17.09.2015 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Marianne Voss
Zürich
«Innert weniger Minuten brannte alles»
Der Stall von Bauer Karl Häcki fing Feuer. Der Landwirt bemerkte den Stallbrand, und bis auf sechs Kühe konnte er alle Tiere retten. Doch bei der Rettung zog sich Häcki schwere Brandverletzungen zu.

Der rechte Arm ist mit einer Bandage geschützt. Bis diese Brandwunden verheilt seien, dauere es etwa ein Jahr, erklärt Landwirt Karl Häcki, der als Pächter den Betrieb der Familie Ober auf dem Seeboden in Hausen am Albis bewirtschaftet.

Sechs Kühe verbrannten

Die Nacht vom 27. auf den 28. Juli wird er wohl nie mehr vergessen. Was dort geschah, läuft nachts, wenn er nicht schlafen kann, immer wieder vor seinem inneren Auge ab. «Nach Mitternacht hörte ich es prasseln und dachte erst, es hagle, dabei war ja schönes Wetter. Als ich rausging, brannte ein Teil des Stalls schon lichterloh.»

Während er die Feuerwehr alarmierte, rannte er in den Stall und öffnete die Tore. Bis auf 6 Kühe brachte er alles Vieh – rund 70 Milchkühe und aus dem angrenzenden Gebäude die Galtkühe – rechtzeitig ins Freie. Beim Rettungsversuch dieser 6 Tiere riskierte er fast zu viel. Die Hitze im Stall war so gewaltig, dass er sich am Arm und am Kopf schwere Verbrennungen zuzog und sich nur noch mit Mühe aus dem brennenden Gebäude schleppen konnte.

"Glück im Unglück"

Bis die Feuerwehr anrückte, war schon nichts mehr zu retten. «Innert weniger Minuten brannte einfach alles. Der Heustock, die Maschinen, das ganze Gebäude samt Melkroboter. Das Dach explodierte mehrmals. Ich hätte nie gedacht, dass ein Feuer dermassen schnell so viel Gewalt entwickeln kann.»

Die Feuerwehr war die ganze Nacht mit 150 Personen im Einsatz. Es galt nun, die andern Gebäude der Siedlung zu halten, was auch gelang. «Ich hatte Glück im Unglück», betont der Landwirt. «Es hätte alles viel schlimmer ausgehen können. Ich sah schon das Wohnhaus und den alten Stall auch in Flammen aufgehen.»

Grosse Solidarität

Er selber ist nun auf dem Weg der Besserung. Einen Tag nach dem Brand wurde er im Unispital operiert. Die Wunden am Kopf sind schon gut verheilt, der verbrannte Arm «akzeptiert» die transplantierte Haut von seinem Bein. Inzwischen ist auch klar, dass der Grund für den Brand in einem technischen Defekt liegen muss und kein menschliches Verschulden vorliegt.

Als Karl Häcki in jener Nacht im Universitätsspital Zürich notbehandelt wurde, hatte er nur einen Gedanken im Kopf: «Die Kühe, sie müssen gemolken werden!» Er bearbeitete die Ärzte, ihn vor der Operation nochmals heimzulassen. «Als ich dann um sieben Uhr früh wieder zurückkam, hatten meine Bauernkollegen das Vieh schon in Weiden gebracht. Innert einer Stunde war eine provisorische Melkanlage installiert. Alle halfen mit, die 70 Kühe zu melken.

"Gute Versicherung extrem wichtig"

«Am Mittag waren wir fertig.» Zwei Bauern hatten auch bereits die Platzierung der Tiere organisiert. Sie sind nun in zehn verschiedenen Betrieben untergebracht. «Die Solidarität und die Hilfsbereitschaft, die ich vonseiten meiner Berufskollegen erleben durfte, haben mir viel Kraft gegeben.»

Was er seinen Kollegen unbedingt sagen möchte: «Es ist extrem wichtig, eine gute Versicherung abzuschliessen. Wenn die Ertragsausfälle und die Aufräumarbeiten nicht gedeckt sind, könnte einem so ein Brand das Genick brechen.» Die 1000 Kubikmeter Heu zum Beispiel seien als Sondermüll entsorgt worden, eine teure Sache. Bis in einem Jahr, hofft Karl Häcki, können seine Kühe wieder heimkommen und in einen neuen Stall einziehen.

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