25.03.2015 14:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gletscher
Gletscher geht - Leben kommt
Immer mehr Gletscher ziehen sich zurück. Wie sich Leben auf den Geröllwüsten ansiedelt, untersuchen Forschende seit Jahren am Dammagletscher in den Urner Alpen. Welche Mikroben als erste gedeihen und den anderen Lebewesen den Weg bahnen, zeigt nun eine neue Studie auf.

Ein Team um Beat Frey von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf (ZH) hat erstmals mittels Erbgutanalysen das gesamte Artenspektrum an Bakterien, Pilzen und Algen im Boden eines Gletschervorfelds analysiert.

«Schon nach wenigen eisfreien Jahren siedelt dort eine enorme Vielfalt an Mikroorganismen», sagte Frey in einer Mitteilung des Instituts vom Mittwoch. Zwischen 1000 und 1300 Arten haben die Forschenden in 144 Bodenproben gefunden, berichten sie im Fachjournal «Molecular Ecology».

Dort, wo vor kurzem noch Eis war, fehlen Kohlen- und Stickstoff fast vollständig. Doch die ersten Pioniere, Cyanobakterien und Grünalgen, holen sich den benötigten Kohlen- und Stickstoff aus der Luft und aus dem geschmolzenen Gletschereis. Mit Hilfe von Sonnenlicht produzieren sie organisches Material. Sterben diese Organismen, reichern die Nährstoffe den Boden an.

Klebrige Fäden

Die Pioniere trotzen zudem extremen Temperaturschwankungen, hoher UV-Strahlung und überstehen Trockenperioden mit Hilfe klebriger Fäden, die Wasser zurückhalten. Auf sie folgen weitere Mikroorganismen, die den im Boden gespeicherten Kohlen- und Stickstoff als Nahrungs- und Energiequelle nutzen.

Wie die Besiedlung weiter geht, zeigt ein Blick in Richtung Tal: Zuerst besiedeln Moose und Flechten das ehemals vereiste Tal, dann Kräuter und Sträucher und schliesslich nach über 100 Jahren auch ausgewachsene Bäume. Dieser Einblick in die Entstehung neuer Ökosysteme macht das Feld unterhalb des Dammagletschers zum perfekten Freiluftlabor, sagte Frey. «Es ist eines der am intensivsten beobachteten Gletschervorfelder in den Alpen.»

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