28.10.2014 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Zürich
«Ich spreche nie mit meinen Kürbissen»
1054 kg wiegt der Weltmeisterkürbis von Beni Meier aus Pfungen ZH. Gewachsen ist er in einem Folientunnel auf Komposterde, aber ohne gutes Zureden. Beni Meier ist ein Kürbisprofi, kein Kürbisflüsterer.

1054 kg, mehr als eine Tonne, wog der Kürbis von Beni Meier aus Pfungen. Diese Zahl zeigte die Waage am 12. Oktober in Ludwigsburg (D) anlässlich der Europameisterschaft im Kürbiswiegen an. Die 1054kg bedeuteten einen neuen  Europa- und auch den Weltrekord, der bislang immer in den Händen der Amerikaner lag.

Drei Pflanzen im Tunnel

Doch wie kultiviert man einen Tonnenkürbis mit einem Umfang von 5,72m? Wenn einer das wissen muss, dann Beni Meier. Schliesslich zieht der mehrfache Schweizer und Europameister im Kürbiswiegen jedes Jahr Kürbisse, die an der Tonnengrenze ritzen. Dieses Jahr waren es drei, die er aus dem Gewächshaus neben der Familiengärtnerei in Neftenbach ZH schleppte.

Dort, im Folientunnel, hat das Unterfangen Weltmeisterkürbis  angefangen. «Ich säe jedes Jahr Mitte April 20 Samen in Töpfe aus», erzählt Meier. «Anfang Mai wähle ich die drei stärksten Pflanzen aus und setze sie in einen eigens dafür gebauten Folientunnel in Komposterde.» Der Kompost stammt aus der Gärtnerei, Mist verwendet der Kürbisprofi keinen. Dafür erhalten die Planzen ausreichend Platz, können sich auf je 80 m2  ausbreiten. Eine Heizung haben sie nicht, und auch Pflanzenschutzmittel setzt der Gärtner zurückhaltend ein.

Stress minimieren

Dafür hat Meier die Belüftung im Tunnel und die Bewässerung mit Überkopfberegnung und Tropfschläuchen perfektioniert. «Die Blätter dürfen am Abend nicht benetzt werden, und die Temperatur darf weder zu hoch noch zu tief liegen, das beugt Krankheiten wie dem Echten Mehltau vor», so seine Erfahrung. «Durch das Klima kann man extrem viel herausholen und den Stress für die Pflanzen minimieren.» Stress können die Kürbisse tatsächlich nicht brauchen, schliesslich müssen sie wie Kampfsportler möglichst viel Gewicht zulegen. Das im Unterschied zu manchem Kampfsportler aber ohne Doping – und auch ohne gutes Zureden. «Ich spreche nie mit meinen Kürbissen», beteuert Meier, «und ich habe auch keine Geheimmittel. Ich setze lediglich ein Bakterienpräparat und Mykhorrizapilze ein, die die Pflanzengesundheit positiv beeinflussen.»

Samen können hunderte Dollar kosten

Zentral für den Erfolg ist dafür der richtige Samen. Nach den Ausstellungen werden die Kürbisse «geschlachtet» und die Samen getrocknet. Die Züchter tauschen sie untereinander aus, es gibt aber auch Auktionen, an denen für einen Samen mehrere Hundert Dollar bezahlt werden. Meier als amtierender Weltmeister hat keine Beschaffungsprobleme mehr – im Gegenteil, mittlerweile fragen alle nach seinen Samen. Ob er selber 2015 auch Saatgut von seinem Rekordkürbis aussät, weiss er noch nicht: «Dazu muss ich es zuerst sehen.»

Bei der Saatgutauswahl setzt der Kürbiszüchter auf seine Erfahrung, die er sich angeeignet hat, seit er im Jahr 2000 den ersten Riesenkürbis erntete. 83kg wog dieser. «Damals war das sensationell», erinnert sich Meier. Erstmals an einem Wettkampf nahm er einige Jahre später mit einem 300-kg-Exemplar teil. Seither sind die Gewichte gestiegen, bis zum Höhepunkt dieses Jahr, als er neben dem 1054-kg-Weltmeisterkürbis mit den anderen beiden 951 und 953,5kg schweren Kürbissen noch zweimal den Europarekord brach.

«Dass alle drei Kürbisse so schwer werden, ist nicht normal», betont er, «letztes Jahr faulte einer, einer bekam eine weiche Stelle in der Schale und der dritte wurde zwar schwer, aber wegen eines Lochs in der Schale wurde er nicht als Europameister gewertet.»

Mit dem Hoflader

Glück hatte Meier dieses Jahr nicht nur mit den Pflanzen, sondern auch mit der Reihenfolge der Ernte, schliesslich hat er sich den schwersten Brocken für die Weltmeisterschaft aufgehoben. «Der Entscheid, wann ich welchen Kürbis abschneide, ist nicht einfach», findet er. «Man sieht nicht, wenn er reif ist. Als Faustregel gilt einzig, dass es vom Bestäuben bis zur Ernte 100 Tage dauert.»

Ist der Entscheid gefallen, schneidet Meier den Kürbis mit einem normalen Stecklingsmesser ab und transportiert ihn an Seilen mit einem Hoflader aus dem Tunnel. «Mit dem Gabelstapler kann ich nicht in den Tunnel, dazu ist der Boden zu wenig tragfähig», lautet die Begründung für die   Prozedur. Schliesslich soll der Boden auch 2015 noch fruchtbar sein, denn, so Meier: «Nächstes Jahr möchte ich einmal einen wirklich grossen Kürbis.»

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