18.09.2018 17:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Drei Kälber an einem Tag
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Es ist Montagmorgen. Normalerweise gehe ich direkt in das Schulhaus, doch heute mache ich das Mittagessen fertig. Es kommt wieder eine Schulklasse auf die Pfidertschegg. Diesmal aus dem Kanton Zürich, aus der Petermoos-Schule. Ein Schulmodell, das didaktisch und pädagogisch mega spannend ist.

Vormittag verläuft ruhig

Der Vormittag in der Schule verläuft ruhig. Wir haben uns an das neue Schulmodell gewohnt und auch die Schüler/innen aus der 5. Klasse wissen langsam, wie der Laden bei mir läuft. Obwohl es die letzte Woche vor den Ferien ist, sind die Kinder noch motiviert, das freut mich.

Zwei Kühe wollen abkalben und keiner schaut

Am Mittag gehe ich kurz nach Hause, denn ein Rind und eine Kuh wollen abkalben. Ich sehe, dass bei der Kuh Jolie bereits die Fruchtblase gesprungen ist, bei Havanna läuft die Milch in Bächen und sie „trätschet“, wie wir sagen.

Zeigt sich also unruhig und trippelt von einem Bein auf das andere. Am Nachmittag habe ich zwei Lektionen Schule, doch irgendwie ist mir nicht ganz wohl, wenn die beiden Kühe alleine abkalben müssen. Der Nachbar ist in den Ferien und Töbu mit den Schülern auf der Alp.

Stellvertretung am Nachmittag


Mit einem mulmigen Gefühl gehe ich zurück in die Schule. Wenn ich Mutter wäre, und ein Kind hätte, das krank wäre, würde ich Stellvertretung kriegen. Doch ich habe eben keine Kinder, ich habe bloss Kühe, die Kinder bekommen und die ich gerne betreuen würde. Falls etwas schief laufen würde, denn negative Erfahrungen bei Kira und ihrem Gaskalb haben gezeigt, dass sich dies lohnen kann.

So frage ich im Kollegium, ob jemand meine Lektionen übernehmen könnte, schliesslich haben die Kids „nur“ einen Deutschtest, der keine zusätzlichen Erklärungen braucht. Ich habe das Glück, in deinem Kollegium zu arbeiten, in dem man füreinander da ist. Die zwei Lektionen können abgedeckt werden, ich erkläre kurz was auf dem Programm steht und gehe sofort wieder nach Hause.

Mary-Rose ist bereits da

Zu Hause sehe ich, dass bereits ein Kalb geboren wurde. Obwohl es rot gefärbt ist, stammt es nicht von der roten Havanna, sondern von der schwarzen Jolie. Wie schon letztes Jahr, hat sie auch dieses Jahr ein rotes Hardy-Kuhkalb geboren. Es wird Mary-Rose getauft. Die beiden Muttertiere lecken das Junge und machen mehr oder weniger Jobsharing, für einen Moment glaube ich, dass Havanna vergessen hat, dass auch bei ihr die Geburt ansteht.

Berührende Momente

Als sich Havanna endlich hinlegt, sind bald die Beine zu sehen. Die Biestmilch läuft ihr über die Beine und eine Pfütze bildet sich, auch Fruchtwasser läuft aus. Jolie leistet ihr Beistand, leckt sie am Hals, während sie presst und laut brüllt. Zudem leckt Jolie die Bietsmilch und das Fruchtwasser auf. Mit dabei ist die kleine Mary-Rose, die ihre ersten Schritte macht.

Ich bin sehr berührt von dieser Situation. Jolie leistet der unerfahrenen Havanna Beistand, ist nahe bei ihr, ohne sie zu belästigen. Zudem wird mir einmal mehr klar, welche Wunder die Natur mit sich bringt. Ich bin dankbar und stolz, dass ich solche Momente erleben und geniessen darf.

Innerhalb einer Stunde ist das zweite Kalb da

Die Geburt geht recht zügig voran und bald erblickt das Stierkalb das Licht der Welt. Allen vieren geht es gut, die beiden Mütter sorgen sich um ihre Jungen und lassen bald beide bei sich saugen, also auch Jolie das Stierkalb und bei Havanna säugt Mary-Rose.

Zurück in der Schule

So wasche ich den Schleim von meinen Armen, ziehe mich rasch um und gehe wieder in die Schule. Ich schaffe gerade noch die letzten zehn Minuten des Nachmittags. Ich weiss, dass dies nicht unbedingt nötig gewesen wäre, denn meine Stellvertretung macht es bestimmt gut. Doch ein Mädchen hat verlängerte Herbstferien und tritt morgen eine Reise an. Gerne will ich sie noch verabschieden.

Vorbereitungen für Morgen

Wieder zu Hause ergreife ich den Besen, bei uns ist es der Laubbläser, und „wische“ das Tenn und den Platz um den Stall. Denn morgen macht eine Firma ihren Betriebsausflug und schaut am Vormittag bei uns vorbei. Um mehr zu putzen und aufzuräumen reicht es nicht, die Kühe wollen gemolken werden. Und schlussendlich wollen wir unseren Betrieb präsentieren wie er ist, und er ist eben nicht immer perfekt.

„Kühe haben grosse Hoden“

Die letzten drei Kühe warten vor dem Melkstand, als Töbu und Ariane nach Hause kommen. Natürlich will ich wissen, wie es mit den 9. Klässler/innen auf der Alp gelaufen ist. Töbu lobt sie, sie würden erstaunlich viel arbeiten. Weniger als die Arbeit stand aber ihr Verständnis der Landwirtschaft im Zentrum.

Beim Transportieren ins Lagerhaus, seien sie einem Bauern nachgefahren, der gerade die Kühe in den Stall trieb. Ein Junge hinten im Jeep habe bemerkt, dass die Kühe mega grosse Hoden hätten. Töbu klärte ihn dann auf, dass es ein Euter ist, mit Milch drinnen.

Aller guten Dinge sind drei

Zum krönenden Abschluss gebar auch unser Elefant ihr gesundes Limousin-Stierkalb. Kelly ist ein Rind, mit einer Kreuzbeinhöhe von 160 Zentimeter. Das ist viel zu gross für unseren Betrieb, sie wird wohl im Frühjahr verkauft. Kelly ist eine richtige „Gwungernase“ für uns, sie  weist extrem viel Masse auf, könnte von der Substanz her fast der Rasse Simmental angehören, ist aber ein Holstein-Rind. Wir sind gespannt, welche Milchleistung sie erbringt. 

 

 

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