6.01.2020 14:57
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Island
Film: «Milchkrieg in Island»
In der isländischen Provinz gärt es: Die Milchbauern, deren Höfe hoch verschuldet sind, kommen auf keinen grünen Zweig. Schuld daran hat vor allem auch die örtliche Genossenschaft. Eine Frau aber will das nicht mehr länger hinnehmen. Der Film aus Island kommt diese Woche in die Kinos - vorerst nur in Deutschland. -> Mit Video

Island gehört seit Jahren zu den Trendstationen. Auch von der Schweiz gibt es mehrere Flüge pro Woche nach Keflavik pro Woche, insbesondere in den Wintermonaten. Die Insel fasziniert - die Kargheit und Ursprünglichkeit hat ihren eigenen Reiz.

Kämpfen ums Überleben

Es gibt aber auch ein ganz anderes Island - dort, wo man nur noch das Blöken der Schafe hört und die Kühe grasen. Dort spielen die Filme von Grímur Hákonarson. Der isländische Regisseur hat das harte Leben der isländischen Bauern verfilmt. In der rauen und kargen Natur kämpfen die Bauern nicht selten ums Überleben.

In Hákonarsons Schaf-Drama «Sture Böcke» (2015) ging es um zwei verfeindete Brüder, die seit vierzig Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben, die sich aber durch eine existenzielle Krise wieder einander annähern. In solch einer tiefen Krise befindet sich auch die Protagonistin seines neusten Films «Milchkrieg in Dalsmynni»: Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir). Sie ist der Heldin. Der Film spielt ebenfalls in der isländischen Provinz, in der zumeist knorrige und wortkarge Männer in Strickpullis den Ton angeben.

Genossenschaft bestimmt alles

Ingas Ehemann Reynir ist LKW-Fahrer. Er wurde auf dem Hof geboren, hängt an ihm. Das Ehepaar ist hoch verschuldet und sie müssen zusehen, wie sie über die Runden kommen. Es ist die Realität vieler Bauern in Island, die hier gezeigt wird. Vor über 100 Jahren ist die Genossenschaft entstanden, damit die Bauern zusammenarbeiten können.

Doch nun bestimmt die Genossenschaft alles: wie viel Geld die Bauern für ihre Produkte bekommen, wer Aufträge erhält – und wer nicht. Als Reynir den Genossenschaftschef Eyjólfur um ein Gespräch bittet, weil er seine Nachbarn nicht mehr verraten will, wirkt er auf der Rückfahrt zu seinem Hof beunruhigt – und kommt ums Leben.

Ehemann erpresst

Nach der Tragödie fühlt sich Inga zum Handeln gezwungen. Inga ist geschockt und trauert. Am Anfang hat sie die Unterstützung von Familie, Freunden und der Genossenschaft. Aber schon bald verhalten sich die Männer, die helfen, als würde der Genossenschaft der Hof gehören.

Sie erfährt zudem, dass Eyjólfur, der Leiter der Kooperative, ihren Mann wegen der hohen Schulden erpresst hat. Als Spitzel sollte er die anderen Bauern verraten, wenn sie es wagten, in anderen Geschäften als die der Kooperative einzukaufen. Das ist für Inga das Startsignal. Sie ruft zum Widerstand auf.

Startet Revoltuion

Über die sozialen Medien äussert sie ihrem Ärger, das Echo ist gross. Sie sei nur ein bisschen unausgeglichen, heisst es anfänglich noch aufseiten der Kooperative, aber Inga ist zu allem bereit. Einschüchterungsversuche vonseiten der Kooperative bewirken das Gegenteil. Sie startet ihre Revolution gegen das System und alte Strukturen. 

Grímur Hákonarson, der in seiner Heimat auch als isländischer Ken Loach bezeichnet wird, versteht sich explizit als politischer Filmemacher, wie er im Interview mit «Cineuropa» sagte. Deshalb setzt er der Korruption und Unterdrückung der mafiös gewordenen Genossenschaft eine starke und kämpferische Frau entgegen, die von dem Willen nach Gerechtigkeit getrieben wird. Schon bald findet Inga weitere Mitstreiter im Kampf gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner.

Grimmiger Humor 

In Hákonarsons eher konventionell erzähltem Milch-Drama, durch das sich zuweilen ein grimmiger Humor zieht, ist der Himmel zumeist wolkenverhangen und grau - die Sonne scheint so gut wie nie. Kann es für die kämpferische Milchbäuerin Inga ein Happy End geben? Wie schon in «Sture Böcke» hat sich Grímur Hákonarson auch diesmal ein überraschendes Ende ausgedacht.

Der Filmstart in Deutschland beginnt kommenden Donnerstag. Ab wann der Film auch in der Schweiz zu sehen ist, ist noch unklar.

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