16.12.2019 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Künsch
Zürich
Kanton überdeckt Humus mit Kies
Im Auftrag der Fachstelle Naturschutz ALN wurde eine Wiese in Regensdorf ZH zur ökologischen Aufwertung mit rund 10000 m3 Kies zugeschüttet. Kostenpunkt: 450000 Franken. Beim Bauernverband stösst die Aktion auf massive Kritik.

«Hier wird Natur vorgängig zerstört, um angeblich nachträglich geschützt zu werden», kritisiert der Zürcher Bauernverband (ZBV) unter dem Präsidium von Hans Frei und Geschäftsführer Ferdi Hodel die Aktion der Fachstelle Naturschutz ALN. Hier werde sinnlos Geld verschwendet, gerade angesichts der kürzlich vom Zürcher Regierungsrat beantragten Aufstockung des Natur- und Heimatschutzfonds um 14 bis 34 Millionen sei diese Aktion äusserst fragwürdig. «An Absurdität nicht zu übertreffen», heisst es in der Mitteilung 

Was war passiert? Eine rund 1,65 Hektaren grosse kantonseigene Parzelle im zürcherischen Regensdorf wurde letzte Woche mit Vlies abgedeckt und mit 10000 m3 Kiesaufschüttung mit 1,3 Metern überdeckt. Die vormalige Kiesdeponie steht seit zwanzig Jahren unter Naturschutz und wurde seither extensiv genutzt.

Humus zugedeckt

Ziel dieser Massnahme der Baudirektion, Fachstelle Naturschutz, sei die ökologische Aufwertung des Bodens von einem Feucht- zu einem Trockenstandort. «Mit der Neugestaltung werden nährstoffarme, trockene Flächen geschaffen, die sich verhältnismässig rasch zu Magerwiesen entwickeln werden», äusserte sich die Leiterin Fachstelle Naturschutz ALN, Ursina Wiedmer, auf Anfrage. Der Humus habe nicht zur Wiederverwendung abgetragen werden können, da er chemisch kontaminiert sei.

Dem widerspricht ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel: «Neben der besagten Parzelle wird das Grundwasser zur Flächenbewässerung genutzt, so schlimm kann es also nicht sein.» Grundsätzlich stelle sich hier die Frage, wie mit Böden umgegangen werde. «Der während 20 Jahren bewirtschaftete Boden und der entstandene Humus wird unter dieser Schicht für immer zugedeckt.»  

20000 Tonnen Material

Die gesamten Baukosten bei rund tausend Lastwagenfahrten und 20000 Tonnen Material beziffert Ursina Wiedmer vom ALN auf 450000 Franken. Weitere, ähnlich gelagerte Aufwertungsaktionen schliesst Wiedmer auch künftig nicht aus. «Obwohl flächenmässig die meisten ökologischen Aufwertungen über die Extensivierung erfolgen, dieser Prozess aber sehr lange dauert und der Artenverlust rasch stattfindet, werden auch in Zukunft in sorgfältig abgewogenen Einzelfällen entsprechende Massnahmen notwendig sein.» Man dürfe nicht ausser Acht lassen, dass sich die Biodiversität auf einem tiefen Niveau befinde. 

Aus der Sicht der Landwirtschaft könne ein solcher Eingriff nicht eingeordnet werden, und mit Blick auf Natur und Klima sei er nicht nachvollziehbar, heisst es in einer Mitteilung des ZBV. Man darf gespannt sein auf die weiteren Wellenschläge dieser Aufwertungsaktion, zumal die SVP Zürich in einer Fraktionserklärung einen Fragenkatalog zur Detailklärung verlesen hat und die Frage in den Raum stellt, ob hier öffentliche Gelder richtig eingesetzt werden.  

 

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