10.05.2016 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Franz Bamert, LID
Beziehungen
Für immer und ewig
Bauernehepaar Angela und Urs Heinrich leben in einer Art Paradies. Aber das erschaffen sie sich täglich mit viel Arbeit, guten Ideen, mit Offenheit und Gastfreundschaft neu. Und sie glauben an die Zukunft.

In der Luft liegt ein Hauch von Frühling und alles ist friedlich auf dem 40 Hektaren-Biohof Plaschair in Bergün GR. Mutterkühe, Ziegen, Pferde und sogar die Katzen nehmen ein Sonnenbad, nur der Gänserich tobt herum, als würde es ihm oder seinen Gänsen ans Leder gehen. Kein Wunder sagen Angela (39) und Urs (39) Heinrich: „Wenn es nach uns ginge, könnte alles immer so bleiben und ewig dauern.”

Bergauf

Doch nichts bleibt wie es war, sonst gäbe es diese Idylle auch nicht, die sich die Familie mit ihren Zwillingen Lena und Fiona (10) geschaffen haben. Den ersten Pachtstall mussten sie innerhalb eines Jahres aufgeben und sie standen vor dem Nichts. „Kein eigenes Land, keine Perspektive – nur ein grosses, schwarzes Loch”, sagt Urs Heinrich. Die beiden suchten schon einen Job ausserhalb der Landwirtschaft. Doch dem Tüchtigen steht das Glück bei. Dieses Glück klopfte in Person eines Bauern an die Türe, der seinen Betrieb aufgeben musste. Von da an ging es bergauf: „Urs ist gelernter Zimmermann”, sagt die Bäuerin. „Er hat Tag und Nacht gekrampft und aus dem alten Stall ein neues Wohnhaus gemacht.”

 Als die Bäuerin den Raum verlässt, sagt der Bauer über sie: „Auch Angela hat gekrampft wie eine Verrückte, sonst wären wir nicht das, was wir jetzt sind – leidenschaftliche Bio-Bauern.” Bio-Bauern, die ständig neue Ideen entwickeln. Die beiden haben nicht nur einen Hofladen und ein Direktvermarktungsnetz, sie erfanden auch „Rent-a-gaiss”: 10 kastrierte, unglaublich zutrauliche Ziegenböcke, die mit Touristen in und um Bergün unterwegs sind. „Als wir damit anfingen, wurden wir überrannt”, erklärt Angela. „Das Deutsche Fernsehen war da, die NZZ, die Leute von Schweiz Tourismus und viele mehr.”

Brücken bauen

Die Heinrichs investieren viel Zeit in den Umgang mit ihren Mutterkühen und es fällt auf, wie zutraulich diese sind. Eigentlich ein Detail, aber es sagt viel über die Haltung der Familie aus, die sich als Brückenbauer zwischen Berg und Tal, Stadt und Land versteht: „Wir müssen Politiker und die Nicht-Bauern davon überzeugen, dass es uns braucht.” Die Heinrichs machen das durch ihre Offenheit, aber auch dadurch, dass sie Blumenwiesen auch mal länger stehen lassen, als sie müssten. Oder eben auch dadurch, dass sich die Besucher nicht vor den Kühen fürchten müssen. Übrigens: Die derzeit älteste Kuh ist inzwischen 17-jährig und braucht Pflege. „Aber sie hat uns so lange ihr Bestes gegeben, darum pflege ich sie jetzt auch gerne”, sagt Angela und fügt bei: „Das hat mit Respekt und Dankbarkeit zu tun.”

Weniger ist mehr

Durch den Direktverkauf, die Ziegen, den Hofladen und weil sie einfach ein offenes Haus haben, geraten die Heinrichs aber auch an ihre Grenzen. „Hinter all diesen Aktivitäten steckt viel Aufwand und noch mehr Zeit”, sagt Urs. Zeit, die für die Familie und auch für die Tiere fehlt. Die Ziegen-Wanderungen werden darum in Zukunft vom lokalen Reka-Dorf betreut. Vor allem Angela sprüht vor weiteren Ideen – Ochsenreiten etwa oder Reitstunden geben. Doch die beiden überlegen sich das sehr gut und Urs meint: „Natürlich muss man immer offen sein für Neues. Aber weniger ist manchmal mehr.”

 www.hof-plaschair.ch

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