreibt auch übers Internet, das heisst per Post, und sie beliefert Feinkostläden in der Region und darüber hinaus, ja sogar schon bis nach Zürich.

Eigenes Produktionslokal

Die rasch wachsende Nachfrage nach der inzwischen grossen Palette unterschiedlichster Produkte wurde für sie jedoch schon bald zu einer logistischen Herausforderung. So war es ihr schon früh nicht mehr möglich, die Liköre zu Hause in ihrer eigenen Küche herzustellen. Sie war auf professionell eingerichtete Restaurantküchen angewiesen, die sie jedoch nur dann nutzen konnte, wenn das Lokal Ruhetag hatte. Noch im September will sie daher in Mont-sur-Rolle eine eigene, professionell eingerichtete Küche in Betrieb nehmen, wo sie ausserdem einen Verkaufs- und Degustationsraum einrichten möchte. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Ehemann Mauro Ferrari und von einem Freund – beide aus Italien stammend.

Ferrari ist für ein Unternehmen tätig, welches Kakao importiert sowie Rohstoffe wie etwa Kakaobutter für Schweizer Schokoladenfabriken herstellt. Für di Girolamo sind die eigenen Früchte- und Gemüsekreationen, die sie unter dem Namen «La Citrolle» vertreibt, jedoch schon so einträglich, dass sie kein weiteres Zusatzeinkommen mehr benötigt. Demnach leitet sie ein Start-up-Unternehmen mit noch ungeahntem Potenzial, zumal die Nachfrage nach lokalen Produkten, die dazu noch konsequent ohne Konservierungsstoffe hergestellt werden, zunehmend grösser wird. Statt zu konservieren, nutzt sie eine einfache, aber bewährte Methode. «Ich sterilisiere Gläser und Flaschen, indem ich sie vor dem Abfüllen zehn Minuten lang bei 100 Grad in den Ofen stelle», erklärt sie.

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