2.08.2020 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - pd/jgr
Bern
Erste Farbtupfer auf braunen Flecken
Um die Pflanzen alpiner Feuchtgebiete zeigen zu können, hat der Alpengarten Schynige Platte in Wilderswil BE zwei neue «Flachmoore» angelegt.

Mitten im botanischen Alpengarten Schynige Platte auf 2000 Metern über Meer, eingebettet in die sommerlich bunt blühende Milchkrautweide, liegen zwei braune Flecken: Die beiden «Flachmoore», die das Gartenteam diesen Frühling während der Corona-Pause angelegt hat.

Erneuert und vergrössert

«Moore entstehen in der Natur an feuchten oder sogar nassen Stellen», erklärt Gärtnermeister Hansruedi Brunner, der im Vorstand des Alpengartens für das Projekt verantwortlich ist. «Wegen des Sauerstoffmangels in den nassen Böden zersetzen sich Pflanzenresten äusserst langsam, es entsteht ein torfartiges, extrem saures Substrat, das die Prozesse weiter verlangsamt. Solche Prozesse kann der Mensch fast nicht nachahmen.» So hatte sich denn auch der Boden im künstlichen Flachmoor, das zuletzt 1981 erneuert worden war, ungünstig entwickelt und in den letzten Jahren so stark verdichtet, dass er kein Wasser mehr aufnehmen konnte. Das alte «Moor» sei nun vollständig erneuert und um eine zweite Fläche erweitert worden, heisst es in einer Medienmitteilung.

Langfristiges Projekt

Für den Alpengarten, der die meisten seiner 750 Arten in ihren natürlichen Pflanzengesellschaften zeigt und damit auch ökologische Zusammenhänge vermitteln kann, ist die Anlage von künstlichen Standorten zweite Wahl. «Unser Ziel ist aber, den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die alpine Flora der Schweiz zu geben», sagt Hansruedi Brunner. Und dazu gehören eben auch die Sauergräser und Blütenpflanzen der alpinen Feuchtgebiete. «Viele dieser Pflanzen sind hoch spezialisiert, und die meisten kommen sonst nirgendwo vor.»

In den neuen Flachmooren möchte der Alpengarten typische Pflanzenarten aus sechs verschiedenen Lebensräumen ansiedeln. Die Aufgabe wird die Gärtnerinnen und ihren Berater, den Botaniker Adrian Möhl, noch lange beschäftigen. Denn alle Pflanzen werden in den Saatbeeten des Alpengartens aus Samen gezogen. So kommen sie gewöhnlich recht gut mit dem rauen Lokalklima zurecht; aber manche Samen brauchen zwei Jahre, bis sie keimen; und bis eine Pflanze blüht, können je nach Art und Standort noch einmal mehrere Jahre vergehen.

Erste Farbtupfer

Für erste Farbtupfer sorgten diesen Sommer die unverwüstlichen Sumpfdotterblumen, die erste Mehlprimel und der orange und gelb blühende Fetthennen-Steinbrech. Darüber schwebten ein paar weisse Flaumbällchen des noch winzig kleinen Wollgrasbestandes. Auch die Gelben Seggen haben schon geblüht und tragen nun ihre igelförmigen Fruchtstände, während das Sumpffingerkraut und der Moorenzian schon mal mit den Blättern Energie tanken.

Probieren und beobachten

«Wie sich die Pflanzen und die Böden in den nächsten Jahren entwickeln, wissen wir nicht», sagt Gärtnermeister Brunner. Eine grosse Unbekannte ist insbesondere die Reaktion der sauren Böden auf Trockenperioden, die mit dem Klimawandel immer häufiger werden. «Wir sind gespannt und werden die Entwicklungen sowohl wissenschaftlich als auch gärtnerisch genau beobachten.»


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