3.05.2015 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Regen
Lage nach Dauerregen angespannt
Die Lage bleibt nach den intensiven Regenfällen der letzten Tage angespannt. In einigen Landesteilen hat sich die Hochwassergefahr weiter verschärft. Die Bahnlinie zwischen Bern und Freiburg war am Sonntag wegen eines Erdrutsches rund drei Stunden unterbrochen.

Kurz vor 14 Uhr war eine grössere Erdmenge in Flamatt FR niedergegangen und verschüttete beide Gleise, wie ein SBB-Sprecher auf Anfrage mitteilte. Bis 17 Uhr konnte eines der Gleise freigelegt und der Bahnverkehr einspurig wieder aufgenommen werden. Am anderen Gleis waren die Freilegungsarbeiten am Abend im Gang.

Unterbrochen war die Strecke zwischen Thörishaus Station BE und Schmitten FR. Die Intercity- und Interregio-Züge fielen zwischen Bern und Freiburg aus. Die SBB setzte Bahnersatzbusse ein.

Die Auswirkungen waren gravierend, weil seit dem Bahnunfall in Daillens VD die Jurasüdfuss-Linie weiter unterbrochen ist. Diese wird erst am Montagmorgen wieder eingleisig befahrbar sein. Reisende von Bern nach Lausanne, Genf und Genf-Flughafen mussten am Sonntag bis zur Normalisierung in Flamatt via Visp reisen. Die Reisezeit verlängerte sich damit um 90 Minuten.

Wie SBB-Sprecherin Rahel Meile der Nachrichtenagentur sda sagte, hielt sich das Ausmass des Erdrutschs in Flamatt in Grenzen, weil die SBB dort 2012 Millionen in die Hangsanierung gesteckt hatte. Der damals errichtete Schutzzaun konnte den grössten Teil der Erdmassen auffangen.

Nach den starken Regenfällen ist die Gefahr von Erd- und Hangrutschen gestiegen. In Ennetbaden AG rutschte ein Hang über eine Länge von rund 30 Metern ab. Aus Sicherheitsgründen wurde eine Strasse einseitig gesperrt. Bei der Kantonspolizei Aargau gingen mehrere Meldungen über weitere rutschgefährdete Hänge ein.

Hohe Pegelstände und mehr Regen

Einen starken Anstieg verzeichneten die Pegel von Brienzer- und Thunersee, wie die Berufsfeuerwehr der Stadt Bern am Sonntag mitteilte. In Thun sind die beiden Schleusen maximal geöffnet. Zudem reguliert das Amt für Wasser und Abfall die Abflussmenge über den Hochwasserentlastungsstollen. Die Aare in Bern hatte einen Abfluss von 410 Kubikmetern pro Sekunde. Der Alarmwert liegt bei 400 Kubikmetern pro Sekunde.

Der Bund stuft die Hochwassergefahr entlang der Aare, am Thuner-, Bieler- und Neuenburgersee als erheblich ein. Die gleiche Gefahrenstufe besteht auch für Teile des Rheins.

Noch konnten betroffene Bewohner nicht aufatmen. Das Bundesamt für Umwelt rechnete mit weiteren Niederschlägen in der Nacht auf Montag. Auf der Alpennordseite werden stellenweise bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter erwartet.

Per SMS kontaktiert

Um der Wassermassen Herr zu werden, setzte die Feuerwehr in Bern auf vorsorgliche Massnahmen. Im Mattequartier etwa hat sie feste Sperrelemente eingebaut. Zudem wird bei den Schwellen Treibholz entfernt, um grössere Ansammlungen zu verhindern.
Die direkt betroffene Bevölkerung entlang der Aare wurde per SMS darauf hingewiesen, dass für exponierte Keller Gefahr wegen Grundwasser besteht. Die Uferwege waren zwar nicht gesperrt. Die Feuerwehr riet aber zur Vorsicht und empfahl, die Wege zu meiden.

Wallis: Situation bleibt kritisch

Auch im Wallis stiegen nach einer ruhigen Nacht die Pegelstände wieder an. In Monthey VS war die Vièze nachts zwar nicht mehr über die Ufer getreten, doch wegen des erneuten Regens schwoll der Fluss am Sonntag erneut an. In der Region um Val-d'Illiez wurde die Situation am Sonntagvormittag als kritisch eingestuft.

In St-Gingolph VS hatten die Wassermassen am Samstag Schlamm und Schutt auf die Strassen gespült. 15 Personen mussten laut dem Gemeindepräsidenten evakuiert werden.

Auch in Genf stieg die Arve in der Nacht auf Sonntag erneut an. Die Abflussmengen erreichte jedoch nur noch 550 bis 600 Kubikmeter pro Sekunde - am Samstag waren es noch 905 gewesen. Überschwemmungen gab es unter anderem bei einem Gebäude der Universität Genf.

Schiffe passen nicht mehr unter Brücken durch

Der Dauerregen behinderte auch die Schifffahrt. Die Rheinschifffahrt zwischen Rheinfelden AG und der Schleuse Kembs (F) musste am Samstag wegen Hochwassers zeitweise eingestellt werden.

In der Stadt Zürich verkehrten die drei Limmatschiffe Felix, Regula und Turicum nur noch auf dem Seebecken, wie es beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) hiess. Der Pegelstand der Limmat war so hoch, dass die ohnehin schon flach gebauten Limmatschiffe nicht mehr unter den Brücken hindurchpassen.

www.schweizerbauer.ch/wetter

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