22.01.2013 17:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Hanfdieb erschossen - Bauer erhält bedingte Freiheitsstrafe
Der Bauer aus dem bernischen Schwarzenburgerland, der vor gut zwei Jahren einen mutmasslichen Hanfdieb erschossen hat, muss nicht ins Gefängnis. Das Regionalgericht Bern-Mittelland hat ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.

Die Probezeit beträgt zwei Jahre, wie der Gerichtspräsident am Dienstag bei der Urteilsverkündung in Bern sagte. Das Gericht sprach den Bauern des Totschlags schuldig.

Bauer gab Warnschuss ab

Das Drama hatte sich in der Nacht auf den 21. Dezember 2010 ereignet. Drei Männer versuchten auf dem abgelegenen Hof des Bauern Hanf zu stehlen. Die Überwachungsanlage löste aber beim Besitzer einen Alarm aus. Der Bauer stand sogleich auf und griff zum Gewehr.

Als der heute 50-Jährige nachschauen wollte, stellte er fest, dass jemand von aussen die Haustür versperrt hatte. Auch hörte er Schritte oben auf der Laube. Der Landwirt ging in die Küche, öffnete das Fenster und gab einen Warnschuss in Richtung Wald ab.

Geübter Schütze

Danach kamen einige faustgrosse Steine geflogen. Plötzlich sah der Landwirt, ein geübter Schütze, wie draussen in der Dunkelheit ein Mann davonrannte. Der Bauer drückte nochmals ab.

Die Untersuchungen ergaben, dass der Landwirt aus einer Distanz von rund 25 Metern einen gezielten Schuss auf einen der Flüchtenden abgegeben hatte. Der 32-jährige Mann wurde am Rücken getroffen und erlitt tödliche Verletzungen.

Untersuchungshaft als Erlösung

Der eigentliche Sachverhalt sei unbestritten, sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilsbegründung. Der Bauer ist geständig und bereut die Tat. Bei der Strafzumessung spielte nun unter anderem die Frage nach der Gemütsbewegung des Beschuldigten eine Rolle.

Demnach war über längere Zeit ein psychischer Druck beim Bauern entstanden. Wegen des legalen Hanffelds häuften sich die Einbruch- und Diebstahlversuche, wobei die Eindringlinge immer dreister wurden.

Ein Überfall auf die Tochter setzte dem Bauern, der wegen dieser Situation unter Herzrasen und Schlafstörungen litt, zusätzlich zu. Der Mann gab schliesslich zu Protokoll, dass die Untersuchungshaft Druck von ihm genommen und er diese fast als Erlösung empfunden habe.

Handlungsspielraum eingeschränkt

Als es zum verhängnisvollen Schuss kam, sei es also nicht nur um den Schutz des Eigentums gegangen, führte der Gerichtspräsident aus. Der Landwirt wollte auch sich selbst schützen.

Dabei war sein Handlungsspielraum eingeschränkt. Mitten in der Nacht war der nächste Polizeiposten unbesetzt, und beim abgelegenen Hof gab es keine Nachbarn, die der Bauer hätte alarmieren können.

Allerdings hätte er nach dem ersten Schuss die Situation beobachten können, statt auf den flüchtenden Eindringling zu schiessen, befand das Gericht. Die versperrte Haustür, die Steinwürfe und die kurze Distanz zu den Eindringlingen verschärften indes die Situation.

Problematische Sichtverhältnisse

Problematisch waren damals auch die Sichtverhältnisse. Zwar gab es Vollmond, doch fehlte an der fraglichen Seite des Hauses eine Aussenbeleuchtung. Ausserdem rannte der Eindringling auf einer Naturstrasse weg, die eine leicht abfallende Biegung aufwies.

Der Bauer, der heute keinen Hanf mehr anpflanzt, wurde ausserdem wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz für schuldig erklärt. Allerdings fiel dieser Aspekt kaum ins Gewicht. Dazu kam es nicht wegen des Hanffelds beim Hof, sondern weil der Bauer in seinem Garten und auf dem Balkon seines Hauses ebenfalls Hanfpflanzen anbaute, diese verarbeitete und an Dritte weitergab.

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