6.10.2015 09:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Pamela Fehrenbach
Schwingen
«Ein tolles Gefühl, die Beste zu sein»
Sonia Kälin wird dieses Jahr nach 2012 zum zweiten Mal Schwingerkönigin. Die Sekundarlehrerin trainiert bis zu zehn Stunden pro Woche und ist die einzige Schwingerin, welche von Emmentaler Switzerland gesponsert wird.

«Schweizer Bauer»: Schon vor dem Eidg. Frauenschwingfest von verganenem Sonntag in Gränichen standen Sie als Schwingerkönigin fest. Wie kann das sein?
Sonia Kälin: Es entscheidet die Jahreswertung, deshalb kann die Schwingerkönigin schon vor dem Eidgenössischen feststehen. Dieses findet, anders als bei den Männern, jährlich statt.

Es ist nach 2012 das zweite Mal, dass Sie Schwingerkönigin sind. Was bedeutet der Titel Ihnen persönlich?
Es ist ein tolles Gefühl, die Beste zu sein. Man trainiert hart dafür, und es ist das höchste Ziel, das du erreichen kannst. Ein Wunschtraum  für alle, die mit Schwingen beginnen.

Und vermarktungstechnisch? Spitzenschwinger haben einen hohen Marktwert und entsprechend auch Sponsoren. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Das ist nicht vergleichbar. Ich arbeite Vollzeit als Sekundarlehrerin. Meine Sponsoren unterstützen mich seit meinem Titel 2012, vom Sport leben kann ich, wie auch die meisten meiner männlichen Kollegen, nicht.

Von Margrit Vetter-Fankhauser, Schwingerkönigin 2013 und 2014, hörte man ausserhalb der Fachkreise kaum etwas. Sie sind indes oft in den Medien. Weshalb?
Sponsoring ist auch immer mit Aufträgen verbunden, etwa Werbung und  Auftritte. Das wird wahrgenommen. Mein Hauptsponsor Emmentaler Switzerland sponsert zudem ja auch Schwingerkönig Matthias Sempach. Diese Kombination ist optimal für die Präsenz unseres Sportes in den Medien. 

Was sagen ihre Schülerinnen und Schüler zu Ihrem sportlichen Erfolg?
Sie freuen sich und finden das toll. Sie wissen schon bevor sie zu mir in die Oberstufe kommen, was ich mache, und sind sich gewohnt, dass sie hie und da in den Medien stehen. Frauen, die schwingen, sind für sie nichts Ungewöhnliches, wir haben Schüler und auch einige Schülerinnen, die schwingen.

Steckbrief

Sonia Kälin (9. März 1985) wird morgen Sonntag zur Schwingerkönigin 2015 gekränzt. Sie wohnt in Egg SZ und ist Lehrerin Sek I (Französisch, Englisch, Sport, Hauswirtschaft). Ihr Motto: Nimm nicht das, was du bekommen kannst, kämpfe dafür, was du bekommen willst!

Bei den Männern hat sich der Schwingsport sehr entwickelt. Der Hype um den Schwingsport macht die Athleten für Medien und Sponsoren interessant. Wie sieht das bei den Frauen aus?
Mit lediglich rund 40 aktiven Schwingerinnen ist das Frauenschwingen noch immer eine Randsportart  und deswegen vermarktungstechnisch etwas weniger interessant als das Schwingen bei den Männern, wo es ja mehr als 3000 Aktive sind. Doch technisch haben wir uns enorm weiterentwickelt.

Was bringt Sie zu diesem Schluss?
Dieses Jahr hatten wir vier verschiedene Festsiegerinnen, früher gab es öfters Dominatorinnen. Zudem werden die Frauen immer athletischer, keine der vier Festsiegerinnen ist über 70 kg. Man muss heute technisch stark, mental fit und körperlich enorm leistungsfähig sein, um vorne dabei zu sein.

Die sportliche Steigerung führt bei den Männern zunehmend zu einer höheren Verletzungsanfälligkeit. Ist das bei den Frauen auch so?
Wir Frauen sind verletzungsresistenter (lacht). Nein. Aber wir haben weniger Kraft, auch wenn wir austrainiert sind, wirken naturgemäss trotzdem viel geringere Kräfte auf unsere Bänder, Sehnen und Gelenke. Und wir schwingen weniger explosiv. Verletzungen sind deshalb bei uns die Ausnahme.

Wie viel trainieren Sie?
Das sind etwa 8 bis 10 Stunden, je nachdem, wo ich gerade bin in der Saison. Im Winter trainiere ich mit der Ringerriege Einsiedeln und sonst natürlich Kraft-Ausdauer und viel Techniktraining.

Spitzenschwinger haben oft persönliche Trainer. Sie auch?
Bei technischen Fragen wende ich mich meist an die Schwinger vor Ort, sie sind sehr offen und helfen mir weiter. Meine Schwester und ich trainieren mit den Aktiven des Schwingklubs Einsiedeln. Kondition und Kraft trainiere ich aber mit Ex-Skirennfahrer Urs Kälin bei der Ringerriege Einsiedeln.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wünschten Sie sich für den Frauenschwingsport?
Dass man man an Schwingfesten Synergien nutzt. Die Infrastruktur steht. Wieso also nicht zum Beispiel am Samstag die Frauen, am Sonntag die Männer, oder gar gemeinsam? Und dass Sponsoren, die Spitzenschwinger unterstützen, zusätzlich auch eine Frau sponsern würden. Im Moment bin ich – soweit ich weiss – die Einzige mit  einer professionellen Vermarktung. Da wäre also noch grosses Potenzial vorhanden.

 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE