29.06.2017 17:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zürich
Geldstrafe für Mist-Auskippen
Ein junger Mann hat an einer Störaktion gegen Pflanzenzüchter in der ETH Zürich teilgenommen, bei der Mist und Urin im Hörsaal ausgekippt worden sind. Dies hat das Bezirksgericht Zürich am Donnerstag befunden. Es verurteilte den mutmasslichen Ökoaktivisten zu einer bedingten Geldstrafe.

Weil Vermummte das Auditorium Maximum der ETH gestürmt, Wände versprayt und tierische Exkremente auf den Teppichboden gekippt hatten, wurde eine Veranstaltung im Rahmen eines Pflanzenzüchterkongresses unterbrochen und später in einem anderen Raum fortgesetzt. Ereignet hat sich der Vorfall im vergangenen August.

16'500 Franken Schaden

Am Donnerstag stand ein 26-jähriger Mann aus La Chaux-de-Fonds vor dem Zürcher Bezirksgericht. Er war einer von zwei Personen, die auf der Flucht nach der Störaktion festgehalten werden konnten. Dabei hatte er einem Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb Anklage gegen ihn erhoben wegen Sachbeschädigung, Nötigung und einfacher Körperverletzung.

Im Hörsaal musste eine Holzwand abgeschliffen werden, um die Sprayereien zu entfernen. Der Teppich musste ersetzt werden. Insgesamt stellte die ETH eine Schadenersatzforderung von etwas über 16'500 Franken. Der junge Mann aus der Romandie machte vor Gericht keine Aussage. Weder zu seinem Beruf, seinem Aufenthaltsort noch zu den Geschehnissen am fraglichen Tag machte er Angaben. Sein Verteidiger erklärte, sein Mandant sei nicht an den Vorfällen beteiligt gewesen.

Nur ein Tourist

Er sei zusammen mit Kollegen als Tourist nach Zürich gereist. Die Kollegen seien Anarchisten, führte der Verteidiger aus, jeder sei für sich selbst verantwortlich und sie hätten seinen Mandanten nicht in ihre Pläne eingeweiht. So habe er vor der ETH auf sie gewartet. Als sie herausgerannt kamen, sei er mitgerannt, um sie nicht zu verlieren.

Es sei undenkbar, dass sein Mandant, der Kontaktlinsen trage, an einer Aktion teilnehme, bei der Sprühfarbe versprayt und Exkremente verspritzt würden: Zu hoch sei die Gefahr einer Augenentzündung. Den Zeugen habe er geschlagen, weil dieser einen seiner Kollegen angegriffen habe. Der Verteidiger verlangte eine Bestrafung für die Tätlichkeit und eine Genugtuung für die 17 Tage Untersuchungshaft.

Solidarische Haftung

Die Richterin hingegen stützte sich in ihrem Urteil auf die Untersuchungsergebnisse und die Zeugenaussagen. Sie sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte an der Störaktion teilgenommen hat. Sie erhöhte die von der Staatsanwaltschaft geforderte bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Franken um 30 auf 180 Tagessätze. Die Untersuchungshaft wird angerechnet.

Der Beschuldigte muss in solidarischer Haftung für den Schadenersatz von 16'500 Franken aufkommen - die genaue Anzahl der an dem Vorfall beteiligten Aktivisten ist unbekannt. Das Verschulden des Mannes sei erheblich und die kriminelle Energie gross, erklärte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Der Einsatz von Exkrementen sei rein egoistischer Natur gewesen, weil man auch ohne solche Taten gegen etwas protestieren könne. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann an die nächste Instanz weitergezogen werden.

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