22.11.2018 09:51
Quelle: schweizerbauer.ch - ber, mgt
Wald
Hier kommt die Wald-Knigge
Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft für den Wald haben 20 schweizerische Organisationen zehn Tipps für einen respektvollen Waldbesuch erarbeitet. Die Waldbesuchenden werden mit einem Augenzwinkern aufgefordert, ein paar einfache Hinweise zu beachten, damit es dem Wald und uns allen gut geht.

Immer mehr Menschen gehen in den Wald um sich zu erholen. Dabei treffen ganz unterschied¬liche Ansichten aufeinander. Zwischen Waldbesuchenden und dem Ökosystem, zwischen Waldbesuchenden untereinander sowie zwischen Waldbesu¬chenden und Waldeigentümer¬schaft kann es zu Konflikten kommen.

Die Arbeitsgemeinschaft für den Wald (AfW) ist überzeugt, dass viele dieser Konflikte mit einfa¬chen Verhaltens-Tipps entschärft werden können. Deshalb hat sie gemeinsam mit 20 nationalen Organisationen einen Wald-Knigge für den respektvollen Waldbesuch erarbeitet.

Respekt als Grundsatz

Der Zutritt zum Wald ist mit wenigen Einschränkungen frei, erfordert aber unseren Respekt als Gast», sagt Regina Wollenmann, Präsidentin der AfW. «Der Wald ist Erholungs- und Erlebnisraum für uns Menschen, aber auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.

Auf dieser Grundhaltung basiert der Wald-Knigge.» Zuoberst steht der Respekt. Respekt gegenüber den Pflanzen und Tieren im Wald, gegenüber den Waldbesitzer/-innen und gegenüber anderen Waldbesucher/-innen. Die einzelnen Verhaltens-Tipps gehen hingegen ganz konkret auf einzelne Themen und Probleme ein.

Von A wie Abfall bis Z wie Zapfen

In den ersten beiden Tipps geht es um allgemeine Bestimmungen wie das Fahrverbot im Wald. Der dritte Punkt weist die Waldbesuchenden darauf hin, auf den Wegen zu bleiben, damit Pflanzen und Tiere nicht unnötig gestört werden. Es folgen Hinweise zum Umgang mit Abfall, zur Forstarbeit, zu den Gefahren im Wald, zum Ausführen von Hunden und zum Sammeln.

Der Wald-Knigge schliesst mit einem Thema, das vielen Waldbesuchenden (noch) zu wenig bewusst ist. Immer mehr Leute gehen auch in der Dämmerung und nachts in den Wald. Doch besonders in der Dämmerung und nachts sind viele Tiere auf den Wald als ungestörten Lebensraum angewiesen.

Cartoons von Max Spring

«Alle Verhaltens-Tipps sind positiv formuliert. Weil wir nicht mit dem Zeigefinger auf die Waldbesuchenden zeigen wollen, sondern durchaus mit einem Augenzwinkern mit dem Wald-Knigge zu einem friedlichen Nebeneinander beitragen», sagt Regina Wollenmann und nimmt damit Bezug auf die Cartoons, die im unverkennbaren Stil von Max Spring humorvoll zugespitzt gezeichnet wurden.

20 nationale Organisationen dabei

«Es ist grossartig, dass so viele Organisationen mit so unterschiedlichen Interessen beim Wald-Knigge mitmachen!», freut sich Regina Wollenmann im Namen aller Beteiligten. Die 20 Trägerorganisationen decken ein breites Spektrum von Interessen ab.

Von den Waldeigentümern und dem Forstpersonal über die Umwelt- und Bildungsorganisationen bis zu den Sportverbänden, Pilzfans und Jägern sind alle Bereiche vertreten. «Nun zählen wir auf die Organisationen: Es ist nun an ihnen, für eine möglichst gute Verbreitung und Bekanntmachung zu sorgen», so Regina Wollenmann.

Erste Auflage von 210 000 Flyern

Den Wald-Knigge gibt es in deutscher und französischer Sprache. In einer ersten Auflage werden 150 000 deutsche und 60 000 französische Flyer gedruckt und verteilt. «Dank der breiten Trägerschaft rechnen wir damit, dass der Wald-Knigge bald allen Waldbesuchenden ein Begriff ist und dass die Tipps zu einer Art Verhaltenskodex im Wald führen», sagt Regina Wollenmann.

Willkommen im Wald! 

Ein Knigge für den respektvollen Waldbesuch

• Wir respektieren Pflanzen und Tiere, denn der Wald ist ihr Zuhause.

• Wir respektieren fremdes Eigentum, denn jeder Wald hat eine Besitzerin oder einen Besitzer.

• Wir respektieren einander, denn alle sollen den Wald auf ihre persönliche Art erleben dürfen

Wir sind als Gast willkommen.

Als Waldbesucherinnen und -besucher sind wir im Wald willkommen, je nach Ort und Zeit gelten 

aber zweckmässige Bestimmungen zum Beispiel bezüglich Naturschutz und Waldbrandgefahr. Wir befolgen sie.

Wir geniessen die Ruhe und Langsamkeit.

Im Wald gilt ein generelles Fahrverbot für Motorfahrzeuge. Für Fahrräder und Pferde gelten je nach Kanton unterschiedliche Bestimmungen. Wir halten uns daran.

Wir bleiben auf den Wegen.

Der Wald ist Lebensraum von Pflanzen und Tieren. Um diese nicht zu stören, nutzen wir die beste¬henden Wege.

Wir beschädigen und hinterlassen nichts.

Der Wald mitsamt Bänken und anderen Einrichtungen sind fremdes Eigentum. Wir hinterlassen im Wald keinen Abfall und verletzen keine Bäume.

Wir fragen nach, bevor wir etwas installieren.

Grundsätzlich dürfen im Wald keine Bauten errichtet werden. Hütten, Ast-Sofas, Schanzen, Kurven und andere bleibende Einrichtungen dürfen nur mit Erlaubnis erstellt werden. Wir kontaktieren den Förster / die Försterin und die Waldeigentümerschaft.

Wir achten auf die Forstarbeit.

Waldpflege und -bewirtschaftung können Gefahren für Profis und Waldbesuchende bergen. Wir halten uns zwingend an Anweisungen und Absperrungen – auch am Wochenende.

Wir sind uns der Gefahren in der Natur bewusst.

Der Wald ist lebendige Natur. Wir hüten uns eigenverantwortlich vor möglichen Gefahren wie herun¬terfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen. Bei Gewitter und Sturm gehen wir nicht in den Wald.

Wir halten Hunde unter Kontrolle.

Die Anwesenheit von Hunden bedeutet Stress und Gefahr für Wildtiere; deshalb gilt während der Brut- und Setzzeit meistenorts die Leinenpflicht. Wir riskieren nichts. Die Leine hilft jederzeit.

Wir sammeln und pflu¨cken mit Mass.

Das Gesetz erlaubt das Sammeln von nicht geschützten Pflanzen, Pilzen, Früchten aber auch Ästen, Zapfen oder Nüssen im ortsüblichen Umfang. Wir beachten lokale Vorschriften und halten Mass.

Wir respektieren die Nachtruhe im Wald.

Besonders in der Dämmerung und nachts sind viele Tiere auf den Wald als ungestörten Lebens¬raum angewiesen. Wir verbleiben auf den Wegen und vermeiden Lärm und störendes Licht.


Die Trägerorganisationen

• ArboCityNet

• BirdLife Schweiz

• Erbinat – Verband Erlebnis und Bildung in der Natur

• Fachverein Wald SIA

• Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL)

• Institut für Landschaft und Freiraum (ILF), 

HSR Rapperswil

• JagdSchweiz

• Pro Natura Schweiz

• ProSilvaSchweiz

• SchweizMobil

• Schweizerischer Forstverein (SFV)

• Schweizerischer Verband für Pferdesport (SVPS)

• Schweizer Wanderwege

• Stiftung SILVIVA

• Swiss Cycling

• Swiss Rangers

• Verband Schweizer Forstpersonal

• Verband Schweizerischer Vereine für Pilzkunde (VSVP)

• WaldSchweiz

• WWF Schweiz

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