9.06.2016 07:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Jägerpräsident wegen totem Fuchs unter Beschuss
Der Berner BDP-Nationalrat Lorenz Hess, Präsident des bernischen Jägerverbands, hat auf der Jagd einen angeschossenen Fuchs mit einem Zaunpfahl getötet. Ihm sei darum gegangen, dem Leiden des Tiers so rasch wie möglich ein Ende zu setzen, sagt Hess.

Die «Weltwoche» berichtete am Mittwoch in einer Medienmitteilung von diesem Vorfall und kündigte an, in ihrer Ausgabe vom Donnerstag näher darauf einzugehen. Ein Video belege den Vorfall. Jagdkenner und Tierschützer seien schockiert. Sie sprächen von einem Verstoss gegen Gesetz und Weidgerechtigkeit. Grundsätzlich sollten Wildtiere erschossen, nicht erschlagen werden.

Hess sagte am Mittwoch auf Anfrage, der Vorfall liege schon zwei oder drei Jahre zurück. Nicht er habe den Fuchs angeschossen. Als er auf das Tier gestossen sei, habe er zuerst gedacht, der Fuchs sei tot. Doch dann habe dieser sich noch ein bisschen geregt. In einem «Sekundenentscheid», so Hess, habe er beschlossen, mit einem Zaunpfahl dem Leiden des Tieres rasch ein Ende zu setzen, wie das für Jäger im Fall von schwer verletzten Tieren Pflicht sei. Möglicherweise habe er mehrmals zugeschlagen.

Sein Gewehr habe er deshalb nicht benutzt, weil er zuvor in einem Graben umgefallen sei und sich Erde im Gewehrlauf befunden habe. In einer solchen Situation das Gewehr zu benutzen, gehe nicht. Hess glaubt, keine Gesetze verletzt zu haben, und es laufe auch kein Verfahren gegen ihn. Er verweist auf einen Artikel in der letzten Ausgabe der Zeitschrift «Schweizer Jäger», in dem ein österreichischer Amtstierarzt und Autor auf Nottötung von Wild eingeht.

Darin heisst es, in der Schweiz gebe es keine konkreten Vorschriften zur Nottötung von Wildtieren. Prinzipiell seien gezielte Tötungs- oder Fangschüsse «das Mittel der Wahl». Andere Methoden, etwa ein Schnitt mit dem Messer, seien nur dann vorzunehmen, wenn ein Fangschuss nicht möglich sei. Oberstes Prinzip sei, dem Tier unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen.

Auf die Frage, wieso er denn selber das Leiden des Fuchses mit dem Zaunpfahl beendet habe und nicht ein anderer Jäger, sagt Lorenz Hess: «Eventuell hätte es einen anderen Jäger gegeben, wenn ich mich umgeschaut hätte.» Doch habe er eben in einem Sekundenentscheid gehandelt.

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