27.09.2018 11:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
«Kühe haben keine Hoden»
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten

Diese Woche wird es einmal wieder ein „Chrüsimüsi-Blog“. Ich habe viele spannende Dinge erlebt, aber eben nichts Weltbewegendes.

Grosses Interesse an unserem Leben

Wie bereits erwähnt, leistete eine 9. Klasse aus Zürich ihren Umwelteinsatz. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten eine eher negative Haltung mit wenig Wertschätzung und Motivation. Doch diese Klasse war ganz anders. 

Sie arbeiteten fleissig und zu unserem Erstaunen zeigten sie ein echtes Interesse an unserem Job. So fragten sie beispielsweise, wie wir den ohne Strom Leben würden. Und sie wollten beispielsweise den Rinderstall mit dem Traktor als Mister genau inspizieren.

Aus Bach getrunken

Auch liessen sie sich auf das Erlebnis «weg vom Stadtleben» ein und waren sich nicht zu schade, die Kleider zu verdrecken. Am Mittwoch entdeckten sie ein kleines Bächlein im Sumpfgebiet. Eines nach dem anderen Steckte den Kopf rein und tranken direkt daraus. Das haben sie bisher in ihrem ganzen Leben noch nie gemacht. Natürlich wurde dies gefilmt und am Abend online gestellt.

Wer fasst den Zaun an?

Eine Kette zu bilden und den Zaun anzufassen ist ein weiteres Beispiel. Die Jugendlichen konnten unglaublich lachen und bewiesen viel Mut beim Anfassen. Natürlich wurde auch die «Prüfung» viral geteilt. Ich bin ein richtiger Fan von solchen Begegnungen und beobachte mit einer gewissen Genugtuung das Geschehen. 

Ich finde, dass jedes Kind wissen müsste, dass die Milch nicht aus dem Migros kommt und die Kühe nicht grosse Hoden, sondern ein Euter haben. Und somit eben auch den Lebensraum einer Kuh und die damit verbundene Arbeit für uns Landwirte erkunden und wenn möglich sogar mitarbeiten. 

Magischer Moment beim Strassenbau

Endlich ist es soweit, der Baggerführer hat es geschafft: die Strasse ist bis auf die Egg (fast) fertig. Jetzt fehlt nur noch das flacher Stück rauf zur Hütte. Von nun an ist es nicht mehr so schlimm, wenn eine Regenperiode einsetzt. Das letzte Stück kann auch bei nasser Witterung gebaut werden. Denn die Böschungen werden nicht mehr so hoch, der Hang ist viel weniger steil und somit die Gefahr eines Rutsches massiv geringer. 

Retourfahrt über die neue Strasse

Am Montag lenkte dann Töbu den Traktor völlig unspektakulär über die neue Strasse. Er war oben, um die Jauche auszubringen und einige Tannen hoch zu seilen. In meinen Träumen habe ich mir die Jungfernfahrt von der Hütte, ein Stück über die Weide in die neue Strasse bis ganz nach unten etwas spektakulärer vorgestellt. Vielleich nicht gerade mit einer grossen Pferdekutsche, aber bestimmt auch nicht mit einem schmutzigen Güllenfass.

Erleichterung für die Bewirtschaftung

Wir haben uns die fertige Strasse etwas anders vorgestellt. Zum einen die hohen Böschungen, die wohl nie wieder beweidet werden können, haben wir nicht bedacht. In meinen Vorstellungen war die Strasse aber auch deutlich weniger breit. Bereits jetzt, wo doch noch etwa 500 Meter fehlen, wird die Bewirtschaftung einfacher. 

Wenn wir hochfahren, um die Rinder zu kontrollieren, nutzen wir die neue Strasse und gehen das letzte Stück zu Fuss. Wir sparen rund zehn Minuten pro Fahrt. Auf einen Sommer mit 120 Tagen ergibt dies 40 Stunden, das ist fast eine Büro-Arbeitswoche. In dieser Zeit können wir viel anstellen, oder beispielsweise Ferien machen, wenn ich dann Töbu überreden kann.

Keine Ferien

Zumindest in dieser Beziehung habe ich einen Bauern geheiratet, der viele Klischees erfüllt. Gemeinsame Ferien sind selten. Ich will aber nicht klagen. Ich bin froh, habe ich einen pflichtbewussten und arbeitsamen Töbu. Wenigstens kommt er ab und zu mit mir auf einen Spaziergang. So wie beispielsweise am vergangenen Montag, als wir bei stürmischem Wetter den Vollmond geniessen konnten.

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

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