11.02.2018 13:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz
Feuer
Fluchtwege müssen klar sein
Bei Bränden geht es hektisch zu. Es lohnt sich, im Voraus zu überlegen, was zu tun ist, und einige Vorkehrungen zu treffen.

«Es gibt keinen Brand nach Schema F», antwortet Josef Gall auf die Frage, wie der Landwirt sich bei einem Brand im Stall verhalten soll. Gall ist aktives Mitglied bei der Feuerwehr Flums, Feuerwehr-Instruktor und führt daheim einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb.

«Zuerst alarmieren»

Es gibt allerdings einige Grundsätze zu beachten. Ganz oben steht: «Zuerst alarmieren.» Am besten notiert man sich die Notfall-Nr. 118 der Feuerwehr auf eine Tafel im Stall oder in seinem Handy, denn in der Aufregung erinnert man sich unter Umständen nicht an die Nummer. 

Es kann auch eine andere Notfallnummer sein, zum Beispiel 112, 117, 144, denn alle gehen zur kantonalen Notrufzentrale, von welcher aus die Einsatzkräfte alarmiert werden. Nicht nur die Feuerwehr, sondern auch Berufskollegen können eine grosse Hilfe sein, denn sie wissen, wie mit den Tieren und dem Traktor umzugehen ist.

Einsatzleiter informieren

Während der Landwirt selbst im Stall die Tiere von der Anbindung löst, kann seine Frau die Berufskollegen avisieren. Wie man die Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr nützt, hängt von der Situation ab. Es gilt, möglichst Ruhe zu bewahren und nichts zu überstürzen. Oberste Priorität nimmt die eigene Sicherheit und die Rettung von Personen ein. Es folgen die Tiere, die Umwelt und schliesslich die Sachwerte.

«Der Landwirt nützt der Feuerwehr vor dem Stall oft mehr als im Stall», sagt Gall. Dann kann dieser den Einsatzleiter darüber informieren, wo Menschen oder Tiere gerettet werden müssen, aber auch, wo sich Gefahren für die Rettungskräfte oder die Umwelt befinden. Solche Gefahren können zum Beispiel ein Treibstofftank oder ein Düngerlager sein, dessen Stoffe hoch konzentriert mit dem Löschwasser in das Grundwasser oder in Bäche gespült werden können. 

Gewohnten Weg gehen

Der Landwirt sollte den Kontakt zum Einsatzleiter suchen, damit dieser die Aktionen der Feuerwehrleute koordinieren kann. Er ist an seiner gelben Weste erkennbar. Hydranten sind in den Plänen der Feuerwehr eingezeichnet, aber die Feuerwehrleute finden sie manchmal schneller, wenn der Landwirt ihnen die Stelle zeigt.

Beim Retten sollte man die Tiere nicht zu etwas zwingen müssen. «Sie sollten den gewohnten Weg gehen können», sagt Gall. Auch sollte es möglich sein, die Tiere vor dem Stall «aufzufangen», damit sie nicht ziellos herumrennen und sich und andere in Gefahr bringen. Mittels griffbereiter Panels lassen sie sich auf den Laufhof oder  auf eine nahe Weide leiten. 

Hydrant nicht zuparken

Das alles funktioniert nur, wenn man sich im Voraus Gedanken über das Vorgehen bei einem Brandfall gemacht hat und präventiv auf gewisse Vorkehrungen achtet. Dazu gehört, Hydranten nicht durch Maschinen oder Futterballen zu verstellen, den Traktor mindestens nachts nicht vor den Stallausgängen abzustellen und Zufahrtswege zum Stall frei zu halten. 

Wie auf Industriebetrieben sollte auch auf Landwirtschaftsbetrieben eine Liste mit Telefonnummern von Leuten vorhanden sein, die in einem Notfall helfen können. Ein Vorteil ist, wenn der Landwirt das Vorgehen mit seiner Frau und eventuellen Mitarbeitern bespricht. So weiss jeder, was seine Aufgaben im Ernstfall sind.

Feuerlöscher oder Nasslöschposten

Zu den Vorkehrungen für den Brandfall gehört auch, dass Feuerlöscher oder sogar ein Nasslöschposten im Stall oder in der Futtertenne vorhanden sind. Je länger der Schlauch des Nasslöschpostens, desto besser. So lässt sich ein Brand evtl. noch beim Entstehen löschen, oder er breitet sich langsamer aus und man gewinnt Zeit. 

Die Evakuierung von Tieren geht schneller und einfacher, wenn sich die Türen nach aussen öffnen lassen und Schnellverschlüsse vorhanden sind. Bei Schweine- und Hühnerställen sollte man an den Einbau von Sprinkleranlagen denken. Brandmelder sind heute für wenige Franken zu haben und sollten im Stall sowie an besonderen Gefahrenstellen ebenfalls vorhanden sein.

Situation durchdenken

Löschgeräte, Hydranten und Brandmelder sind regelmässig auf ihre Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. «Bei einem Brand geht es nicht lehrplanmässig zu», betont Gall, doch man kann sich bis zu einem gewissen Grad für den Ernstfall wappnen. Der Landwirt kann zum Beispiel von sich aus Kontakt mit der Feuerwehr aufnehmen, damit sie eine Feuerwehrübung auf dem Hof durchführt und nötigenfalls einen Einsatzplan erstellt. «Das kostet den Landwirt nichts», ergänzt Gall. Im Ernstfall liegen meistens die

Nerven blank, und es geht hektisch und emotional zu. Die Situation vorher einmal durchdacht oder eine Übung durchgeführt zu haben, gibt dem Landwirt und der Feuerwehr mehr Sicherheit, im Ernstfall das Richtige zu tun.

Einsatz grundsätzlich unentgeltlich

«Der Einsatz der Feuerwehr ist grundsätzlich für den Geschädigten unentgeltlich», sagt Titus Mesmer, stellvertretender Feuerwehrinspektor im Kanton St.Gallen. Es sei denn, es würde ihm grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen. Der Landwirt soll die Feuerwehr unverzüglich alarmieren, wenn er Rauch oder einen Brand auf seinem Betrieb feststellt. Erst danach soll er selbst einen Löschversuch starten, ohne sich dabei in Lebensgefahr zu bringen. Auch wenn es ihm gelingt, den Brand zu löschen, bevor die Feuerwehr eintrifft, hat der Einsatz für den Betroffenen keine finanziellen Folgen. Nur, wenn der Landwirt die Feuerwehr präventiv alarmiert, zum Beispiel, um die Temperatur im Heustock zu messen, wird ihm dies berechnet. mg

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