29.03.2020 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Bern
Er hat die Nester voller Hasen
Die Oster-Rammlerschau ist wegen Corona abgesagt. Doch Kaninchen-Züchter Peter Bärtschi lässt seinen Kopf nicht hängen. Drei seiner Häsinnen haben geworfen. Bald zeigt sich, ob die Ohrenlänge der Kleinen passt.

Die Löffel aufrecht, das Fell glänzend geputzt. Weit mehr als Hundert Hasen sollten sich kommende Woche im Berner Dorf Bleiken treffen, um unter sich den Schönsten auszumachen. 

Mit der ersten Oster-Rammlerschau wollte der Ornithologische Verein (OV) den Besuchern etwas Spezielles zum Frühlingsfest bieten. Wer züchtet, weiss: Kleintierausstellungen finden normalerweise zwischen November und Februar statt. 110 Züchter hatten sich angemeldet – darunter auch Peter Bärtschi.

Er sollte als Vereinsmitglied zudem die Tombola organisieren.  Aber dann kam alles anders. Das Coronavirus machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung.  Aus Sicherheitsgründen verbot der Bund jegliche Ansammlung von Menschen, die eine gewisse Anzahl an Personen übersteigt. Damit war klar: Diesen Frühling gibts keine Kaninchenschau.

30 Jahre Erfahrung

Während bei Veranstaltungen Stillstand herrscht, kommt im bernischen Herbligen auf dem Hof von Peter Bärtschi langsam Leben in die Bude. Vor drei Wochen haben drei seiner Häsinnen Junge geworfen. Anfangs lagen die Kleinen unter gerupften Mutterhaaren im Nest. Hatten weder viel Fell noch oft die Augen geöffnet. Nur wenn sich die Mutter zum Säugen setzte, zappelten die Knirpse wild unter den Büscheln. Jetzt aber, seit einigen Tagen, sind die Häschen aus dem Nest gekrochen.

Die Kaninchenzucht ist Peter Bärtschis grosse Leidenschaft. Seit mehr als 30 Jahre züchtet er «Schweizer Feh».  Eine gefährdete Kaninchenrasse, die unter ProSpecieRara geführt wird.  Das besondere Merkmal  ist ihr blauwildfarbiges, geperltes Fell, das demjenigen des sibirischen Eichhörnchens nahekommt.  Bärtschi hatte jeweils 65 Hasen. Vergangenes Jahr reduzierte er seinen Bestand aus Zeitgründen auf 35. Seine Häsinnen führt er  nur noch einmal pro Jahr zum Bock.

Kleine Würfe sind besser

Mittlerweile sind die Hasennester kontrolliert.  Vier bis fünf Junge sind es pro Wurf. Das sei perfekt, sagt der Landwirt, denn bei Zuchtkaninchen seien weniger mehr. «In kleinen Würfen sind die Jungtiere besser genährt, werden robuster und sehen ausgewachsen gepflegter aus», erklärt der Züchter.  Auch eine gute Fütterung sei wichtig, um schöne Tiere zu haben. So erhalten Bärtschis Kaninchen jeden Morgen frisches Heu und Würfel. Zwischendurch dürfen es auch mal Himbeerstauden für die Verdauung oder Zweige als Beschäftigung sein. Die Muttertiere stehen gar zweimal am Tag vor einem vollen Futtertrog.

Sein erstes Langohr kaufte Bärtschi sich in der vierten Schulklasse mit seinem gesparten Sackgeld. Ein Widder mit grossen herabhängenden Ohren. Rasch einmal war klar: Nicht nur die Kühe sollten an Schauen teilnehmen dürfen, sondern auch seine Chüngel. Nach den Hängeohr-Widdern folgten Holländer, Kaninchen mit symmetrischer schwarz-weisser Zeichnung, und dann schliesslich die Schweizer Feh.

1983 trat er dem OV Oberdiessbach bei, mittlerweile züchtet er längst vorne mit. Dreimal war er mit seiner Sechser-Kollektion Schweizer Meister. Vergangenes Jahr holte er in Tavannes einen Kollektions-Durchschnitt von 96,8 Punkten. Seine Spitzen-Häsin trägt eine Punktzahl von  97,5.

Nur Schweizer Böcke

Bärtschi trennt die kleinen Hasen ungefähr im Alter von zwölf Wochen von der Mutter und stallt sie einzeln ein. Ob deren Fellmerkmale sich für die Zucht eignen, zeigt sich erst, nach dem Aushaaren im Herbst. Dann muss auch die Ohrenlänge stimmen. Zwischen 10,2 und 10,7 Zentimeter sollte sie betragen. Bärtschi hingegen setzt die Obergrenze etwas tiefer bei 10,5 an. Bei Schauen werden nebst der Ohrenlänge, auch Körperbau, Fell und Farbe, Glanz, Perlung und die spezielle hellbraune Unterfarbe bewertet. Um in die Ränge zu kommen, muss alles stimmen.

Bei der Nachzucht setzt Bärtschi deshalb auf Böcke aus der eigenen Zucht. Allzu blutfremde Tiere würden eine einheitliche Zuchtlinie verhindern. Nur selten tauscht Bärtschi Rammler, wie die männlichen Tiere genannt werden, mit Rassenklubmitgliedern aus. Dabei gilt für ihn strikt: Nur Böcke aus Schweizer Zucht.

Alle Titel abgeräumt

Rund fünf Ausstellungen besucht Bärtschi pro Jahr. Dazu gehören die Gruppenschau und die Schweizer Meisterschaft des Rassenclubs. An seinen schönsten Erfolg mag er sich noch gut erinnern. 2007 holte er und seine Tochter an der Schweizer Meisterschaft in Basel alle Titel. Er den Sieg bei den Kollektionen und Rassen. Die Tochter bei den Stämmen.

«Da ist man schon ein bisschen stolz», meint Bärtschi bescheiden. Die Kaninchen verbinden jahrelange Freundschaften der Familie. Und obwohl Bärtschis zwei Töchter mittlerweile erwachsen sind, trifft man sie regelmässig bei den Hasen an.   Immer mal wieder helfen sie bei Ausstellung mit oder sie schauen beim Vater auf dem Hof vorbei. 

Bis  der Bundesrat die  Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie lockert und Tierausstellungen in der Schweiz wieder erlauben wird, dürfen oder müssen  sich  die Kaninchenzüchterinnen und Kaninchenzüchter jedoch an herzigen Bildern ihrer Jungtiere erfreuen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE