5.11.2013 14:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Till Mundzeck, dpa
Weltall
Komet kündigt sich als Weihnachtsstern an
Zur Weihnachtszeit könnte dieses Jahr ein echter Weihnachtsstern am Himmel stehen: Der Komet Ison ist im Anflug auf die Sonne und könnte von Anfang Dezember an als heller Schweifstern erstrahlen. Wissenschaftlern erlaubt der Komet einen Blick auf die Randregionen unseres Sonnensystems und auf dessen Entstehungsgeschichte.

Der Komet Ison wird am 28. November haarscharf an der Sonne vorbeirasen und dann in den folgenden Wochen am Himmel sichtbar sein - falls er den Vorbeiflug an der Sonne übersteht. Ob er dabei zerbricht, komplett verdampft oder im Gegenteil spektakulär erstrahlt, ist völlig offen, wie der Kometenspezialist Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau erläutert. 

Ison passiert die Sonnenoberfläche in knapp 1,2 Millionen Kilometern Abstand, das ist etwas weniger als der Durchmesser der Sonne. «An der Oberfläche des Kometen wird es 1500 bis 2000 Grad Celsius heiss, das wird ein besonderer Stresszustand», betont Böhnhardt. 

Nur mit Augenschutz anschauen 

Sollte Ison diesen Stresstest überstehen, könnte er wenige Tage danach gen Osten in der Morgendämmerung erstrahlen und möglicherweise sogar am Taghimmel sichtbar werden. Experten warnen jedoch eindringlich davor, ohne geeigneten Augenschutz in Richtung Sonne zu schauen - dauerhafte Augenschäden drohen.  

Bereits in der zweiten Novemberhälfte könnte Ison für das blosse Auge am Morgenhimmel sichtbar werden, allerdings stört das Mondlicht die Beobachtung. Die besten Chancen haben Himmelsgucker voraussichtlich in der ersten Dezemberhälfte morgens vor Sonnenaufgang, wenn der Mond schon untergegangen ist.  

Kurz vor Weihnachten steht der Komet sogar die gesamte Nacht am Himmel. Die besten Beobachtungschancen gibt es dann abends, wenn der Mond vom 19. Dezember an langsam den Abendhimmel räumt. Allerdings könnte die Kometenhelligkeit bereits wieder so weit gesunken sein, dass der Schweifstern erst im Feldstecher sichtbar wird. 

Schmutzige Schneebälle      

Kometen bestehen aus einer Mischung von Eis und Gestein und werden daher auch als schmutzige Schneebälle bezeichnet. Nähert sich ein Komet der Sonne auf etwa 750 Millionen Kilometer, das entspricht der fünffachen Distanz der Erde zur Sonne, beginnt sein meist nur wenige Kilometer grosser Kern zu verdampfen. Erst bildet sich eine dichte Staub- und Gaswolke, in noch grösserer Nähe zur Sonne ein Schweif.  

Dabei handelt es sich um Gasmoleküle und Staubteilchen, die von der Sonnenstrahlung und von dem beständigen Partikelstrom der Sonne, dem sogenannten Sonnenwind, weggeblasen werden. Es bilden sich zwei getrennte Schweife: ein gerader Gasschweif und ein leicht gekrümmter Staubschweif.  

Kometen erlauben eine Art Archäologie des Sonnensystems

Beide zeigen unabhängig von der Flugrichtung des Kometen stets von der Sonne weg und können leicht mehrere Millionen Kilometer lang und damit zu einem beeindruckenden Anblick werden. Auf Bildern des Weltraumteleskops «Hubble» war Anfang Oktober ein deutlicher Staubschweif von Ison zu sehen. 

Kometen erlauben eine Art Archäologie des Sonnensystems. Sie stammen aus den fernen Aussenbezirken unseres Sonnensystems, wo die Ursprungsmaterialien unseres Systems aus seiner Entstehungszeit vor rund 4,6 Milliarden Jahren weitgehend unverändert eingefroren sind. Sollte der Komet zerbrechen, legt er den Astronomen sein Innerstes frei, das möglicherweise seit Jahrmilliarden unverändert geblieben ist.

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