10.12.2019 14:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Andreas Walker
Brauch
Ein Samichlaus und 250 Iffelen
In Küssnacht am Rigi (SZ) ist das Klausjagen jedes Jahr ein Grossanlass. Bei diesem urchigen Brauch werden riesige leuchtende „Iffelen“ (Infuln) an einem Umzug durch die Strassen getragen, gefolgt von Blechbläser, Trychler und Hornbläser. Mit Video

Das Küssnachter Klausjagen gilt als einer der imposantesten Nikolausbräuche Europas. Jedes Jahr am 5. Dezember kommen an die 20‘000 Zuschauer nach Küssnacht am Rigi, um dieses Spektakel zu bestaunen. Der Umzug mit rund 250 kunstvollen Iffelen (Infuln), gefolgt vom St. Nikolaus und etwa 1500 Klausjägern mit Blasinstrumenten, Trycheln und Hörnern, zieht Zuschauerinnen und Zuschauer immer wieder in seinen Bann.

Ein Knall und es ist finstere Nacht

Um etwa 20 Uhr versammeln sich die rund 1500 Klausjäger, die alle ein weisses Hirtenhemd tragen. In einer Seitenstrasse werden die Iffelen für den Umzug fertig gemacht. Zahlreiche Kerzen werden im Innern der Iffelen angezündet und lassen  das farbige Seidenpapier wie ein Kirchenfenster erscheinen.

Um 20.15 ertönt ein lauter Böllerschuss - gleichzeitig geht in ganz Küssnacht die Beleuchtung aus. Während die Geisslechlöpfer ihre Geisseln knallen lassen, setzt sich der Umzug in Gang. Die beleuchteten Iffelen sind jetzt auf den Köpfen ihrer Träger und vermitteln ein gespenstisches Bild. Dabei sind recht stattliche Modedlle darunter, die bis zwei Meter hoch und 20 Kilogramm schwer sind.

Den Iffelenträger folgt der Samichlaus, der von mehreren Schmutzli begleitet wird. Darauf folgen schliesslich die Blechbläser mit der traditionellen Klausenmelodie, die Trychler mit ihren Kuhglocken und die Hornbläser. Dabei erzeugen die Klausjäger einen beachtlichen Sound, der in den engen Strassen von Küssnacht sehr eindrücklich tönt!

Lärm soll die bösen Geister vertreiben

Vor sehr langer Zeit zogen die Burschen von Küssnacht durch die Gassen und versuchten bei den Leuten Esswaren und alkoholische Getränke zu erhalten. Schliesslich wurde 1928 die Küssnachter St. Niklausengesellschaft gegründet mit dem Ziel, das Fest in geordnete Bahnen zu lenken.

Der Ursprung des Brauches dürfte jedoch bis in die Keltenzeit zurückreichen. Sicher ist, dass dieser Brauch während der dunkelsten Zeit des Jahres – vor der Wintersonnenwende – mit schauriger Musik und Geisslechlöpfe die bösen Geister der Dunkelheit vertreiben sollte.

 

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