18.12.2012 13:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Martina Keller-Ullrich, sda
Winter
Grüne Weihnachten in Sicht - Winter soll mild werden
Kommt er oder kommt er nicht - der Schnee zu Weihnachten? Nachdem die ersten Flocken in diesem Jahr schon Ende Oktober und dann Anfang Dezember bereits Hoffnungen geweckt haben, rechnen die Meteorologen für Heiligabend mit wechselhaftem Wetter und eher milden Temperaturen.

«Schnee im Flachland gibt es ziemlich sicher nicht», sagte Marco Stoll, Prognostiker bei MeteoSchweiz gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Mit einem Warmlufteinbruch am Sonntag könne die Schneefallgrenze vorübergehend bis auf 2000 Meter steigen. Über die Feiertage werde sie bei 700 bis 1200 Meter liegen.

Schnee gehört zur Vorstellung von Weihnachten wie Geschenke unterm Christbaum. Doch ein Blick in die Statistik zeigt, dass weisse Weihnachten im Schweizer Mittelland keineswegs die Regel sind. So lag in Bern in den vergangenen 80 Jahren nur in 43 Prozent der Jahre an einem Weihnachtstag Schnee, in Zürich waren es 44 Prozent. Schnee an allen drei Weihnachtstagen gab es in Bern lediglich in 26 Prozent und in Zürich in 25 Prozent der Jahre.

Nach dem Hoch schlägt ein Tief zurück

Typisch dagegen ist das Weihnachtstauwetter, das in sieben von zehn Jahren auftritt. Dieses Jahr kam es fast lehrbuchmässig, allerdings eine Woche zu früh, sagte Felix Blumer von SRF Meteo. Grund für das Tauwetter sind physikalische Gesetzmässigkeiten und nicht eine Laune von Petrus.

Denn in der ersten und zweiten Dezemberdekade liegt häufig ein Hoch über dem Kontinent und in dessen Folge gelangt Kaltluft in unsere Breiten. Sehr kalte Luft aus Nordosten strömt dann hinaus auf den Atlantik und bildet mit der milden und feuchten Meeresluft der Azoren ein Tiefdrucksystem. Dies wiederum führt sehr milde Luft von Süden in den Alpenraum, und im Norden stellt sich zeitweise Föhn ein: Die weisse Pracht verschwindet.

Dauerthema weisse Weihnacht

Das Thema weisse Weihnachten ist übrigens ein Dauerbrenner. So findet sich in Witterungsaufzeichnungen der Jahre 1911 bis 1914 aus dem Kanton Luzern folgende Bemerkung: «Echte Winterkälte und Schneeherrschaft sind dem Christmonat seit einigen Jahren fast unbekannte Dinge geworden. Kein Weihnachtsgedicht, das von Kälte und Schnee redet, wollte mehr passen. Hörte ich doch jemanden sagen: 'Heute wird Weihnachten im Freien gefeiert; im Garten draussen muss das Bäumchen brennen, und dort singen wir unsere Lieder und deklamieren die Gedichte'.»

Abnahme der Schneemenge

Die Klimagrösse Schnee reagiert sehr empfindlich auf langfristige Änderungen der winterlichen Temperatur- und Niederschlagsbedingungen. Die Messdaten der Schweiz belegen in tieferen Lagen eine Abnahme der Schneemengen und der Schneehäufigkeit im Zusammenhang mit den starken klimatischen Änderungen gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Wie sich der Klimawandel tatsächlich auf die Winter in Mitteleuropa auswirkt ist eine komplizierte Frage. Denn steigende globale Durchschnittstemperaturen führen nicht zwangsläufig zu höheren Temperaturen und weniger Schnee.

Einzelne Modelle der Klimaforscher gehen sogar von vermehrt kälteren Wintern in unseren Breiten aus. Denn durch die globale Erwärmung schmilzt das Eis in der Arktis immer schneller. Wird jedoch die Arktis wärmer nimmt damit der Westwind ab, der im Winter milde und feuchte Atlantikluft zu uns bringt. Als Folge davon strömt  häufiger kalte Luft aus Norden und Osten zu uns.

Langzeitprognose im Winter besonders schwierig

Langfristige Wettervorhersagen sind schwierig, denn die Atmosphäre ist ein hoch-chaotisches System, in dem sich kleinste Störungen rasch ausbreiten können. Bei Prognosen für mehrere Monate sprechen Meteorologen daher auch nicht von einzelnen  Wetterereignissen sondern vom mittleren Wettergeschehen, also vom Klima.

Dieses wird von einer ganzen Reihe äusserer Faktoren beeinflusst, etwa der Feuchtigkeit im Boden, der Schneebedeckung oder dem Zustand der Ozeane. Für saisonale Vorhersagen nutzen Meteorologen ein komplexes Berechnungsmodell in das Messungen von Satelliten, Bojen, Flugzeugen und Bodenstationen einfliessen.

Schwierig ist vor allem die Prognose für Herbst und Winter, die bislang nur eine Zuverlässigkeit von 55 Prozent erreicht. Mit einfachem Raten wären es 50 Prozent. Die saisonale Prognostik ist ein sehr junges Forschungsgebiet, auf dem zurzeit intensiv gearbeitet wird. In Zukunft rechnen die Meteorologen daher mit weiteren Verbesserungen.

Für die Nord- und Ostschweiz zeichnet sich für diesen Winter eine Tendenz zu normalen bis milden Temperaturen ab. Ein kalter Winter erscheint weniger wahrscheinlich. Diese Prognose bezieht sich jedoch nur auf Durchschnittswerte der Temperatur des ganzen Winters, sagte Stephan Bader von MeteoSchweiz.

Ob während des Winters spezielle Kalt- oder Warmphasen auftreten, wird damit nicht erfasst. So lag beispielsweise der vergangene Winter im Durchschnitt, der Februar war jedoch der kälteste seit mehr als 20 Jahren.

www.schweizerbauer.ch/wetter

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