23.06.2015 11:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Manuel Fischer, lid
Klima
Klimawandel betrifft auch Schweizer Landwirtschaft
Der bis zum Jahr 2050 und darüber hinaus projizierte Klimawandel birgt auch für die schweizerische Landwirtschaft zahlreiche Herausforderungen. Zentrale Punkte sind dabei eine ausreichende Wasserverfügbarkeit in der Vegetationsperiode und eine effiziente Wassernutzung.

An die Nutzung der Kulturlandschaft werden vielfältige Ansprüche gestellt. Land- und Forstwirtschaft, Trinkwassergewinnung und -schutz, Natur- und Gewässerschutz, Fischerei, Siedlungserweiterungen, Infrastrukturmassnahmen, Wirtschaft, Tourismus und Erholung konkurrieren um begrenzte Flächen.

Oft stehen sich diese Ansprüche diametral gegenüber. Jüngste Forschungsarbeiten zum Einfluss des Klimawandels auf die Beanspruchung von Wasser und Boden geben zur gut begründeten Vermutung Anlass, dass sich bestehende Nutzungskonflikte noch verschärfen könnten.

17 Prozent weniger Regen im Sommer

Deswegen müssen zukunftsfähige Kulturlandschaften geschaffen werden, in denen unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnisse im Einklang miteinander berücksichtigt werden können und in denen eine klimaangepasste Landnutzung längerfristig möglich sein wird. Die im Juli dieses Jahres erlebten Rekordniederschläge mögen den Blick auf die Zukunft verstellen.

Die Klimaforscher lassen sich aber von diesen Einzelereignissen nicht beirren. Der bis zum Jahr 2050 und darüber hinaus projizierte Klimawandel birgt für die Landwirtschaft zahlreiche Herausforderungen. Denn die von einem schweizerischen Forschungskonsortium publizierten Klimaszenarien erwarten eine Verschiebung der Niederschlagsmuster im Jahresverlauf: In den Monaten Juni bis August wird im Mittelland und im Jura bis zur Mitte des Jahrhunderts mit einer Abnahme der mittleren Sommerniederschlagsmenge von durchschnittlich rund 17 Prozent gerechnet.

Wasser muss effizient genutzt werden

Zentrale Punkte aus Sicht der pflanzlichen Produktion sind dabei eine ausreichende Wasserverfügbarkeit in der Vegetationsperiode und eine effiziente Wassernutzung. Das Risiko der Bodendegradation, der Übernutzung der Ressource Wasser, die Fragen nach einer nachhaltigen Betriebsführung, aber auch neue Krankheiten und Schädlinge sind Aspekte, die durch multidisziplinäre Forschungsarbeiten beleuchtet werden.

Die anspruchsvolle Anpassung der Kulturlandnutzung in mittleren Breiten durch den Klimawandel wird vielerorts in Europa zum Thema. Ein aktuelles Beispiel: unter dem Titel "Klimzug-Nord" veranlasste die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Deutschland) ein gross angelegtes Forschungsprojekt, um mögliche Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel zu untersuchen. Dabei wurden insbesondere die Wirkungszusammenhänge zwischen Witterung, Vegetation und Landnutzungsmustern in intensiven Agrarzonen entlang dem Unterlauf der Elbe erörtert und Lösungsstrategien vorgestellt.

Risiko für Obstproduktion

Ein Teil des durch Klimzug-Nord untersuchten Areals ist eines der grössten geschlossenen Obstanbaugebiete Europas, das so genannte "Alte Land" südwestlich von Hamburg. Aus längeren Beobachtungsreihen der örtlichen Obstbauversuchsanstalt seit 1975 kann man herleiten, dass die durchschnittliche Obstblüte pro Jahrzehnt um circa 5 Tage früher beginnt – bei steigenden Lufttemperaturen von 0,3 °C pro Jahrzehnt. Diese Trends haben direkte Auswirkungen auf den Obstbau.

Mit dem Beginn des verfrühten Vegetationsbeginns steigt das Risiko von Spätfrost zur Obstblüte. Zudem befürchten die Obstbauern der Region wirtschaftlich relevante Schäden durch eine verfrühte Bildung von Larven bereits bekannter Schädlinge (Apfelwickler) und die Ausbreitung neuer Schaderreger.

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